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13. August 2016

Regen, Pilze, Schädlinge Kein Spitzenjahr für Landwirte

Regen, Pilze, Schädlinge | Kein Spitzenjahr für Landwirte, Foto © pitopia / Claudia Holzmann

Fast alle Pflanzen leiden unter dem feuchten Wetter und der wenigen Sonne. Krankheiten breiten sich aus. Die Bauern in Rheinland-Pfalz befürchten Ernteausfälle. Eine Frucht trotzt dem Trend.

Von Theresa Berwian

Für die Landwirte in Rheinland-Pfalz wird 2016 wohl kein Spitzenjahr. Die Bauern- und Winzerverbände erwarten insgesamt nur durchschnittliche Erträge, wie sie der Deutschen Presse-Agentur mitteilten. Das feuchte Wetter und zu wenig Sonnenstunden brachten nach ihren Angaben für viele Pflanzen keine optimalen Bedingungen.

Pilzkrankheiten breiteten sich stark aus und machten einen verstärkten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln notwendig. Vor allem bei Kartoffeln, Erdbeeren und Kirschen rechnen die Bauern mit größeren Einbußen. Nur beim Mais hoffen sie auf gute Ernten.

KARTOFFEL: Für die Kartoffelernte werden in diesem Jahr zum Teil erhebliche Verluste erwartet. Wegen des feuchten Wetters habe sich die Kraut- und Knollenfäule extrem stark ausgebreitet, betont der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd. Vor allem für die Öko-Bauern bringe das größere Ernteausfälle, da ihnen weniger Pflanzenschutzmittel zur Verfügung stünden. Außerdem würden die Mittel häufig sehr schnell wieder vom Regen abgewaschen.

ERDBEEREN: Die Hauptsaison für Erdbeeren ist schon vorbei. Heftige Regenfälle Anfang Juni sorgten dafür, dass viele Beeren faulten. Etwa ein Drittel weniger Früchte wurden nach Angaben des Statistischen Landesamtes in diesem Jahr geerntet. Auch die Anbaufläche sank im Vergleich zum Vorjahr - um knapp 18 Prozent.

APFEL: Die Witterungsverhältnisse machten in Rheinland-Pfalz einen erhöhten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln notwendig. Viele Früchte sind nach Angaben der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz vor allem von Pilzkrankheiten bedroht. Für die wichtigste Obstart im Land sei ungefähr die doppelte Menge an Pflanzenschutzmitteln nötig gewesen.

KIRSCHEN: Für hohe Schäden bei den Kirschen hat in diesem Jahr die Kirschessigfliege gesorgt. Mehr als zwei Millionen Euro sind nach Angaben des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd bei der Kirschernte verlorengegangen. Außerdem platzten viele Früchte wegen des vielen Regens auf. Daher könne der Anbau sogenannter Dachkirschen zu einem Trend werden, sagt ein Experte der Agrarmarkt Informationsgesellschaft in Bonn. Dabei werden Kirschen überdacht angebaut, beispielsweise unter Plastikfolie. Zwar seien die Investitionskosten hoch, die Qualität der Früchte sei aber häufig deutlich besser.

MAIS: Die hohe Feuchtigkeit macht nicht allen Pflanzen zu schaffen. Beim Mais erhoffen sich die Bauern- und Winzerverbände in Rheinland-Pfalz gute Ernten. "Der Mais steht gut da. Er kommt schließlich aus Südamerika und dort ist es auch feucht-warm", sagt Herbert Netter vom Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau. Zwar begünstige das feucht-warme Wetter auch das Wachstum von Unkraut, aber das hätten die Landwirte im Griff. dpa

Weniger Obst dieses Jahr? Kirschessigfliege sägt Früchte an

Ein neuer Schädling bedroht die Ernte der Obst- und Weinbauern in Süddeutschland. Durch die Kirschessigfliege gebe es bereits einzelne Betriebe mit Totalausfällen, sagte Hans-Dieter Stallknecht, Fachreferent für Obst- und Gemüsebau beim Deutschen Bauernverband in Berlin. Die aus Ostasien eingeschleppte Fliege sei in diesem Jahr zum ersten Mal in großem Umfang aktiv. Grund ist das Wetter: Sie finde in diesem Jahr durch den feucht-warmen Sommer ideale Bedingungen vor, teilte die bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) mit.

Die Fliege wüte vor allem in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, sagte Stallknecht. Das ganze Ausmaß der Schäden sei noch nicht absehbar. "Wir kennen den Schädling noch nicht." Die nur etwa sechs Millimeter große Kirschessigfliege sägt die Schale von zahlreichen Fruchtsorten an, um darin ihre Eier abzulegen, erklärte LWG-Biologin Mareike Wurdack. Die Weibchen hätten am Hinterleib einen ausgeprägten "Legebohrer", mit dem sie durch die Schale vieler Früchte kämen. Ist eine Frucht befallen, fällt sie ein und läuft aus. Außerdem riecht sie mostig und vergoren. Befallene Früchte können somit nicht mehr verkauft werden.

Ziel der Fliege sind neben Kirschen auch Brombeeren, Himbeeren, Heidelbeeren, Holunder, Pflaumen und rote Trauben.

Das Julius-Kühn-Institut als Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen beobachtet die Fliege seit 2012 - nie war der Befall jedoch so hoch wie in diesem Jahr. Nach Zahlen auf ihrer Website zählten die Forscher in einem Test-Obstfeld in den vergangenen Jahren nie mehr als 200 Tiere. Dieses Jahr waren es Anfang August 360.

Bekämpfen können Obstbauern die Fliege erst, wenn sie am Werk ist, erklärte Wurdack - mit chemischen Pflanzenschutzmitteln. "Wenn jemand gar keinen chemischen Pflanzenschutz betreibt, überlässt er den Tieren kampflos das Feld", sagte Wurdack. Sie verwies aber darauf, dass auch Mittel gegen die Fliege zur Verfügung stünden, die Bio-Landwirte einsetzen können.

Sorgen bereitet den Experten vor allem die schnelle Vermehrung der kleinen Tiere. Sie lebten im Sommer rund einen Monat, alle drei Wochen schlüpft eine neue Generation, erläuterte Wurdack. Bei wenig Frost könnten die Fliegen auch überwintern. Durch den milden Winter hätten in diesem Jahr besonders viele Elterntiere überlebt, so dass die Zahl der Fliegen ab Juli rasant gestiegen sei.