Reise
28. Februar 2014

Reise nach Nepal

Foto Pitopia

Auch wer kein Bergsteiger ist und in Kathmandu keinen Joint raucht, den kann Nepal in einen Rausch versetzen: Weiße Himalaya-Spitzen sehen und Schreine und Schlangenbeschwörer besuchen

Von Bernd Kubisch

Eisige Welten am Mount Everest, Hippie-Leben in Kathmandu und überall Götter: Eine Reise nach Nepal ist immer noch ein Abenteuer - und ein Trip in eine fremde Welt. Beobachtungen aus einem Land, in dem man mit der Seilbahn zum Beten fährt und wo der Fußabdruck vom Yeti auf dem Flugzeug prangt.

- Eiskaltes Bier zum Sonnenuntergang:

Wer in Nepal etwas über Land und Leute erfahren will, muss nur die Bedeutung der Biernamen entschlüsseln. «Gorkha»: Ein Bier, eine Stadt, eine ethnische Minderheit und ein Name aus dem 18. Jahrhundert für das Königreich Nepal. Der letzte Regent musste 2006 kapitulieren. Dann gab es die ersten demokratischen Wahlen. «Everest»-Bier: Der höchste Gipfel der Erde misst 8848 Meter. Viele Trekkingtouren ziehen in der Annapurna-Region im Nordosten Nepals Gäste aus aller Welt an.

«Nepal Ice»: Nicht überall kann das Bier im Land, das dreimal so groß wie Niedersachsen ist und knapp 28 Millionen Einwohner hat, kalt getrunken werden. Vielerorts gibt es weder Kühlschränke noch Eisblockproduktion, vor allem nur selten im wilden und einsamen Westen hinter Dhangadi. Der Ort ist mit dem Bus von Kathmandu in zwei Tagen erreichbar, aber auch mit Yeti Airlines - etliche Einheimische glauben an die Existenz des zweibeinigen Fabelwesens im Schnee - sowie Buddha Air. Knapp 15 Prozent Buddhisten hat das Land und 80 Prozent Hindus.

- Totentanz:

Der Tote ist geschmückt mit Blüten, der Kopf mit einer roten Maske verhüllt. Nun legt der Bestatter feuchtes Stroh über den Leichnam und zündet das Holz darunter an. Das brennt nicht so schnell, qualmt aber kräftig. Die Trauernden in der weitläufigen Pashupatinath-Tempelanlage stört das kaum. Später wird die Asche des Verstorbenen in den heiligen Bagmati-Fluss gestreut. Der ist in der Trockenzeit besonders seicht und schmutzig. Hunderte Gläubige beten, meditieren und spazieren in sengender Sonne in dem Hindu-Heiligtum.

Gurus, Priester, Asketen, Schlangenbeschwörer lassen sich fotografieren, einige halten die Hand auf, aber dezent. Für Touristen ist nicht immer durchschaubar, was und wer echt ist und was ausstaffiert und bemalt für die Fotoschau. Vor der Pashupatinath-Anlage machen Cafés und Markthändler gute Geschäfte. Angeboten wird Billigschmuck, daneben liegen Dolche, Amulette, Holzscheite, Obst, Kunsthandwerk, Schals und Gewänder. 

- High:

Kinder klettern auf Skulpturen am Hanuman Dhoka Palast, in dem einst die Könige residierten. Eine Kleine sitzt auf dem Arm ihrer Mutter und schleckt glücklich ein Eis. Frauen stehen geduldig Schlange, um Wasser zu schöpfen. Touristen fotografieren die faszinierende, Jahrhunderte alte Architektur: Schreine, Heiligtümer, steinerne Fratzen und historische Häuser. Händler, Lastenträger und Rikschas drängeln sich zwischen unzähligen kleinen Läden in den nahen Altstadtgassen.

Im Touristenviertel Thamel gibt es schon lange auch Mojito und Caipirinha, Nachos und Brötchen. Die großen Zeiten der Hippies und Aussteiger in Kathmandu sind vorbei. Dafür sorgen schon die harten Strafen. Dennoch rauchen etliche Einheimische und Touristen Haschisch und Marihuana - früher und heute, nicht nur in der Hauptstadt.

- Mit der Gondelbahn zur Göttin:

Dhulikhel, fast 1700 Meter hoch und an der Straße nach Tibet gelegen, lädt zum Relaxen und Wandern. Bei gutem Wetter sind einige Sieben- und Achttausender zu sehen. Spektakulärer ist der Blick auf die Schneegipfel des Himalaya-Gebirges im lebhaften Touristenort Pokhara, etwa 200 Kilometer nordwestlich von Kathmandu. Unterwegs lohnt ein Stopp in Gorkha. Eine moderne Gondelbahn gleitet an Seilen zum Manakamana-Tempel. Er ist der Hindu-Göttin Durga gewidmet.

Noch weiter westlich sagen sich Bergziegen und Affen gute Nacht. Viele Dörfler haben weder Strom noch Straßen, beherrschen aber die Kunst des Terrassenanbaus. Mitten in der Wildnis gibt es auch Überraschungen: Erst eine riesige Statue der Hindu-Gottheit Hanuman, dann ein Ort, der im Internet kaum zu finden, aber ein kleines Hotel mit gutem Essen und Service hat. Der Chef des «Pipal Chantari» im Dorf Buder stellt morgens persönlich heißes Wasser vor die Türen der Gästezimmer. dpa

Reise nach Nepal

Anreise: Mehrere Fluggesellschaften fliegen von Deutschland nach Kathmandu. Umsteigen ist nötig. Die Flugzeit beträgt rund elf Stunden.

Reisezeit: Von Oktober bis März ist es sehr trocken. Die besten Reisezeiten sind zu Beginn und zum Ende der Trockenzeit. Dezember und Januar sind manchmal recht kühl.

Einreise: Deutsche Reisende bekommen für knapp 30 Euro ein Touristenvisum bei der Einreise für 30 Tage. Zum Ausstellen sind ein mindestens sechs Monate gültiger Reisepass und ein Passfoto nötig.

Informationen: Botschaft von Nepal, Guerickestraße 27, 10587 Berlin, Tel: 030/34 35 99 20, berlin(at)nepalembassy.de