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02. Januar 2018

Rheinland-Pfalz Tourismus im Land wird erneuert

Foto: Stadt Speyer

Die Loreley, das Moseltal, der Kaiserdom in Speyer - all diese Sehenswürdigkeiten liegen in Rheinland-Pfalz. Trotzdem zieht das Land nicht genügend Touristen an. Das soll sich nun ändern.

Von Doreen Fiedler

Es gibt Zahlen, die nur auf den ersten Blick schön aussehen. Bei näherem Hinsehen aber scheinen sie sich vom positiven Schwarz ins negative Rot zu verändern. Die Tourismuszahlen in Rheinland-Pfalz sind so ein Fall. Seit Jahren steigen die Gäste- und Übernachtungszahlen. Doch in quasi allen anderen Bundesländern sind die Zahlen im vergangenen Jahrzehnt viel schneller nach oben geklettert. Betrachtet man die Zuwächse bei Übernachtungen, bildet Rheinland-Pfalz zusammen mit Thüringen das Schlusslicht.

Damit sich das ändert, hat der Landtag eine Enquete-Kommission Tourismus ins Leben gerufen. Die wichtigsten Touristiker aus Ministerium und Werbeorganisationen, aus Hotellerie und Gastronomie, aus Industriekammer und Heilbäderverband stecken derzeit immer wieder die Köpfe zusammen. Eine «schonungslose Analyse der Situation» sei das, erklärt Wirtschaftsstaatssekretärin Daniela Schmitt. Nach der Sommerpause soll ein Bericht über die neue Tourismusstrategie vorliegen. «Bislang bin ich sehr zufrieden», sagt Kommissionsvorsitzende Ellen Demuth (CDU) über die Arbeit.

Egal, welche Ideen und Vorschläge sich am Ende durchsetzen werden, eines ist schon heute klar: Die Förderung des Tourismus wird mehr kosten. «Wir wissen, dass wir im Vergleich zu anderen Bundesländern zu wenig Geld in den Tourismus geben», sagt Demuth. Das sei eines der Hauptprobleme. Die Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH bekam im vergangenen Jahr 2,8 Millionen Euro aus Landesmitteln - 2010 waren es noch 3,8 Millionen. So kann sowohl im Inland als auch im Ausland weniger die Werbetrommel gerührt werden.

Eines der Ziele werde künftig mit Sicherheit sein, die zahlungskräftigen Gäste gezielter anzusprechen, sagt Stefan Zindler, Geschäftsführer von Rheinland-Pfalz Tourismus. «Alle Gäste sind bei uns willkommen, aber das Marketing wird fokussiert auf Gäste, die im Land Wertschöpfung auslösen.» Bislang kommen vor allem Menschen mit Zelt, Wohnwagen und Wohnmobil gerne an Rhein und Mosel. In den vergangenen zehn Jahren legten die Camping- und Reisemobilplätze besonders stark zu.

Staatssekretärin Schmitt meint, künftig solle eher der Wein- und Genusstourismus ausgebaut werden, zusammen mit dem Städte- und Kulturtourismus, sowie das Thema Tagungen: «Wirtschaftlich erfolgreich kann Tourismus nur sein, wenn die Gäste Geld in die Region bringen, zum Beispiel in die Gastronomie, beim Einkauf, beim Konsum regionaler Produkte.»

Außerdem hat die Kommission einen großen Finanzierungsstau im Hotel- und Gastgewerbe ausgemacht. «Denen müssen wir unter die Arme greifen, damit in den kommenden zehn Jahren nicht 50 Prozent schließen», sagt Demuth. Denkbar sind sowohl Zuschüsse als auch günstige Kredite. «Wenn wir keine Einrichtungen haben, brauchen wir auch keine Touristen anzulocken.»

Das ist Wasser auf die Mühlen von Gereon Haumann, Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Rheinland-Pfalz. Mehr als die Hälfte der 13 500 Betriebe sollen in den nächsten fünf bis acht Jahren an einen Nachfolger übergeben werden, sagt er. Nur für 2000 bis 3000 sei ein Nachfolger gefunden. Eines der Probleme dabei, neben Fachkräftemangel und demografischer Entwicklung: Mit einem Eigentümerwechsel erlischt die Konzession. Um aber ein Gasthaus oder Hotel auf den aktuellen Stand der Vorschriften und Regelungen zu bringen, sind wegen des Investitionsstaus oft sechsstellige Investitionssummen nötig - die der Neue oft nicht hat. Haumann wünscht sich da flexiblere Übergänge gerade für Familienbetriebe.

Überlegt wird in der Kommission auch, bei der Werbung für Rheinland-Pfalz auf wenige starke Zugpferde zu setzen. «Diese könnten zusätzlich aufgeladen werden, damit sie überregional ausstrahlen», sagt Albrecht Ehses, tourismuspolitischer Sprecher der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz. Er denkt dabei zum Beispiel an die Nibelungenfestspiele in Worms, das Mosel-Musikfestival oder Rhein in Flammen. «Das könnte man als Marketing-Basis nutzen im internationalen wie nationalen Markt.»

Ehses hält es auch für wichtig, Touristen außerhalb der Hauptsaison anzulocken. «Wir müssen zum Beispiel nach der Saison für Radfahrer und Wanderer den November überbrücken bis zu den Weihnachtsmärkten», sagt er. «Da muss man die Klaviatur der Kultur etwas stärker unter die Lupe nehmen.» Ausstellungen in Museen sollten so organisiert werden, dass sie nicht in die Hauptsaison fielen. Das sei zum Beispiel bei den Nero- und Konstantin-Schauen gewesen - und passiere nun bei Karl Marx in Trier wieder.

Ein Thema, das bei den Überlegungen über die Zukunft des Tourismus immer wieder auftaucht, ist die Digitalisierung. Zindler von Rheinland-Pfalz Tourismus sagt, das Marketing habe sich dadurch «massiv verändert». «Die Menschen stellen sich heute ihre Reise selber zusammen, denn es ist alles online verfügbar. Sie werden selbst zum Reisebüro. Darauf müssen wir uns einstellen, damit wir auffindbar sind.» Künftig ginge es beispielsweise darum, dass rheinland-pfälzische Angebote auch über Assistenzsystem wie Siri und Alexa gefunden werden. dpa