28. November 2015

Schwibbogen, Punsch und Stollen Heimische Produkte in der Adventszeit

© pitopia / Barbara Neveu

Vom frisch geschlagenen Weihnachtsbaum aus der Prignitz bis hin zum Fruchtglühwein aus dem Havelland. Brandenburg hat Weihnachtliches zu bieten, Produkte aus der Region werden immer beliebter.

Von Christian Bark

 

Die Stuben werden weihnachtlich geschmückt, zum Kaffee gibt es Stollen. Viele der Produkte, mit denen die Brandenburger ihre Adventszeit verschönern, kommen aus der Region.

WEIHNACHTSBÄUME: Zum Verkauf stehen in Berlin und Brandenburg rund 1,5 Millionen Bäume. Die Forstwirtschaft züchtet die Kiefern, Fichten, Tannen und Douglasien auf mehreren hundert Hektar. "Der wichtigste Plantagen- und Marktbaum ist die Nordmanntanne", sagt der Geschäftsführer der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Brandenburg, Enno Rosenthal. Private und kommunale Waldbesitzer sowie die Landeswaldförstereien böten die Bäume meist zum Selber-Schlagen an.

In Berlin und Brandenburg, so schätzt Rosenthal, dürfte der Gesamtumsatz für Schmuckbäume und Tannengrün bei rund 20 Millionen Euro im Jahr liegen. "Das Geschäft beginnt beim Schmuckgrün mit Allerheiligen und Totensonntag, dann folgt unmittelbar die Adventszeit", sagt er. Die letzten Bäume würden noch Anfang Januar von orthodoxen, russischstämmigen Kunden gekauft. "Für die Forstwirtschaft ist das Weihnachtsbaumgeschäft ein kleines aber nettes Zubrot zum Jahresende, das viel Einsatz an Wochenenden für die regionale Nachfrage erfordert", so Rosenthal.

GLÜHWEIN UND PUNSCH: Vielen Berlinern und Brandenburgern ist Rosenthal zufolge Frische und das Walderlebnis mit der Familie beim Weihnachtsbaumschlagen wichtig. Oft bieten die Forstwirte ihren Kunden dabei noch eine wärmende Aufmerksamkeit - Glühwein oder Punsch. Der kommt besonders im Havelland direkt von den dortigen Obstbauern.

Einige Obstbauern bieten ihren Fruchtglühwein auch auf Weihnachtsmärkten in Werder, Potsdam oder Berlin an. "An kühlen Tagen wurde der Wein auch schon mal während des Baumblütenfestes erwärmt", sagt der Vorsitzende des Obstbauernverbands, Walter Kassin. Dafür eigneten sich jedoch nur bestimmte Obstsorten wie Apfel, Kirsche oder Schwarze Johannisbeere. "Glühwein und Punsch sind für die Obstbauern aber nur ein Nebenprodukt", stellt Kassin klar. Zumeist verarbeiteten die Bauern den restlichen Wein vom Sommer kurz vor Beginn der kalten Jahreszeit zu Glühwein, zum Teil nach uralten Familienrezepten.

GEBÄCK: Die Bäckerbranche befindet sich nach Auskunft des Landesverbands der Bäcker in einem leichten Aufwind. Das sei auch dem Adventsgeschäft zu verdanken und dem Erfindungsreichtum der Bäcker. "Die Klassiker der Weihnachtsbäckerei werden immer wieder variiert und so gibt es mittlerweile auch Cranberry-, Bratapfel-, Baumkuchen- oder Whiskystollen", sagt Verbandsgeschäftsführer Johannes Kamm. Ähnliches gilt für Dominosteine.

Grundsätzlich sei der Vertrieb der Brandenburger Spezialitäten auf die jeweilige Region begrenzt. "Die Verwendung von regionalen Rohstoffen nimmt dabei eine immer wichtigere Rolle ein. Die Kunden möchten öfter wissen, woher ihre Lebensmittel stammen", sagt Kamm.

WEIHNACHTSSCHMUCK: Die Brandenburger investieren viel Zeit und Geld in ihre Weihnachtsdeko, wie der Geschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg (HBB), Nils Busch-Petersen, mitteilt. Gekauft würden Gestecke aus dem Blumengeschäft aber auch Accessoires aus Holz. Die werden zum Teil auch in der Mark direkt produziert. Die im Land noch fünf aktiven Betriebe der Drechslerinnung fertigen im geringen Umfang auch Adventsschmuck, wie Innungsobermeister Steffen Huber mitteilt. Der Bau von Spinnrädern, Treppen oder Möbeln dominiere jedoch die Produktion.

Eine breitere Palette an "Adventsschmuck made in Brandenburg" kommt aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Brandenburg/Havel. "Die Gefangenen fertigen unter Anleitung unterschiedlichste Artikel aus Holz, Metall und anderen Werkstoffen", heißt es aus der Manufaktur der JVA. Im Vordergrund stehe die Produktion von Weihnachtsartikeln, wie Pyramiden oder Schwibbögen. Derzeit gebe es während einer Aktionswoche auch einen Werksverkauf in Brandenburg, der von Kunden sehr gut angenommen werde. Die hinter Gittern entstandenen Produkte werden auch im Internet verkauft.

UMSATZ: Der brandenburgische Einzelhandel kommt Verbandsangaben zufolge in diesem Jahr auf einen Gesamtumsatz von schätzungsweise 7,6 Milliarden Euro - ein Plus von 2,5 Prozent gegenüber 2014. Das Weihnachtsgeschäft macht nach Angaben des Einzelhandelsverbandes rund 20 Prozent des Jahresumsatzes aus, für die Spielzeugläden sogar bis zu 30 Prozent. Immer beliebter unter dem Gabentisch werde Literatur aus und über Brandenburg. dpa