REISE
08. April 2017

Städtereisen Ich bin mal kurz weg

Foto Pitopia

Rom, London, Paris - oder vielleicht Porto und Breslau? Kurzurlauber zieht es häufig in die Metropolen Europas. Und das klappt immer spontaner und flexibler, dank Billigflügen und Hotelportalen.

Von Oliver Kauer-Berk

Auf der Rambla shoppen, an der Seine Café au lait trinken oder auf dem Mauerpark-Flohmarkt nach Trödel stöbern: Die Städtereise boomt, und sie wird zunehmend online und immer spontaner gebucht. Während Metropolen wie Barcelona, Paris oder Berlin zu den Klassikern gehören, steigt die Nachfrage nach kleineren Städten. Günstige Flüge, Spezialpakete der Reiseveranstalter und über Hotelportale einfach buchbare Unterkünfte befördern den Trend zum kurzen Spontanurlaub in den Städten Europas.

WARUM: Erlebnisse und Erreichbarkeit

Städte bedienen den «Kurz-und-spontan-weg»-Trend, erläutert Sarah Mempel vom Deutschen Tourismusverband. «Sie verfügen über eine hohe Erlebnisdichte und sind in der Regel gut erreichbar.» Kurzum: Auf kleinem Raum gibt es viel zu sehen. Die Angebote der Billigflieger sorgen für gute Erreichbarkeit. Außerdem kommt es beim Urlaub in der Stadt nicht so sehr auf die Saison an. Flanieren über Alleen und Plätze, ein Besuch im Museum, Restaurants und Bars: All das bereitet auch ohne acht Stunden Sonne am Tag Freude.

WOHIN: Die beliebtesten Destinationen

Große Städte sind weiter beliebt bei den Reisenden. Doch in London und Rom waren viele schon. Deswegen steigt die Nachfrage nach Trips in kleinere Städte, wo Neues entdeckt werden kann. Potenzial haben beispielsweise Köln, Düsseldorf, Leipzig, Porto, Breslau, San Sebastian, Liverpool und Dublin, zählt Nicole Sohnrey auf. Sie ist Städteexpertin bei Tui, dem nach eigenen Angaben größten Veranstalter für Städtereisen in Europa. «Auch die skandinavischen Städte erfreuen sich wachsender Beliebtheit.»

Ein guter Indikator für Trend-Destinationen ist das Reiseportal Spotted by Locals. Der Niederländer Bart van Poll und seine Ehefrau Sanne haben es 2008 aus Begeisterung für das Städtereisen gegründet. Heute vermitteln sie per App Insider-Tipps von Einheimischen aus 67 Städten in Europa und Nordamerika. Nach den Nutzerzahlen liegen momentan Athen, Belgrad, Hamburg, Thessaloniki, Tirana und Warschau voll im Trend, zählt Bart van Poll auf.

In Deutschland sind bei FTI laut Manager Olaf Kistenmacher die Ziele Hamburg, München und Berlin gefragt. Im Ausland favorisierten Kurzentschlossene London, Amsterdam und Paris. «Die Metropolen sind an ein weites Flug-, Bahn- und Busstreckennetz angeschlossen.» Und sie verfügen über reichlich Unterkünfte. Das kommt Buchungen mit wenig zeitlichem Vorlauf entgegen. Kistenmachers Erfahrung: Bei spontanen Städtetrips werden Ziele bevorzugt, die einfach und bequem mit dem eigenen Auto oder der Bahn zu erreichen sind.

WANN: Messen meiden, Nebensaison nutzen

Die meisten Reisenden kommen um die Tage Samstag und Sonntag nicht herum. «Spontane Buchungen werden vorrangig für Wochenendreisen, also von Freitag bis Sonntag, getätigt», bestätigt Kistenmacher. Wer unter der Woche kann, fährt sicherlich günstiger. Auch bei Reisen über die gesetzlichen Feiertage empfiehlt der Experte eine vorausschauende Buchung - Brücken bauen wollen alle.

Bart van Poll weist darauf hin, Zeiten von regelmäßig stattfindenden Messen und Großevents wegen dann steigender Übernachtungspreise und geringerer Hotelkapazitäten zu meiden. Er nutzt dafür Kalenderdienste und die Internetseiten der Fremdenverkehrsämter. Seine Empfehlung: auf die Nebensaison ausweichen. «Klar, der Frühling ist sehr schön, aber in einer Stadt ist das Wetter nicht so entscheidend. Es ist in Barcelona oder Athen großartig im Dezember oder Januar. Keine Touristen und ziemlich gutes Wetter.» Von Citytrips in Europa zur Hauptreisezeit im August rät er generell ab.

Viele Stadthotels bieten im Winter Schnäppchenpreise. Und die Städte hätten dann oft ein besonders breites kulturelles Angebot, sagt Sohnrey. Für 50 Prozent der Tui-Städtekunden sei ein besonderes Event das Reisemotiv, beispielsweise ein Musical. Bart van Poll erinnert daran, dass durch das wachsende Netz der Billigflieger Events wie Konzerte auch für Menschen von weither attraktiv werden.

WIE: Storno-Optionen und hilfreiche Apps

Die meisten entschieden sich spontan für eine Städtereise, weil sie ein genussvolles Wochenende mit dem Partner oder Freunden verbringen oder einfach mal etwas Neues erleben möchten, weiß Kistenmacher. Trotz der kurzen Vorlaufzeit empfiehlt er, sich vorab über die Reiserücktrittsbedingungen und Stornokosten zu informieren. Immer mehr Hotels bieten allerdings kostenfreie Stornierungen bis zum Anreisetag an. Die großen Buchungsportale wie Booking oder HRS weisen sichtbar auf diese Option hin. Das ist komfortabel für Urlauber.

Bart van Poll hat die Newsletter aller größeren Fluggesellschaften abonniert und hält dort nach Schnäppchenpreisen Ausschau. Außerdem nutzt er die App Hopper. Mit ihrer Hilfe kann er kalkulieren, wann die Flüge am preiswertesten sind. Neue Technik hilft auch beim Finden des günstigsten Hotels. Automatisch tauscht beispielsweise der Anbieter Dream Cheaper stornierbare Hotelbuchungen aus, wenn irgendwo ein günstigeres Zimmer vorhanden ist.

WAS NOCH WICHTIG IST: Sicherheit bleibt ein Thema

Durch die Vielzahl von Anschlägen etwa in Istanbul, Paris, Nizza und Brüssel hat das Image von Städtereisen zuletzt etwas gelitten. Wer sich über die Lage in einem Land informieren will, liest am besten die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes. Ratsam ist es, wenn möglich größere Menschenansammlungen zu meiden - was in einer Großstadt aber natürlich schwierig ist. Fakt ist: Fast überall kann etwas passieren. Doch das Risiko ist weiterhin minimal. dpa