Food
26. Januar 2016

Sternekoch Johann Lafer Pfeffer vom Markt genommen

Foto pitopia

"Extrem hohe" Mineralölgehalte in Pfeffer-Spezialität: Lafer-Produkt nach Stiftung-Warentest-Kritik vom Markt genommen - Problem von Mineralölverunreinigungen durch Verpackungen greift um sich.

Nach einem vernichtenden Testergebnis ist der Verkauf einer Pfeffer-Spezialität der Marke "Lafer. Lecker. Leben." von Johann Lafer gestoppt worden. Das erklärte das Büro des Sternekochs gegenüber der Verbraucherorganisation foodwatch.

In ihrer Januar-Ausgabe hatte die Stiftung Warentest den "Malabar-Pfeffer schwarz" als "mangelhaft" beurteilt. Grund dafür waren hohe Schadstoffbelastungen. Unter anderem hieß es in dem Test, bei dem Lafer-Produkt seien "extrem hohe Gehalte" an Mineralölverunreinigungen nachgewiesen worden. "Der in diesem Fall eingesetzte Rohstoff entspricht nicht unserem eigenen Qualitätsanspruch, weshalb die Ware unmittelbar nach Bekanntgabe der Stiftung-Warentest-Ergebnisse vorsorglich aus dem Markt genommen wurde", heißt es in einem Brief der Herstellerfirma Raps GmbH, den das Büro Lafer an foodwatch übermittelte.

"Bei dem Lafer-Produkt hat der Hersteller schnell und konsequent auf den Mineralöl-Nachweis reagiert - andere Unternehmen wie Rewe oder Kellogg's dagegen verkaufen verunreinigte Marken einfach weiter und muten ihren Kunden Gesundheitsrisiken zu", erklärte Luise Molling von foodwatch.

In den vergangenen Monaten waren in einer ganzen Reihe von Lebensmitteln unterschiedlich zusammengesetzte Mineralölverunreinigungen nachgewiesen worden - Öko-Test fand sie in Dr. Oetker-Produkten, das Bayerische Landesgesundheitsamt in Adventskalendern. Vor allem die sogenannten aromatischen Mineralöle (MOAH) gelten als potenziell krebserregend und erbgutschädigend, weshalb es für sie auch keine unbedenklichen Schwellenwerte gibt.

Bei einem umfangreichen, im Oktober 2015 vorgestellten Labortest von foodwatch war jedes fünfte getestete Lebensmittel (9 von 42 Produkten) mit MOAH belastet. Die beteiligten Unternehmen reagierten äußerst unterschiedlich auf die Nachweise: Während etwa Real und Kaufland bzw. der italienische Hersteller Curti den Rückruf zweier Reisprodukte veranlassten, beließen Kellogg's (Cornflakes) oder Rewe (Bio-Weichweizengrieß) ihre ebenfalls mit MOAH belasteten Marken weiter im Handel.

"Die unterschiedlichen Reaktionen zeigen: Der Gesundheitsschutz darf nicht den Unternehmen überlassen werden", sagte Luise Molling von foodwatch. "Es ist die Pflicht der Bundesregierung, den Herstellern endlich wirkungsvolle Vorgaben zu machen, um die seit langem bekannte Problematik von Mineralölverunreinigungen endlich zu lösen. Wir brauchen sichere Grenzwerte für Mineralöle in den Lebensmitteln - für aromatische Mineralöle heißt das: Null-Toleranz. Und beim Einsatz von Papierverpackungen muss eine wirksame Barriereschicht vorgeschrieben werden, weil nur so der Übergang von Mineralöl vor allem aus Altpapierkartons in die Lebensmittel verhindert werden kann."

Der Test von Stiftung Warentest: Schwarzer Pfeffer und Pfeffermühlen

Bestes Aroma liefern ganze Pfefferkörner, frisch gemahlen. Die Hälfte der ganzen Körner schneidet im Qualitätsurteil "gut" ab, von den gemahlenen Pfeffern hingegen keiner. Wehmutstropfen: Fünf Pfeffer sind hinsichtlich der Schadstoffbelastung und im Qualitätsurteil "mangelhaft". Zu dem Ergebnis kommt die Stiftung Warentest, die für die Januar-Ausgabe ihrer Zeitschrift test 20 der beliebten Scharfmacher getestet hat, davon 14-mal Pfefferkörner und 6-mal gemahlene Pfeffer. Außerdem im Test: 18 Pfeffermühlen.

Die Unterschiede zwischen frisch und fertig gemahlenem Pfeffer sind groß. In der sensorischen Prüfung überzeugten fast alle Pfefferkörner: Acht schneiden in diesem Punkt "gut" ab, vier Bioprodukte sogar "sehr gut" - sie sind besonders aromatisch. Beim gemahlenen Pfeffer hingegen punkten sensorisch nur die beiden vergleichsweise teuren Produkte.

Die Freude am Würzen bremsen jedoch Schadstoffe, insbesondere Mineralöle. In allen Produkten wiesen die Tester gesättigte Mineralöle (MOSH) nach. Bedenklicher für die Gesundheit sind aromatische Mineralöle (MOAH), die im Verdacht stehen, Krebs zu erregen. MOAH wiesen die Tester in vier Produkten nach, dreimal nur in Spuren. Ausnahme sind die Pfefferkörner von "Lafer. Lecker. Leben." aus der Produktserie von Sternekoch Johann Lafer: Der Pfeffer ist extrem mit MOAH belastet. Ermittelt wurden rund 54 Milligramm pro Kilogramm - viel mehr, als die Tester jemals in einem Lebensmittel nachgewiesen haben.

Bislang war ein Traubenkernöl aus dem Test Gourmet-Öle mit rund 10 Milligramm MOAH pro Kilogramm trauriger Spitzenreiter. Da Pfeffer aber nur in sehr kleinen Mengen verzehrt wird, ist selbst diese Konzentration nicht akut gesundheitsgefährdend. Dennoch haben MOAH und große Mengen von MOSH nichts in Lebensmitteln zu suchen.

Zwei gemahlene Pfeffer im Test sind aufgrund der Schadstoffbelastung nicht verkehrsfähig: Die Tester wiesen darin deutliche Mengen von verbotenem Ethylenoxid und die im Test höchsten Pestizidrückstände nach. Beide Pulver waren außerdem ionisierenden Strahlen ausgesetzt, was hätte gekennzeichnet werden müssen.

Echten Gourmets empfehlen die Experten Pfeffer frisch zu mahlen. Die Stiftung Warentest hat aktuell vier elektrische und 14 manuelle Pfeffermühlen getestet: Nur vier der Mühlen schneiden "gut" ab, Testsieger ist eine Handmühle aus Frankreich. Zwei der elektrischen hingegen fallen mit einem "Mangelhaft" durch: In der Dauerprüfung, die gut fünf Jahre Nutzungsdauer simuliert, gab das Getriebe des einen Modells relativ schnell auf, der Mahlgrad des anderen verstellte sich selbst und ließ sich nach einiger Zeit nicht mehr justieren.

3 Fragen an Swantje Waterstraat, Redakteurin test

•Was zeichnet echten Pfeffer aus?

An der rankenden Pfefferpflanze "Piper nigrum" wachsen in Rispen die Pfefferbeeren. Je nach Reifegrad zur Erntezeit und Verarbeitung gelangen sie als schwarzer, weißer oder grüner Pfeffer in den Handel. Selten und teuer ist echter roter Pfeffer. Meist handelt es sich um rosa Pfefferbeeren. Diese Früchte vom Peruanischen oder Brasilianischen Pfefferbaum sind kein echter Pfeffer. Das gilt zum Beispiel auch für Szechuan-, Cayenne- oder Nelkenpfeffer. Fazit: Nicht alles, was Pfeffer heißt, ist auch botanisch gesehen Pfeffer.

•Warum überzeugen im Test sensorisch vor allem ganze Pfefferkörner?

Die harte Schale des Pfefferkorns bewahrt das Aroma, bei gemahlenem Pfeffer geht es relativ schnell verloren. Denn die ätherischen Öle des Pfeffers sind flüchtig. Deshalb sind pfeffrig-würzige und ätherische Noten bei gemahlen verkauftem Pfeffer geringer ausgeprägt als bei frisch zerkleinerten Körnern. test empfiehlt, Pfeffer stets frisch zu mahlen.

•In allen Produkten wurde Schadstoffe nachgewiesen - wie gefährlich sind diese und wie kommen sie überhaupt in den Pfeffer?

Die in allen Pfeffer-Produkten nachgewiesenen gesättigten Mineralöle (MOSH) können sich im Körper anreichern. Bedenklicher für die Gesundheit sind aber aromatische Mineralöle (MOAH), die im Verdacht stehen, Krebs zu erregen. Wir fanden sie in vier Produkten - die Pfefferkörner von "Lafer. Lecker. Leben." waren sogar extrem damit belastet. Eine akute Gesundheitsgefahr besteht aber nicht, weil Pfeffer nur in geringen Mengen verzehrt wird. Mineralöle können während der Produktion als Verunreinigungen im Pfeffer landen. Extreme Gehalte lassen sich dadurch allein aber nicht erklären. Laut indischen Medien wird Paraffinöl etwa als Poliermittel verwendet, damit die Körner schönen aussehen. Sein Einsatz würde jedoch allen Standards der Lebensmittelbranche widersprechen.