REISE
18. April 2017

Thailand Bangkok will Straßenküchen verbieten

Thailand | Bangkok will Straßenküchen verbieten. Foto © pitopia

In Thailands Hauptstadt Bangkok sollen bis zum Jahresende alle Straßenküchen verboten werden. Die Stadtverwaltung begründet dies damit, dass auf den Gehwegen Platz für Fußgänger gemacht werden solle.

Die offenen Küchen, in denen von früh morgens bis spät in die Nacht gekocht, gegart und gegrillt wird, prägen das Straßenbild der 8,5-Millionen-Einwohner-Stadt seit Jahrzehnten. Der Fernsehsender CNN hatte Bangkok erst kürzlich wieder zur Stadt mit der weltweiten besten Straßenküche gekürt.

Die städtische Behörde Bangkok Metropolitan Administration (BMA) geht jedoch schon seit längerer Zeit gegen die häufig illegalen Stände vor. "Wir wollen die Bürgersteige den Fußgängern zurückgeben", sagte der Chefberater des Gouverneurs, Wanlop Suwandee, der Zeitung "The Nation" (Dienstag). "Jeder Straßenverkäufer muss weg." In den 50 Stadtbezirken sollten künftig Sicherheit und Sauberkeit oberste Priorität haben.

Als eine der ersten Straßen, in der es keine offenen Küchen mehr geben soll, nannte der Beamte die Khao San Road, ein beliebtes Ziel von Rucksack-Touristen aus aller Welt. Auch in Bangkoks Chinatown sollen Straßenküchen bald der Vergangenheit angehören.

Aktuell, so genau weiß das keiner, gibt es etwa eine halbe Million solcher Stände mit Streetfood. Das Fast Food asiatischer Version gehört hier zum Leben dazu. «Bangkok lernst Du nur übers Essen kennen», sagt Chawadee Nualkhair, die den besten Führer über die Straßenküchen geschrieben hat. Viele Leute haben aufgegeben, selber zu kochen. In den Garküchen sitzen Besserverdiener, Fahrer von Motorradtaxis und Touristen einträchtig zusammen. Wer keine Zeit hat, lässt sich das Essen in Plastiktüten füllen und nimmt es mit nach Hause.

«Wir wollen die Bürgersteige den Fußgängern zurückgeben», verkündete der zuständige Top-Beamte Wanlop Suwandee. In allen 50 Bezirken hätten Sicherheit und Sauberkeit künftig oberste Priorität. «Es wird keine Ausnahmen geben. Jeder Straßenhändler muss weg.» Das passt zur «Aufräum»-Kampagne, mit der die seit 2014 herrschende Militärregierung das Land säubern will - nicht nur von gefälschten Handtaschen oder DVDs, sondern auch von Dingen wie Korruption und billigem Sex.

Auf den ersten Straßen gilt das Verbot seit dieser Woche bereits: In Thonglor und Ekkamai, zwei beliebten Ausgehvierteln, wurden die Straßenküchen schon für illegal erklärt. Manche Stände sind schon weg, aber einige versuchen trotz der Verbotsschilder weiter ihr Glück. Der Straßenkoch Pongrat Satitmantana (52) meint: «Wenn Streetfood verboten wird, bricht unsere Wirtschaft zusammen. Es geht nicht nur um uns. Das gehört alles zusammen.» Die Köchin Kanapat Janthorn, ein paar Ecken weiter, erzählt: «Ich mache das seit 25 Jahren. Ich habe keine Ahnung, wo ich künftig hin soll.»

Als nächstes wollen sich Bangkoks Beamte das Chinesenviertel vornehmen sowie die Khao San Road, seit Jahrzehnten ein beliebtes Ziel von Rucksacktouristen aus aller Welt. Allein in der Backpacker-Straße, verewigt auch im Thailand-Klassiker «The Beach», gibt es mehr als 200 Straßenküchen. Der Vorsitzende des lokalen Händlerverbands, Piyabutr Jiuramonaikul, appelliert deshalb an die Behörden, ihr Verbot zu überdenken. «Unser Viertel ist einzigartig auf der ganzen Welt.»

Die Hoffnung ruht nun darauf, dass es die Polizei mit der Umsetzung ihrer Pläne nicht so ernst nehmen wird: Meist findet sich hier ja doch noch irgendein Weg. Allerdings gibt es auch in Bangkok schon Gegenden, in denen Straßenküchen Geschichte sind. Wo vier Jahrzehnte lang einer der beliebtesten Streetfood-Märkte war, an der Soi Sukhumvit 38, steht nun ein Hochhaus mit teuren Büro- und Wohneinheiten. Den Begriff Gentrifizierung kennt man auch hier.

Straßenküchen-Expertin Nualkhair sagt zu den Plänen der Behörden: «Bangkok verliert damit an Charme.» Die Idee hinter dem Verbot sei, «eine künstliche Stadt daraus zu machen, eine Art Singapur». Was schade für die vielen Millionen Touristen wäre, vor allem aber für Bangkoks Normalverdiener, die sich teureres Essen nicht leisten könnten. dpa