Reise
20. Januar 2019

Tourismus Das neue Feriendorf Wasserkuppe

Übernachtungsmöglichkeiten sind rar auf Hessens höchstem Berg. Nun kommt ein Feriendorf hinzu, das den Tourismus auf der Wasserkuppe für Natur-, Sport- und Wellness-Fans weiter ankurbeln soll.

Auf Hessens höchstem Berg entsteht derzeit ein neues Feriendorf. Die ersten beiden Holzhäuser sind bereits bezugsfertig, wie die beiden Geschäftsführer des Feriendorfs Wasserkuppe, Andreas Schubert und Boris Kiauka, der Deutschen Presse-Agentur sagten. Bis Weihnachten 2019 sollen alle 14 Unterkünfte auf der höchsten Erhebung der Rhön (950 Meter) fertig sein. Es wird fünf Einzel- und neun Doppelhäuser geben. Die Unterkünfte verfügen über eine Wohnfläche zwischen 70 und 90 Quadratmetern und sind jeweils für vier bis sechs Personen geeignet. Die Baukosten betragen den Angaben zufolge rund 4,5 Millionen Euro.

Das Angebot richtet sich an Familien, Wanderer, Sportler, Naturliebhaber und Sternengucker. Fünf der individuell eingerichteten Häuser sind mit einer auffahrbaren, sechs Quadratmeter großen Dachluke versehen, damit Gäste aus dem Bett heraus den Sternenhimmel beobachten können. Die Rhön ist als Sternenpark anerkannt. Wellness-Urlauber sollen vor allem Spaß an der integrierten Sauna und dem Whirlpool auf der kleinen Terrasse haben.

Geschäftsführer Andreas Schubert sagte: «Wir wollen unseren Gästen einen Dreiklang aus Komfort, Sport und einem Naturerlebnis bieten. Sie können direkt auf dem Erlebnisberg Wasserkuppe übernachten.» Die Wasserkuppe im Mittelgebirge der Rhön ist überregional bekannt als Berg mit einem großen Freizeit- und vor allem Flugsport-Angebot. Die beiden Geschäftsführer und Unternehmer betreiben auf dem 950 Meter hohen Berg unweit des Dreiländerecks an der Grenze zu Bayern und Thüringen unter anderem auch eine Gleitschirm-Flugschule.

Schubert sagte, es fehle an attraktiven Übernachtungsangeboten in der Rhön. Ihr Neubau-Projekt sei eines der wenigen in der Region. «Ansonsten schließen hier eher Betriebe, als dass neue hinzukommen.» Für die Verwirklichung mussten allerdings 42 Fichten abgeholzt werden. Im Gegenzug habe man sich allerdings auch an Ausgleichsmaßnahmen zum Naturschutz beteiligt, erklärte Schubert.

Das Feriendorf ist laut Schubert neben dem auf dem Feldberg im Schwarzwald eines der höchstgelegenen in Deutschland. Es befindet sich auf der Wasserkuppe zwischen den Skipisten und dem Flugplatz und erstreckt sich auf einer Fläche von 7500 Quadratmetern. «Auch wenn vereinzelt Bedenken geäußert worden sind: Wir haben großen Wert darauf gelegt, dass sich die Architektur der Holzhäuser harmonisch in die Landschaft einfügt.» Dennoch habe es einige Zeit gedauert, die Genehmigungsbehörden vom Vorhaben zu überzeugen, sagte Schubert. Die Idee entstand bereits im Oktober 2010, aber Baustart war erst im Juni vergangenen Jahres.

Mit dem Feriendorf wollen die Betreiber ein zeitgemäßes Angebot machen und den etwas eingeschlafenen Übernachtungs-Tourismus in der Region beleben. Sie rechnen mit 10 000 Übernachtungen im Jahr 2020.

Eine Besonderheit des Feriendorfs sei, dass überwiegend regionale Werkstoffe aus der Rhön verwendet worden seien, erklärte Kiauka. Die Hölzer - Fichte, Lärche und Douglasie etwa - kämen aus der Region. Nur das Holz der Außenfassaden stamme aus Sibirien. Beim Bau der Häuser seien nur regionale Handwerksfirmen beauftragt worden, um die Wertschöpfung in der Region zu lassen.

Naturschützer wie der Leiter der Hessischen Verwaltungsstelle des Unesco-Biosphärenreservats Rhön haben keine Einwände gegen das neue Tourismus-Projekt. Torsten Raab beurteilte: «Es gibt großen Bedarf auf der Wasserkuppe. Und das neue Angebot passt dort hin. Wir haben auf dem Berg ohnehin eine hohe Tourismus-Konzentration. Doch das ist nicht schlimm, weil sich dort keine besonders schützenswerten Naturräume befinden. Wenn sich der Tourismus auf der Wasserkuppe konzentriert, sorgt dies an anderen Stellen für Entlastung. Ich finde, der Spagat zwischen Tourismus und Naturschutz gelingt.» dpa