18. August 2012

Übernachtungs-Rekord in Baden-Württemberg

Der Südwesten erlebt als Reiseziel einen Boom

Die Zahl der Übernachtungen ist nach Angaben des Statistischen Landesamts im ersten Halbjahr um 6,5 Prozent auf den Rekord von 21,5 Millionen gestiegen. Darunter waren fast vier Millionen Übernachtungen von Gästen aus dem Ausland, ein Plus von 11,6 Prozent. Dabei erzielten alle Reisegebiete ein positives Ergebnis.

«Neben der guten Geschäftsreise- und Tagungskonjunktur sind die positiven Effekte der Mehrwertsteuersenkung spürbar», sagte der Hauptgeschäftsführer des deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Baden-Württemberg (Dehoga), Jürgen Kirchherr. Viele Betriebe hätten die Steuererleichterung genutzt, um in die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu investieren.

Das Plus bei den Übernachtungen reichte von 3,1 Prozent im Württembergischen Allgäu-Oberschwaben bis 9,9 Prozent in der Region Stuttgart. Der Schwarzwald als bedeutendstes Reiseziel des Landes steigerte laut Landesamt mit rund 9,1 Millionen Übernachtungen den Vorjahreswert um 5,9 Prozent. Zugleich wies der deutsche Hotel- und Gaststättenverband auf den Arbeitskräftemangel in der Branche hin. Knapp 4500 offene Stellen seien gemeldet, aber das spiegele den Bedarf nur unzureichend wider, sagte Dehoga-Sprecher Daniel Ohl.

Die Branche befinde sich in einem harten Wettbewerb um Fachkräfte und müsse dabei mit dem gravierenden Nachteil einer als unattraktiv empfundener Arbeitszeit leben. «Bei uns wird gearbeitet, wenn andere freihaben», sagte Ohl. Das Image einer eher mäßig zahlenden Branche wies er zurück. Unter den Dienstleistern befinde sich das Hotel- und Gastgewerbe bei den Löhnen im Mittelfeld.

Den wachsenden Kräftebedarf zeige auch die Entwicklung seit dem Jahr 2000. Damals seien rund 202 000 Menschen in Hotels und Gaststätten beschäftigt gewesen. Aktuell seien es rund 250 000, davon 110 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in 32 000 Betrieben.

Die meisten ausländischen Gäste (352 000) kamen aus der Schweiz. Ihre Zahl wuchs um 16,7 Prozent. Wichtige Herkunftsnationen sind auch Frankreich und die Niederlande mit jeweils rund 147 000 Gästen und hohen Zuwachsraten von 8,9 und 6,2 Prozent. Österreicher und Gäste aus Großbritannien folgen auf den nächsten Plätzen. Ein besonders hohes Plus verzeichneten die Betriebe bei Gästen aus Litauen, Lettland, Polen und Slowenien. Die Wirtschaftskrise in Südeuropa wirkt sich erwartungsgemäß auch auf die Reiselust negativ aus. Aus Portugal (minus 16,1 Prozent) und Griechenland (minus 15,1 Prozent) kamen deutlich weniger Kunden. Italien schafft noch ein leichtes Plus von drei Prozent. dpa