23. November 2017

Vom Iglu übers Gurkenfass bis zum Abwasserrohr Schräger schlafen

Eis-Iglu, Gurkenfass, Hausboot oder doch Hotel: Zwischen Deutschlands höchstem Berg und der Nord- und Ostseeküste gibt es manche besondere Gästeunterkunft - eine Auswahl von Larissa Loges.

 

Eisige Partynacht an der Zugspitze

Jeden Winter entsteht es neu, um im Frühling wieder zu schmelzen: das Iglu-Hotel auf dem Zugspitzplatt. Die Packliste, die man bei der Buchung erhält, erinnert an einen echten Abenteuertrip. Mitzubringen sind zwei Mützen - die zweite, falls die erste nass wird -, lange Unterwäsche, Socken, Stirnlampe und warme Bekleidung wie zum Skifahren. Ein Expeditionsschlafsack wird gestellt. In dem Iglu-Hotel an Deutschlands höchstem Berg liegen die Temperaturen konstant um den Gefrierpunkt. Hört sich ungemütlich an? Ist es aber nicht.

Am Morgen hat die Prinzessin die Krone schief sitzen, scheint sonst aber rundum zufrieden. Eine lange Nacht liegt hinter der kostümierten Braut und ihren Freundinnen: Junggesellinnenabschied im Iglu-Dorf. Mit Sauna, Käse-Fondue, Außen-Whirlpool, Nachtwanderung und Party. Immer wieder fotografieren die anderen Gäste die in Eis geschnitzten Motive an den rund 1,50 Meter starken Iglu-Wänden. In jeder Saison setzen ein Steinmetz und zwei Schnitzer ein neues Kunstthema um.

50 Gäste pro Nacht finden Platz im Iglu-Dorf. Fast niemand lässt sich das Whirlpool-Erlebnis im Freien entgehen, trotz der frostigen Temperaturen. Ganz klein fühlt man sich inmitten der verschneiten Bergwelt. Später helfen Tee und Tanzen unter einer verzierten Eiskuppel im Restaurant- und Barbereich gegen die Kälte. Die Prinzessin und ihr Gefolge stehen schon auf den Tischen. Die Nacht verbringen die Gäste schließlich in Mehrbett- oder Zweier-Iglus. Kameras, Handys und alles andere, was einfrieren kann, wandert mit in den Schlafsack. Mütze über die Ohren - und kein Geräusch dringt mehr durch die dicken Mauern aus Schnee.

(Das Iglu-Dorf auf der Zugspitze eröffnet am 28. Dezember. Kunstthema der Saison 2017/18 ist Barock (Tel.: 0041/800/88 08 188, E-Mail: info@iglu-dorf.com, www.iglu-dorf.com).

Vom Iglu übers Gurkenfass bis zum Abwasserrohr | Schräger schlafen Fotos: iglu-dorf.com

 

Schlafen bei den Spreewaldgurken

Wesentlich wärmer, aber nicht minder ungewöhnlich schläft es sich im Gurkenfass - zu erleben im Spreewald südöstlich von Berlin. In Lübbenau bietet Familie Hanschick fünf «Mini-Hotels» an. Die Gurkenfässer sind 3,30 Meter lang und haben einen Durchmesser von 2,10 Metern - genug Platz für einen kleinen Vorraum und den Schlafbereich. Dusche, Waschbecken und WC finden sich außerhalb ums Eck, Frühstücken kann man im Restaurant nebenan.

Die Saison im Fass dauert bei Hanschicks von Anfang März bis Ende Oktober. Die Gäste kommen aus allen Generationen und aus der halben Welt. «Das geht los mit Jugendlichen, und das bisher älteste Pärchen bei uns war 84 Jahre alt», erzählt Inhaber Michael Hanschick. «Wir haben Gäste aus Amerika, ganz Europa, aus Japan und Russland.»

(Michael Hanschick, Dammstraße 59a, 03222 Lübbenau (Tel.: 03542/21 71, www.spreewald-hanschick.de).

Am Rhein ein Fass aufmachen

Wem Wein lieber ist als Gurken, der ist zum Beispiel in einem Fasshotel am Rheinufer richtig. «Machen Sie mal ein Fass auf und genießen Sie eine kleine Auszeit» - mit diesem Wortspiel locken die Inhaber der fünf Schlaffässer des «Hotels Anker» im Wallfahrtort Kamp-Bornhofen in Rheinland-Pfalz. Seit 2015 stehen die Fässer jeweils von April bis Oktober als Behausung zur Verfügung. «Man sitzt direkt am Rhein und guckt schräg gegenüber auf die Weinberge von Boppard», sagt Karen Eriksen von der Inhaberfamilie. Kamp-Bornhofen mit den Burgen Liebenstein und Sterrenberg liegt mitten im Unesco-Welterbe Oberes Mittelrheintal.

(Fasshotel am Rhein «Hotel Anker», Familie Eriksen, Rheinuferstraße 46, 56341 Kamp-Bornhofen (Tel.: 06773/215, E-Mail: info@hotel-anker.com, www.hotel-anker.com).

Betonröhrennacht im Ruhrpott

Das «Parkhotel» in Bottrop, im Herzen des Ruhrgebietes, lässt mit seinem Namen an britisch angehauchte Nobelunterkünfte denken. Doch weit gefehlt. Stattdessen gibt es hier Übernachtungen in Beton. Besser gesagt: in Betonröhren. Fünf umfunktionierte Kanalrohre mit Doppelbetten, Beleuchtung und Netzstrom warten im Bernepark auf der Emscherinsel auf Gäste. Wer den Türcode eintippt, findet mehr Raum als gedacht: Die Röhren mit 2,40 Meter Durchmesser sind 3 Meter lang.

Es handele sich um Deutschlands erste Übernachtungsmöglichkeit in Kanalrohren, sagt der Sprecher bei der Emschergenossenschaft, Michael Steinbach. Gebucht wird online, der Türcode kommt per Textnachricht - und gezahlt wird, was beliebt. Sanitäranlagen sind außerhalb der Röhre zu finden, ein Frühstück mit Lokalkolorit gibt es in der Nähe «bei Gabi». «Das ist eine ruhrgebietstypische Bude», erklärt Steinbach. Betonschlummern kann man von Mai bis Ende September.

(Parkhotel, Ebelstraße 25a, 46242 Bottrop (www.dasparkhotel.net).

Auf dem Elbe-Hausboot dem Winterwetter trotzen

Winter wie Sommer lassen sich auch auf dem Wasser genießen - in Norddeutschland zum Beispiel in einem Hausboot auf der Elbe. In Drochtersen kann man sich aussuchen, ob man «Jan» oder «Ulla» will. So heißen die Hausboote der Familie Makris, die im Ruthenstrom liegen, einem Seitenarm der Elbe. Die Böden aus Eichendielen erinnern an die Zeit, als die Boote noch Arbeitsplätze statt Apartments waren.

«Je schlechter das Wetter, desto kuscheliger: Regen, Wind und dann den Kamin auf dem Boot anmachen», sagt Nicole Makris. Etwa 60 Kilometer sind es nach Hamburg, rund 50 nach Cuxhaven - wer mag, kann also das Wasser schnell gegen eine Landpartie tauschen. «Städtetrips machen unsere Gäste aber eher selten. Wer kommt, sucht Entschleunigung. Die verkrümeln sich gemütlich aufs Boot.»

(Hausboote von Nicole und Jelle Makris, Schäferstieg 2, 21706 Drochtersen (Tel.: 04143/99 95 89, E-Mail: nmakris@freenet.de, www.hausbootferien-elbe.de ). dpa