22. Januar 2013

Wein und Genossenschaften in Baden und Württemberg

Weinbauverband betont Regionalität, sorgt sich um den Winzer-Nachwuchs und fordert eine stärkere Bündelung der Genossenschaften

Von Anika von Greve-Dierfeld

Shiraz und Merlot sind keine Gefahr für Trollinger und Spätburgunder - «das sind Spezialitäten, die eher marginale Bedeutung haben», sagte der Chef des Badischen Weinbauverbandes, Peter Wohlfahrt, der Nachrichtenagentur dpa. «Das ist für uns nicht ausbaufähig und entspricht auch nicht unserem Selbstverständnis: Unsere Stärke ist unsere Regionalität.»

Die badischen Winzer tun nach Wohlfahrts Worten sehr gut daran, sich auf die regionale Herkunft ihrer Sorten zu konzentrieren. «Wir wären sonst überall austauschbar.» Auch der Handel frage Regionalität nach. Die dominante Rebsorte im Südwesten bleibe der Spätburgunder. Damit sei Baden - auch flächenmäßig - in Deutschland vorne. «Da sind wir Platzhirsch», sagte Wohlfahrt. «Und Platzhirsch wollen wir weiter bleiben.»

Gefahren für die Weinbauern lauern woanders: Der Weinwirtschaft machten der demografische Wandel und der Fachkräftemangel zu schaffen. «Die Zeit läuft nicht für uns», sagte Wohlfahrt. «In den nächsten zehn Jahren scheiden viele ältere Winzer aus, die ihre Weinberge im Nebenerwerb bewirtschaften.»

Bislang geben nach Wohlfahrts Angaben in Baden rund 200 Winzer pro Jahr ihre Flächen auf. Das könne im Moment noch aufgefangen werden, aber: «Der Beruf muss attraktiver werden und wir müssen intensiver ausbilden im Wettbewerb mit anderen Berufsgruppen. Deshalb werbe man an Landesberufsschulen und beteiligen sich an Berufswettbewerben.

Um wettbewerbsfähig zu bleiben und für die Zukunft noch schlagkräftiger zu werden, regte Wohlfahrt eine stärkere Bündelung der Genossenschaften an. «Wenn wir sie in größeren Einheiten zusammenschließen, dann können sie gewinnträchtiger arbeiten», sagte der Verbandschef. Außerdem könnte eine große Genossenschaft «gegenüber dem Handel und den Discountern fester auftreten».

In Baden gebe es derzeit etwa 40 Winzergenossenschaften, die jeweils für sich im Markt aktiv seien. Weitere knapp 50 lieferten direkt an den Badischen Winzerkeller, einen Genossenschaftsverbund. Daneben gebe es in Baden rund 800 Weingüter und Selbstvermarkter. Badischer Wein werde zu 60 Prozent in Baden-Württemberg verkauft. Etwa 40 Prozent würden im Rest Deutschlands getrunken.

Zudem wollen sich die Weinbauer künftig stärker im Tourismus engagieren. Dafür sei bei der Schwarzwaldtouristik eine Anlaufstelle geschaffen worden, «die sich Gedanken machen soll, wie wir Touristen in unsere Weingüter holen und für unser Produkt interessieren können». Als Beispiel nannte Wohlfahrt etwa Weinwanderungen und den Ausbau des Angebotes von Ferienwohnungen. An der Anlaufstelle beteiligten sich auch das Weinbauinstitut und die badische Weinwerbung. Das Projekt solle zunächst drei Jahre laufen und sei mit rund 250 000 Euro ausgestattet. dpa

Weinbau in Baden-Württemberg

Wein wird in Deutschland auf einer Fläche von insgesamt gut 100 000 Hektar angebaut. Etwa ein Viertel der Anbaufläche entfällt auf Baden-Württemberg. Baden ist mit 15 500 Hektar drittgrößtes deutsches Weinbaugebiet - gefolgt von Württemberg mit 11 300 Hektar.

Im Gebiet des badischen Weinbauverbandes sind 21 000 Weinbauern in 88 Winzergenossenschaften organisiert. Hinzu kommen 350 Weingüter. In Württemberg gibt es 16 000 Winzer. Für die meisten ist der Weinbau ein Nebenerwerb, manche sind hauptberuflich Winzer, andere führen sogenannte Gemischtbetriebe und sind noch als Landwirte tätig.

Im Badischen werden zu 60 Prozent weiße und zu 40 Prozent rote Trauben angebaut. Beliebt sind vor allem die weißen Burgundersorten und der Spätburgunder. In Württemberg konzentrieren sich die Winzer vor allem auf Rotweine, nur zu 30 Prozent stehen weiße Trauben auf den Weinbergen. Aushängeschilder sind Trollinger, Lemberger und Schwarzriesling.