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21. Januar 2012

Weniger Diebstähle in Hotels

Ob Bademantel, Aschenbecher oder Kaffeetasse: Mit dem Hotelnamen versehene Zimmergegenstände werden gern "mitgenommen", die Zahl der Diebstähle geht aber zurück. Handy-Ladekabel und Gebiss werden oft vergessen

Von Julian Mieth

Ob in teuren Luxussuiten, normalen Einzelzimmern oder günstigen Hostel-Zimmern - Diebstahl spielt in Berliner Hotels immer seltener eine Rolle. Einer dpa-Umfrage unter den Hauptstadtherbergen zufolge verschwinden zwar immer noch beliebte Mitbringsel wie Handtücher aus den Zimmern. «Meist wissen sich die Gäste allerdings zu benehmen», sagt die Sprecherin des Westin Grand, Andrea Bishara. Größe und Preisklasse eines Hotels spielen dabei offenbar keine Rolle. Denn auch in den günstigen Hostels und Jugendherbergen kommt vergleichsweise wenig abhanden.

Für Aufsehen sorgte 2011 ein dreister Fall im Grand Hyatt nahe des Potsdamer Platzes. Aus einem Gästezimmer verschwand unbemerkt ein ganzer Safe, erzählt Marketing-Chefin Kerstin Riedel. Und: «Aus dem Lobby-Bereich wurde versucht, eine große und sehr schwere Holzskulptur herauszutragen», erzählt Riedel. «Das war nur mit zwei starken Männern möglich, die aber vor dem Hotel gestellt wurden.»

Auch wenn nach Aussage der Hotellerie weniger entwendet wird - mit dem Hotelnamen versehene Aschenbecher, Unterteller, Bademäntel und Kleiderbügel bleiben Klassiker bei Souvenir-Jägern. Die Artikel kosten zwar in der Regel vergleichsweise wenig. Schnell könne sich das allerdings summieren, weiß der deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). «Wir gehen davon aus, dass der deutschen Hotellerie durch Diebstahl jährlich ein Schaden in Millionenhöhe entsteht», sagt Dehoga-Sprecher Philipp Rust.

Viele Hotels seien deshalb inzwischen dazu übergegangen, auf Logos und Schriftzüge auf Bademänteln, Aschenbechern und Co. zu verzichten, erklärt Rust. Duschgel und Seife seien dagegen meist gratis und in den Bilanzen schon einkalkuliert: Sobald sie geöffnet sind, werden sie ohnehin entsorgt.

Einen anderen Weg geht das Adlon. Um dem Schwund vorzubeugen, bietet man in dem Haus am Brandenburger Tor ein großes Souvenir-Sortiment ein. Bademäntel, Frotteewäsche oder bestickte Kopfkissen können nun legal erworben werden. «Unsere Gäste machen davon regen Gebrauch», sagt Sprecherin Sabina Held. Die Diebstähle hätten deutlich nachgelassen. Jedoch werde jeder Verlust weiterhin genau geprüft. «Sollten wir uns hundertprozentig sicher sein, dass ein Gast etwas "aus Versehen" mitgenommen hat, würden wir ihm dies auch im Nachhinein in Rechnung stellen.»

Den Weg geht auch das Westin Grand in der Friedrichstraße, sagt Sprecherin Bishara. Um Dieben ihr Handwerk zu erschweren, ist zudem Hightech im Einsatz: Die Zimmer können nur mit einer codierten Karte geöffnet werden. Kommt etwas abhanden, lässt sich so genau sagen, wer den Raum wann betreten hat. Dennoch schlagen Langfinger immer wieder zu - auch in den teuren Luxussuiten. «In Teilen unserer Suiten steht Versace-Porzellan von Rosenthal. Da ist es schon passiert, dass das ein oder andere Stück als Andenken mitgenommen wurde», sagt Bishara.

Traditionell mit weniger Diebstählen zu kämpfen haben die günstigen Hostels, die vor allem junge Leute aus aller Welt beherbergen. In seinen vier Berliner Häusern hat A&O Hostels 2011 keine nennenswerte Fälle notiert - und das bei 1,6 Millionen Übernachtungen. «Darum sehen wir bis heute keine Notwendigkeit, hier zentral etwas zu erfassen», sagte Sprecherin Antje Felix. Auch bei den Gästen selbst werde eher selten geklaut: Sie reisen mit weniger Wertsachen und seien daher weniger interessant für Diebe.

Spannender wird es, wenn es darum geht, was Gäste in ihren Zimmern vergessen. 2011 blieb in einem A&O Hostel ein Hund zurück - kein Einzelfall. Den Besitzern fiel das erst Stunden später auf. Spitzenreiter ist indes das Handy-Ladekabel: Laut internen Statistik der NH Hotels Gruppe lässt jeder Gast auf jeder zehnten Reise sein Gerät in einer Steckdose stecken. Auch von vergessenen Gebissen können viele Hotels erzählen - meist werden sie nie abgeholt.

Im Westin Grand fanden Putzfrauen dagegen schon eine mit Geldscheinen gefüllte Tüte. «Dieses Fundstück fand aber ausgesprochen schnell zu seinem Besitzer zurück», sagt Bishara. dpa