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01. Januar 2012

Willkommen 2012 - Berlin und seine Silvester-Bilanz

Am Brandenburger Tor tanzten Hunderttausende fröhlich und friedlich mit Udo Jürgens und den Scorpions ins neue Jahr - mit Sekt im Plastikbecher

Von Sebastian Kunigkeit und Angelika Röpcke

Ein glänzender Start ins neue Jahr: Am Brandenburger Tor bejubelten Hunderttausende ein spektakuläres Feuerwerk, zu dessen Beginn sich der Himmel über Berlins Wahrzeichen golden färbte. Lachende Menschen lagen sich auf Deutschlands größter Silvester-Sause in den Armen und stießen mit Sekt im Plastikbecher auf 2012 an. Währenddessen fegten die Scorpions über die Bühne mit «Rock you like a hurricane».

Schon Stunden zuvor hatten Besucher aus aller Welt die Straße des 17. Juni in einen Hexenkessel verwandelt. Ausgelassen tanzten, sangen und hüpften sie zu den Songs deutscher und internationaler Stars, die sich auf der riesigen Hauptbühne abwechselten. Sieben Großleinwände auf der Partymeile zeigten das Konzert vor dem Brandenburger Tor.

Die Hermes House Band heizte dem Partyvolk kräftig ein, DJ Ötzi riss die Feierenden umringt von vier Frauen im hautengen Glitzeranzug zu «Ring the bell» mit. Bei Marianne Rosenberg tanzten die Massen vor der leuchtenden Bühne. Cassandra Steen kam im «Kleinen Schwarzen» und begrüßte die Feiernden mit «Berlin, ich will Hände sehen!» Am Klavier begeisterte ein festlich gekleideter Udo Jürgens mit einem Medley seiner unzähligen Hits - das Publikum schrie ihm entgegen: «Aber bitte mit Sahne!»

Die Veranstalter hatten für die berühmteste Silvesterparty bundesweit eine eindrucksvolle Kulisse geschaffen. Im Himmel wiesen gewaltige Lichtkegel den Besuchern den Weg, Videosäulen und zahlreiche Scheinwerfer tauchten die Freiluftdisco in das richtige Licht. Auf der etwa zwei Kilometer langen Partystraße zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule drängten sich die Menschen, der Geräuschpegel kletterte von Stunde zu Stunde. Kurz vor 23.00 Uhr meldete die Polizei: «Es kommt keiner mehr auf die Festmeile.»

Zu den Berliner Kulturhighlights 2012 

Vor allem Jugendliche bewegten sich lachend im Takt der Beats, einige ältere Gäste versuchten sich mitten im Gedränge im Paartanz. Manche Besucher hatten ihre wärmende Winterkleidung mit bunten Accessoires auf Party getrimmt, im Meer der Woll- und Fellmützen blitzten glitzernde Hüte und rotleuchtende Teufelshörner auf.

Die Berliner Megaparty zum Jahreswechsel hat Tradition. An Silvester 1989 fielen sich Menschen aus Ost und West am geöffneten Brandenburger Tor in die Arme und feierten die Wende.

Seit Freitag schon war das weitläufige Areal am Brandenburger Tor für die Besucher geöffnet, insgesamt erwarteten die Veranstalter an zwei Tagen bis zu eine Million Menschen. Das Wetter spielte mit, am Samstagnachmittag war es für die Jahreszeit ungewöhnlich mild und sonnig - und auch bei der Party blieb es weitgehend trocken, erst gegen Mitternacht kam feiner Nieselregen auf.

Polizei und Rettungskräfte hatten sich auf eine lange Nacht eingestellt, viele hundert Einsatzkräfte standen bereit. Größere Zwischenfälle blieben zunächst aus, lediglich ein paar verirrte Silvesterraketen verursachten kleinere Brände.

Die Berliner Feuerwehr rückte am letzten Tag des Jahres mehr als 1200 Mal aus, sie hatte ihr Personal für die Silvesternacht verdoppelt. Bereits kurz nach 20.00 Uhr sei der Ausnahmezustand ausgerufen worden, sagte ein Polizeisprecher. «Das ist jedes Jahr so» und bedeute, dass die Berufsfeuerwehr es nicht mehr schaffe, zu allen Notfällen mit eigenen Kräften zu fahren. Daher seien auch das Technische Hilfswerk und die Freiwillige Feuerwehr um Hilfe gebeten worden.

Auch die Polizei hatte viel zu tun. Sachbeschädigungen, häusliche Gewalt, Streit - größere Schlägereien oder gar Messerstechereien seien bis zum späten Abend aber ausgeblieben, sagte der Sprecher. Die Krankenhäuser hatten ihr Personal aufgestockt.

Um die viele Tonnen Müll, den der Neujahrsreigen in den Straßen der Hauptstadt hinterlässt, wollte sich vom frühen Sonntagmorgen an die Berliner Stadtreinigung kümmern. dpa