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20. Juli 2018

Winzer erwarten historischen Jahrgang Hohe Mostgewichte und Mengen

Winzer erwarten historischen Jahrgang

Turbo-Sommer sorgt für historisch frühe Weinlese: Durch den warmen Sommer reifen die Trauben ungewöhnlich früh. Ob sie auch einen sehr guten Wein ergeben, entscheidet sich in den nächsten Wochen. Die Aussichten sind gut.

Bei dem anhaltend schönen Sommerwetter werden die Winzer im Rheingau und an der Weininsel Groß-Umstadt voraussichtlich so früh mit der Lese beginnen wie noch nie. An der Bergstraße bei Heppenheim werden die ersten Trauben bereits am 20. August von den Rebstöcken geholt.

«Es könnte womöglich mehr als drei Wochen eher losgehen als im langjährigen Mittel», sagte Berthold Fuchs vom Weinbau-Dezernat des Regierungspräsidiums Darmstadt in Eltville am Rhein. Das würde bedeuten, dass die Hauptweinlese für den Riesling als wichtigste Sorte bereits Mitte September beginnt - unter Umständen sogar einige Tage eher als 2011. Vor sieben Jahren ging die Lese im Rheingau am 14. September los, das bislang früheste Datum seit Beginn der Aufzeichnungen des Regierungspräsidiums im Jahr 1955.

An der Weininsel Groß-Umstadt ist wie an der übrigen Bergstraße Ende August Lesebeginn. So früh war es in Groß-Umstadt noch nie, sagte der Geschäftsführer der Geschäftsführer der Odenwälder Winzergenossenschaft, Oliver Schröbel. Die Aussichten auf den Jahrgang seien gut. «Es muss aber in den nächsten acht bis zehn Tagen mal regnen, 20 bis 30 Liter.» Die vielen Trauben benötigten auch Wasser zum Wachsen und um vernünftig zu reifen.

In Heppenheim an der Bergstraße werde es schon am 20. August losgehen und damit auch drei Wochen früher als normalerweise, sagte der stellvertretende Geschäftsführer der Bergsträsser Genossenschaft, Patrick Staub. «Wir hatten aber schon mehrere Jahre, in denen es schon im August los ging, beispielsweise 2003.» Gerade in den Lagen Bensheim-Auerbach und Zwingenberg könnten jedoch einige Rebstöcke vertrocknen. «Das beobachten wir zum ersten Mal.» Eine Prognose für die Qualität des Jahrgangs sei noch zu früh.

Auch die Heppenheimer Winzer brauchen dringend Regen. Der Zustand der Regen sei aktuell zwar hervorragend, die Beeren aber auch relativ klein. Und Staub sieht noch ein anderes Problem: Wenn der Herbst tendenziell früher beginne, könne mehr Fäulnis auftreten.

Im Rheingau sähen Reben und Trauben bislang sehr gut aus, sagte auch Fuchs. Er erwarte für den Rheingau eine durchschnittliche bis leicht überdurchschnittliche Erntemenge. Die Entwicklung der Trauben sei angesichts der heißen Witterung bereits extrem fortgeschritten. Und der Experte warnt: Bis zur Lese könne es noch in alle Richtungen gehen.

Die hohen Temperaturen seien für Weißweinsorten und dabei vor allem für den Riesling problematisch. Diese Rebsorte brauche eigentlich eine langsame Reifezeit, die in die kühlere Jahreszeit hineinreiche. In dieser Phase bilde der Riesling seine charakteristischen Aromastoffe.

Außerdem produzierten die Beeren unter sehr warmen Bedingungen viel Zucker - der dann bei der Gärung zu Alkohol wird. «Im Moment sind jedoch eher leichtere Weine im Trend mit weniger Alkoholgehalt.» Wenn sich die Winzer ein Wetter wünschen dürften, dann wären dies im Moment wohl eher fünf Grad Celsius kühler - und ein paar Tage Regen.

Mosel: Winzer blicken mit großen Hoffnungen auf 2018er Jahrgang

Sonne satt und wenig Regen - die Winzer blicken erwartungsvoll einer in diesem Jahr besonders frühen Lese entgegen. Die ersten Trauben der frühen Rebsorten können wohl bereits im August vom Stock genommen werden, erwartet das Deutsche Weininstitut in Bodenheim bei Mainz. In allen Anbaugebieten sei das Wachstum den Durchschnittsjahren um mehr als zwei Wochen voraus.

Wie die Qualität ausfallen wird, kann nach Angaben des Deutschen Weininstituts noch nicht gesagt werden - die Aussichten für einen guten Tropfen sind aber bestens. Für die nächsten Wochen wünschen sich die Winzer weiterhin warmes Wetter und ein wenig Regen.

"Der Jahrgang 2018 könnte in die Annalen eingehen", heißt es an der Mosel. Und in der Pfalz sagt Jürgen Oberhofer vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz in Neustadt über die zu erwartende Qualität: "Es ist wie beim Fußball, wenn wir in der 70. Minute deutlich führen, aber das Spiel trotzdem noch nicht gewonnen haben." Nach dem warmen Sommer sind hohe Mostgewichte in den Trauben zu erwarten; viel Zucker ermöglicht Weine mit hohem Alkoholgehalt, wobei aber in den vergangenen Jahren die Nachfrage nach leichteren Weinen zugenommen hat.

Diesem Anliegen folgt auch die Entscheidung einiger großer Winzer an der mittleren Mosel und der Saar, Randlagen wieder zu bewirtschaften, die in den 1990er Jahren wegen zu geringer Mostgewichte aufgegeben worden waren. Diese als "obere Riegel" bezeichneten Lagen seien ideal für leichtere Weine, erklärte der Geschäftsführer des Vereins Moselwein, Ansgar Schmitz. "Am Markt wächst die Nachfrage nach filigranen Weißweine. Das hat mit dem Lifestyle zu tun, es wird wieder mehr auf den Alkoholgehalt geachtet."

Der begrenzende Faktor für einen wirklich hervorragenden Weinjahrgang sei jetzt die Trockenheit, erklärt Thomas Ibald von der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz: Wenn nicht genügend Wasser in die Traube komme, fehlten die Mineralstoffe, die den besonderen Geschmack der hiesigen Weine ausmachten. So sei dem Jahrhundertsommer 2003 kein Jahrhundertwein gefolgt - "da hat die Finesse gefehlt."

"Dieses Jahr sind wir etwa vier Wochen früher dran als sonst", sagt Moselwein-Geschäftsführer Schmitz mit Blick auf die frühen Rebsorten, bei denen die Lese an der Mosel sonst erst zwischen dem 20. und 25. September beginnt. "Die Vegetation ist sehr weit fortgeschritten, die Weinberge sehen gut aus." Während der Riesling in Steillagen der Mosel sonst erst Ende Oktober oder Anfang November gelesen werde, könne jetzt mit einem Lesebeginn im September gerechnet werden.

Nach der historisch kleinsten Erntemenge im vergangenen Jahr - damals hatten Frostschäden im April schlimme Folgen - sieht es für die Moselwinzer in diesem Jahr deutlich besser aus. Bereits eine durchschnittliche Erntemenge wäre für die Ertragslage der Weingüter willkommen, da der Umsatzverlust im vergangenen Jahr nach Angaben des Moselwein-Geschäftsführers mit lediglich moderaten Preisanpassungen kaum aufgefangen werden konnte. "Das können wir nicht kompensieren, das macht der Markt nicht mit", sagte Schmitz.

Er könne sich seit mehr als 30 Jahren nicht daran erinnern, dass die Trauben zum jetzigen Zeitpunkt schon so weit entwickelt gewesen seien, sagte Ibald. Selbst die Trauben von Rotweinsorten wie der Frühburgunder an der Ahr seien schon durchgefärbt.

Nur vereinzelt wurden die Weinberge von Unwettern heimgesucht. In der Südpfalz gab es etwa einen hundertprozentigen Ausfall auf einer Fläche von 500 Hektar, betroffen waren besonders Weingüter bei Schweigen-Rechtenbach in der Südlichen Weinstraße. Ansonsten aber werden die Ertragsaussichten in den meisten Anbaugebieten als eher überdurchschnittlich eingeschätzt. Für Mosel, Ahr und Mittelrhein freut sich Ibald: "Endlich besteht die Aussicht, dass die Fässer wieder voll werden!" dpa