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24. April 2014

WM-Koch Holger Stromberg im Gespräch

Foto Edel Books

Mehr als Steak und Nudeln: Holger Stromberg bekocht die deutsche Nationalmannschaft - Das Interview

Von Rebecca Krizak

Im Juni reist Holger Stromberg als Koch der Fußball-Nationalmannschaft mit nach Brasilien zur Weltmeisterschaft. Welche Ernährungstipps auch Hobby-Fußballer weiterbringen und welcher Spieler dem Koch schon mal die Pfanne aus der Hand nimmt, erzählt Stromberg im Interview.

Gerade ist Ihr «Kochbuch der Nationalmannschaft» erschienen. Darin erklären Sie, welche Ernährungstipps für Profis auch Hobby-Fußballern helfen. Was lässt sich da übertragen?

Die meisten Leute würden wahrscheinlich sagen, Fußballer müssen viele Nudeln und große Steaks essen. Mehr an Wissen ist oftmals nicht da. Mit einer ausgewogenen Ernährung kann ich aber dafür sorgen, dass mein Körper optimal funktioniert. Als Fußballer muss man Leistung mit dem Kopf und den Füßen erbringen. Wenn man das verstanden hat, kann man die entsprechenden Bausteine zusammensetzen.

Sie werden die Nationalmannschaft zur WM begleiten. Welche Zutaten bekommen Sie in Brasilien nicht? Was nehmen Sie mit?

In Brasilien darf man so gut wie nichts einführen. Das mussten die Italiener schon im Confed Cup feststellen, als sie ihre eigenen Nudeln mitbringen wollten. Da ist alles direkt beim Zoll geblieben. Insofern werden auch wir diesmal unsere Lebensmittel direkt vor Ort beziehen.

Wer entscheidet, was auf das Büfett gelangt. Dürfen Spieler und Trainer Wünsche äußern?

In allererster Linie liegt es in meiner Hand. Aber wenn ein Spieler sich Spiegeleier mit Rahmspinat und Bratkartoffeln wünscht, dann kann das durchaus mit auf den Speiseplan, wenn es möglich ist. Das ist aber immer nur ein Vorschlag oder eine Frage, kein Befehl. Außer wenn der Bundestrainer den Wunsch äußert, er möchte gefüllte Paprikaschoten - dann wird das so gemacht.

Und wenn sich einer der Spieler Currywurst mit Pommes wünscht?

Dann muss er den Titel gewinnen und dann bekommt er am Abend Currywurst mit Pommes, so viel er möchte.

Wir haben ja gerade über Wünsche gesprochen. Was kommt da von den Spielern? Was essen die gerne?

Bei 23 Spielern sind das in der Regel ja auch 23 Lieblingsgerichte. Per Mertesacker zum Beispiel liebt Tomatensuppe, die könnte er in allen Variationen essen und jeden Tag. Aber das würden die anderen Spieler natürlich nicht so gut finden, deshalb muss ich da immer schön die Waage halten.

Kommen die Spieler denn manchmal zu Ihnen in die Küche und schauen, was sie da zubereiten?

Es gibt den ein oder anderen, wie Lukas Podolski, der mir spaßeshalber sagt, «geh mal zur Seite, ich nehme jetzt den Pfannenstiel und zeig dir, wie das geht». Aber das ist natürlich nicht wirklich ernst gemeint und auch nicht ihre Aufgabe. Die Mannschaft spielt Fußball, ich bin der Koch. Ich will nicht, dass sie mir meinen Job wegnehmen und kann ihnen ihren sowieso nicht streitig machen.

Haben Sie denn im Gegenzug schon mal den Ball genommen und gesagt, komm, ich zeig euch jetzt mal, wie das geht?

Unser Co-Trainer hat nach einem Betreuer-Kick einmal zu mir gesagt: «Holger, keiner von uns - inklusive aller Spieler - kocht so schlecht, wie du Fußball spielst.» Damit hatte er wohl Recht. Das ist etwas, was ich mir auf keinen Fall zutrauen würde.

Kann ein gutes Menü die Stimmung nach einem schlechten Spiel wieder etwas bessern?

Wer bei wichtigen Länderspielen verliert, hat verloren. Da kann selbst das beste Essen nichts retten. Nach einem Ausscheiden wie 2010, lässt man die Spieler am besten einfach in Ruhe. Da sind wir alle geknickt und da schmeckt nichts. Essen ist da das letzte, an das in so einem Moment jemand denken würde.

Und wenn es gut läuft für die deutschen Fußballer; wann wird dann auf ein gutes Spiel angestoßen? Erst ganz am Ende der WM?

Definitiv ja. Da sind die Spieler sehr diszipliniert. Das war vor 20 Jahren wahrscheinlich anders. Aber hier muss man sich heute einfach die Frage stellen: wollen wir Erfolg oder nicht? Heutzutage sind die Spieler alle Sportler durch und durch. Da muss ich den Hut vor ziehen, wie sehr diese jungen Männer Profis sind. Ich hätte das nicht gekonnt, ich wäre sicher einmal ausgebüxt. dpa

Hintergrund: Im WM-Quartier der Nationalmannschaft

Zur Person: Seit 2007 ist Spitzenkoch Holger Stromberg für den Speiseplan der Nationalmannschaft verantwortlich und begleitet die Fußballer bei allen großen Spielen. Der 42-jährige Münsteraner betreibt ein Catering-Unternehmen sowie mehrere Restaurants in München. «Das Kochbuch der Nationalmannschaft» ist Strombergs fünftes Kochbuch.

Stromberg: Das Kochbuch der Nationalmannschaft, Edel Books, 17,95 Euro