WEIN
15. Mai 2015

Best of Gold 2015 Die besten Frankenweine

Die glücklichen Sieger gemeinsam mit der Fränkischen Weinkönigin Kristin Langmann, Weinbaupräsident Artur Steinmann, dem Prämierungsbevollmächtigten Hermann Mengler und der parlamentarische Staatssekretärin Dorothee Bär. Foto: Daniel Biscan

Weinexperten haben Bayerns beste Rot- und Weißweine bestimmt. Zu den Gewinnern gehören ausschließlich Weingüter aus Unterfranken

Vor Rainer Balcerowiak stehen vier Weingläser. In jedes wird ein anderer Rotwein eingeschenkt. Die Flaschen sind mit einem schwarzen Stoff umhüllt, damit die Etiketten nicht erkennbar sind. Der Berliner Weinautor ist Teilnehmer eines wichtigen Weinwettbewerbs in der Würzburger Residenz. Er und die mehr als 40 anderen Weinexperten sollen gemeinsam die besten 200 bayerischen Weine von 72 Winzern verkosten, um daraus die besten zehn zu bestimmen.

Best of Gold 2015, Foto: Fränk. Weinbauverband

Die Jury besteht aus namhaften Weinjournalisten, Buchautoren, Sommeliers und Weineinkäufern aus Deutschland und Österreich. Diese Auswahl kommt nicht von ungefähr. Für den Fränkischen Weinbauverband als Ausrichter des Wettbewerbs "Best of Gold" ist das die beste Werbung. Wenn Sommeliers aus München, Österreich, Hamburg und Berlin die Weine gut finden, werden sie sie auf ihre Einkaufslisten nehmen. "Sie sind wichtige Multiplikatoren für uns", sagt Weinfachberater Hermann Mengler vom Bezirk Unterfranken.

Best of Gold 2015, Foto: Fränk. WeinbauverbandBayern spielt als Weinproduzent nur eine kleine Rolle auf dem Markt. Gerade einmal vier bis fünf Prozent des deutschen Weines kommen aus dem Freistaat - und 99 Prozent davon aus Franken. Eine gute Vermarktung ist also wichtig, um trotzdem auf dem Weinmarkt gesehen zu werden.

Die Experten schwenken ihre Weingläser, saugen den Wein schlürfend in den Mund, lassen ihn am Gaumen wirken und spucken ihn wieder aus. Mehrere hundertmal wiederholen sie diese Prozedur an diesem Tag und machen sich zu jedem Wein Notizen. So haben die Weine beispielsweise eine "spannende Staubnote", "eine große Länge", sind "salzig im Abgang", "dropsig", "einfach gestrickt" oder auch "metallisch".

Für Laien ist das eine erstaunliche Welt. Nicht jeder kann auf Anhieb bei einem Wein den Geruch von Brombeeren, Rhabarber, Paprika oder Rosen erkennen. Der unbedarfte Weintrinker riecht stattdessen vielleicht einfach nur den Rotwein. "Das ist keine geheime Fachsprache. Das kann jeder lernen. Man muss einfach seinem Mund vertrauen", sagt Susanne Platzer. Sie verkostet seit 30 Jahren professionell Weine. "Wer Wein verkostet, sollte sich immer drei beschreibende Wörter dazu notieren", rät die Kennerin, die bei einer Weinagentur in München arbeitet.

Natürlich gibt es bei der Beschreibung von Weinen auch feststehende Begriffe, die über trocken und lieblich hinaus gehen. Tausende Fachbegriffe sogar. So kann ein Wein eine "typische Nase" haben - er riecht also so, wie man es bei seiner Sorte erwarten würde. Auch der Abgang eines Weines ist relevant. Das bezeichnet, wie lang und auf welche Art der Wein im Mund geschmeckt wird. Wenn Kenner einen Wein als "ausgewogen", "ausbalanciert" und "auf den Punkt" beschreiben, hat der Winzer viel richtig gemacht.

Best of Gold 2015, Foto: Fränk. Weinbauverband

Doch obwohl die Experten bei einer Weinverkostung nach gemeinsamen Grundregeln testen, können die Urteile sehr unterschiedlich sein. "Es gibt keine objektiven Verkostungen. Wir sind ja keine Verkostungsmaschinen", sagt Balcerowiak. Selbst der gleiche Wein könne morgens anders bewertet werden als am Nachmittag. Außerdem ist für die Bewertung entscheidend, unter welchem Aspekt die Experten verkosten. Soll er zu einem Essen passen oder soll er allein stehen können? Soll er einen regionaltypischen Charakter tragen oder im internationalen Vergleich bestehen?

In der Würzburger Residenz stehen die Tester plötzlich vor einem Rotwein, der die Geister scheidet: "Muss ich den trinken?", fragt Balcerowiak bei einem Spätburgunder, der nach Rauch riecht und von den übrigen Testern am Tisch als "animalisch" bezeichnet wird. Der Wein sei klasse, aber er passe einfach nicht zur Region, meint der Berliner Weinkritiker. Deshalb würde er ihm nur wenige Wertungspunkte geben. Für die Münchnerin Platzer ist der Rotwein dagegen eine Sensation. "Den muss ich haben. Das ist internationaler Stil!"

Die glücklichen Sieger gemeinsam mit der Fränkischen Weinkönigin Kristin Langmann, Weinbaupräsident Artur Steinmann, dem Prämierungsbevollmächtigten Hermann Mengler und der parlamentarische Staatssekretärin Dorothee Bär.

Am Ende rufen die Verkoster einen Schiedsrichter an den Tisch. Er soll die Frage klären, ob ein Wein aus Franken nach der Region schmecken muss oder ob er aus dem bisher bekannten Geruchs- und Geschmacksschema herausfallen darf. Die Antwort fällt diplomatisch aus: "Es ist durchaus möglich, diesen Wein auch auf fränkischen Flächen zu produzieren. In Zeiten des Klimawandels werden wir uns mit so tollen Weinen aus Franken beschäftigen müssen." Der Wein kommt schließlich in die Endrunde der besten 60, schafft es aber nicht aufs Siegertreppchen.

Von den Bewertungen der Jury kann der wirtschaftliche Erfolg eines Weinguts abhängen. Bestechungen seien deshalb auch ein Thema in der Branche, sagt Balcerowiak. Der Wettbewerb des Fränkischen Weinbauverband sei jedoch sauber. "Es gibt ja viel Korruption, aber hier definitiv nicht", sagt der Berliner. Für die Verkoster gibt es kein Geld. Sie bekommen lediglich die Anreise, die Verpflegung und das Hotel bezahlt. Die Jurymitglieder entscheiden selbst, ob sie bei dem Wettbewerb mitmischen wollen oder nicht. Balcerowiak kam gern. "Es ist spannend, die Weine dieser Region zu verkosten."

Für den Wettbewerbstag hat der Raucher die Zigaretten in der Tasche gelassen. "Parfüm, Zigaretten und Kaffee gehen an einem solchen Tag gar nicht", sagt er und seine Kollegen nicken. Sich durch etwa 60 Weine zu testen, ist durchaus harte Arbeit. Da sind Ablenkungen - vor allem für Nase und Gaumen - nicht hilfreich. Christiane Gläser, dpa

Die glücklichen Sieger gemeinsam mit der Fränkischen Weinkönigin Kristin Langmann, Weinbaupräsident Artur Steinmann, dem Prämierungsbevollmächtigten Hermann Mengler und der parlamentarische Staatssekretärin Dorothee Bär. Foto: Daniel Biscan

Best of Gold 2015 - die Sieger

Rotwein
2012 Michelbacher Steinberg, Saint Laurent QbA
Weingut Armin Heilmann, Michelbach

Rotwein Burgunder
2012 Bürgstadter Centgrafenberg, Spätburgunder Großes Gewächs QbA
Weingut Rudolf Fürst, Bürgstadt

Kabinett
2014 Silvaner VDP.Gutswein QbA
Weingut Rainer Sauer, Escherndorf

Kabinett Frucht
2014 Escherndorfer Lump, Riesling VDP.Erste Lage QbA
Weingut Horst Sauer, Escherndorf

Premium
2013 Rödelseer Küchenmeister, Silvaner Spätlese
Winzergemeinschaft Franken e.G. (GWF), Kitzingen-Repperndorf

Premium Frucht
2014 Würzburger Stein, Riesling VDP.ERSTE LAGE QbA
Weingut Juliusspital, Würzburg

Premium Aroma
2014 Volkacher Ratsherr, Scheurebe Spätlese
Weingut Max Müller I, Volkach

Premium Holz
2012 Nordheimer Vögelein, Weißer Burgunder Spätlese
Weingut Rudloff, Nordheim

Edelsüß
2012 Gössenheimer Homburg, Silvaner Eiswein
Weingut Klaus Höfling, Eußenheim

Edelsüß Frucht
2013 Iphöfer-Julius-Echter-Berg, Riesling  BA
Weingut Ernst Popp, Iphofen

Bereits die neunte "Best of Gold"-Auszeichnung konnten die Weingüter Horst Sauer und Juliusspital in diesem Jahr in Empfang nehmen. Sie führen die "Bestenliste" des seit 2004 durchgeführten Wettbewerbs an, dicht gefolgt vom Weingut Rainer Sauer, in dem mittlerweile acht "Best of Gold"-Trophäen ihren Ehrenplatz haben.