Wein
09. September 2016

Beste Weine Deutschlands VDP Große Gewächse

Der VDP präsentierte in Wiesbaden seine Großen Gewächse. Die Gourmetwelten haben die Rieslinge aus dem Jahrgang 2015 und die Spätburgunder aus 2014 und 2013 verkostet.

Von Nikolas Rechenberg

Um es vorweg zu nehmen: Der 2015er ist ein sehr schöner Jahrgang. Kein Superlativ? Doch! Denn die Qualität der Weine ist in seiner gesamten Breite auf einem Top-Niveau – und das in jeder Weinregion von der Mosel bis nach Franken, von der Nahe über den Rheingau nach Rheinhessen.

Peter Jakob Kühn Beste Weine Deutschlands | VDP Große Gewächse

Damit ist für mich der 2015er der kompletteste Jahrgang, den der VDP je abgeliefert hat. Der VDP löst ein Versprechen ein: Wer zu einer Flasche der Prädikatsweingüter aus dem Jahrgang 2015 greift, kann kaum enttäuscht werden. Das muss erst einmal ein Wein-Verband nachmachen!

Rheinhessen und Nahe stehen in der ersten Reihe, ausdrucksstarke Weine mit expressiver Kraft. An der Nahe sind es Diel, Dönnhoff und Emrich-Schönleber. Schäfer-Fröhlich ist eleganter, feiner geworden, nicht mehr ganz so laut wie früher. Meine Entdeckungen sind Joh Bapt Schäfer mit einem elektrisch aufgeladen Goldloch und Prinz Salm, der wieder Anschluss an die Sitze findet. Die Weine von Gut Hermannsberg sind Höhepunkte, kleine Monumente aus der Kupfergrube.

Rheinhessen bietet erstklassige Gunderlochs, Schätzels, Battenfeld-Spaniers, Winters und vielleicht die besten Kühling-Gillots überhaupt, herrliche Wagner-Stempels, Wittmanns und Kellers. Der von vielen unterschätzte St. Antony kommt auch dieses Jahr wieder kraftvoll, souverän und ist eine sichere Bank.

An der Mosel haben mich neben von Othegraven, van Volxem, Loosen und Nik Weis vor allem Heymann-Löwenstein und Clemens Busch beeindruck. Beide sind noch feiner geworden, besonders Busch überzeugt jetzt mit schlanker Finesse. Der Herrenberg von Maximin Grünhaus ist die Entdeckung.

Im Rheingau stehen Weil, Künstler, Spreitzer und Leitz (ebenfalls zarter als je zuvor) ganz oben auf dem Treppchen. Sehr beeindruckt haben mich auch von Oetinger, Prinz und Barth. Balthasar Ress nimmt mit Peter Jakob Kühn eine Sonderstellung ein: extrem zart, raffiniert und mit Finesse (Kühn mit St. Nikolaus und Ress mit dem Nussbrunnen und dem zuvor auf der Schifffahrt gezeigten Berg Schlossberg - ein monumentaler Wein mit eingebautem Alpenkräuter-Panorama).

Die Pfalz punktet mit Knipser und Kuhn, mit Christmann und Rebholz. Entdeckungen sind Rings und Müller-Catoir, von Winning ist eleganter und feiner geworden, warum auch nicht! Von Buhl ist der absolute shooting star mit extrem rassigen Weinen.

Franken besticht ebenfalls mit einem Super-Jahr. Bürgerspital und Wirsching, Horst Sauer und Rainer Sauer sind die Klassiker. Fürst Löwenstein und Luckert sind die Entdeckungen, Ludwig Knoll (Weingut am Stein) steht mit seinem Riesling wie so oft an der Spitze.

Beim Spätburgunder liegt die Ahr weiter vorn. Meyer-Näkel und Stodden bilden wie Keller und Wittmann in Rheinhessen eine Phalanx, Meyer-Näkel kommt herrlich kräuterig und fruchtig, Stodden männlich und herb.

Der Rheingau besticht mit Künstler und Kloster Eberbach, die Pfalz mit Knipser, Kuhn und vor allem Friedrich Becker. Achtet auf Battenfeld-Spanier und Kühling-Gillot in Rheinhessen!

Last not least Franken mit exquisiten Pinots von Benedikt Baltes und Rudolf Fürst, letzterer im direkten Vergleich immer noch ein ganzes Stück feiner und eleganter.

Baden zeigt ebenfalls Eleganz. Im Zeichen der Klimaerwärmung setzen die Winzer auf Finesse. Die Beispiele sind die Granden Huber, Franz Keller, Heger und Salwey. Die Überraschung ist Stadt Lahr/Wöhrle mit einer ausgezeichneten Kirchgasse, cool!

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Last Call zur Premiere der VDP GROSSEN LAGEN in Berlin

Die Prädikatsweingüter haben sich auf den Weg in die Hauptstadt gemacht, um am 12. September 2016 im Telegrafensaal der Telekom Hauptstadtrepräsentanz von 13 bis 18 Uhr (Französische Straße 33 a-c, 10117 Berlin) ihre Weine aus VDP-GROSSER LAGE erstmals Fachpublikum vorzustellen: 132 Prädikatswinzer zeigen 550 VDP-Spitzenweine aus 15 Jahrgängen.

Im Mittelpunkt steht dabei die Premiere der neuen Jahrgänge 2015 (Weißwein) und 2014 (Rotwein). Darüber hinaus zeigen die Winzer auch fruchtsüße Weißweine und ältere Jahrgänge.

Im Januar zieht die VDP-GROSSE LAGE-Tour weiter, etwa nach München, Hamburg, Düsseldorf und Konstanz. Aber: Einzig in Berlin können Weine aller Regionen probiert werden.