WEIN
05. August 2012

Besuch auf dem Weingut Schaefer

foto-tietz

Chefsommelier Gunnar Tietz aus dem First Floor haben es die Rieslinge vom Weingut Karl Schaefer (Bad Dürkheim) angetan

Beim Branchentreff der Busche Verlagsgesellschaft der Top 50 Sommeliers in Deutschland im Hotel Palace Berlin sind mir besonders die Rieslinge vom Weingut Karl Schaefer (Bad Dürkheim) aufgefallen. Ich folgte danach einer Einladung der Familie von Nell in die Pfalz, um das Weingut und seine Top Riesling-Lagen besser kennen zu lernen.

Im Weingut angekommen, nahm sich Kellermeister und bekennender Riesling Funatiker Jan Gros Zeit, mir ausgiebig die Terroirlagen im Herrenberg, Pechstein und den Michelsberg zu zeigen. Der zum Teil kalkhaltige Boden ist mit fossilen Gesteinen durchzogen und läst nachher im Glas eine komplexe Mineralität erkennen.

Erstmalig wurde ich mit den Rieslingen des alten Traditionsweingutes Schaefer im Jahre 2009 aufmerksam, es folgte allerdings jahrgangsbedingt in 2010 nur eine kleine, bescheidene Erntemenge, aber dennoch mit einer sehr ansprechenden Qualität!

Was mich dann aber mehr las überrascht hat, war die Kollektion der Rieslinge aus 2011. Eine klare Handschrift nach Terroir Weinen ist zu erkennen, sauber ausgebaute, animierende Rieslinge, die am Gaumen einfach nur Spass machen. Alte Große Holzfässer aus dem Keller wurden durch Neue ersetzt, es wurde viel in die Kellertechnik investiert, womit sich auch der Durchbruch in 2011 erklären läst.

Besonders angetan hat es mir der Riesling Fossilium aus der Lage Herrenberg. Der im 600 Liter Holzfass ausgebaute Wein wächst auf fossilem Kalkgestein und wurde leicht trüb und ungefiltert auf die Flaschen gefüllt - wie wir es auch schon von roten Spätburgundern kennen. Die zarte Mineralität ist Natur pur, leichte 12 Vol. Alk. machen Durst nach mehr, der Restzucker liegt unter 1 Gramm. (eine begrenzte Flaschenanzahl von 3.000 wurden von diesem Jahrgang 2011 gefüllt).

Allerdings gibt es da noch einen Tropfen im Weingut (2011 Riesling Wachenheimer, der als Sonnentropfen bezeichnet würd). Diesen Wein, der mit einem aus dem Jahrgang 1908 ausgestatteten Etikett versehen ist, hält alles, was der Name verspricht, nicht nur für den Gaumen sonnige Aussichten. Eine trockene und auch eine leicht Restsüße Variante sind auf dem Weingut erhältlich.

2011 Riesling Sonnentropfen mit 4,5g/RZ und 11,5 Vol. für 8 Euro

2011 Riesling Sonnentropfen mit 30 g/ RZ und 9 Vol. für 8 Euro

Was mich bei beiden Varianten so imponiert hat, war die Leichtigkeit, die Filigranität gepaart mit einer gewissen Säurestruktur und diese Mineralität aus dem kalkhaltigen Boden ergeben einfach nur Rieslinge - pur mineral.

Fazit: Hier schlummern Rieslinge, die einfach nur noch wachgeküsst werden müssen. Jan Gros zeigt uns, in welchem Spektrum sich mineralische Rieslinge auch in der Pfalz bewegen können, auf schwarzen Pechstein oder fossilem Kalkgestein. Sicher sind seine Rieslinge erst in der Kinderstube angekommen, aber der Weg bis ins Wohnzimmer ist nicht mehr weit! Die Türen sind zum Teil schon aufgestoßen. Dies zeigen bereist die beiden "Großen Gewächse" Pechstein und Michelsberg.

Sollten die Basisweine auch in 2012 noch mal eine Steigerung zeigen, wird auch weiterhin von Rieslingen vom Weingut Karl Schaefer in Bad Dürkheim mit einem Wow-Effekt zu hören sein, wie es zuletzt auch in Berlin beim Busche Branchentreff der Top Sommeliers deutlich zu hören war!

Mit den besten Empfehlungen

Gunnar Tietz (First Floor)

P.S. zum Abschluss des Tages gab es einen tollen Riesling Sekt Brut Quetschenbaum - ohne Worte!