Lifestyle
01. Mai 2013

Brautstrauß und Hochzeitsessen en vogue

Fotos FDF/Marry Mania, J. Manegold

Fotos: FDF/Marry Mania, J. Manegold

Der Hochzeitsstrauß in der Mode: Eng gebundene Blumen sind out, florale Kreationen in Form einer Stola oder als Schmuck an der Hand sind in - Das Hochzeitsessen

Von Simone Andrea Mayer

Am Ende soll die nächste Braut den Strauß bekommen. Doch zum Werfen sind viele der neuesten Kreationen der Floristen zu schade. «Eng gebundene Sträuße, bei denen die Blumen dicht an dicht gebunden sind und fast wie gequetscht aussehen, sind eigentlich nicht mehr Trend», sagt der Floristmeister Björn Kroner aus Köln. Statt runder und kompakter Sträuße für die Hand trägt die Braut an ihrem schönsten Tag florale Handtaschen, Fächer und Stolen.

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Bei ihm sieht das etwa so aus: Die Braut trägt an ihrem Ringfinger eine Art langes Mobile mit diversen verschiedenfarbigen Blüten. Oder diese werden auf einem Fächer aus Drahtstäben aufgespießt. Und selbst der klassische Strauß für die Hand ist nicht mehr rund und knubbelig. Statt viel Grün als Platzhalter sind nur verschiedenfarbige Blüten in unterschiedlicher Länge locker zusammengebunden.

Der Fachverband Deutscher Floristen (FDF) in Düsseldorf hat verschiedene Ideen unter dem Motto «Marry Mania» gesammelt. Verkaufsschlager neben dem klassischen Strauß sei in seinem Geschäft inzwischen der Entwurf «Butterfly», berichtet FDF-Kreativ-Direktor Manfred Hoffmann. Zwar handelt es sich hierbei auch augenscheinlich um einen Strauß, doch dieser hat nur eine ganze Blüte. Diese sitzt in der Mitte eines Drahtgerüstes, darum werden einzelne Blütenblätter - in der Regel von derselben Blume - arrangiert. Glamelie nennt der Florist diese Technik. Das Besondere daran sei, dass so ein Strauß aus Blüten auf einem Gestell viel leichter und damit handlicher für die Braut ist.

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«Ebenfalls gut kommen die Blütenstolen an», sagt Hoffmann. Die Braut hat nur einen Dekostoff um die Schultern, der mit einzelnen Blütenblättern beklebt ist. Der FDF rät in seinem Trendbeispiel zu Hortensien, Hoffmann hat auch schon mal Lilien verwendet.

Zum Werfen zu schade sind diese floralen Kreationen - aber das macht ja auch nichts, betont Kroner. «Woher kommt denn das mit dem Werfen? Sicher nicht aus Deutschland.» Die Tradition aus den USA sei nur übernommen worden. In Deutschland sei der Brautstrauß immer nur Schmuck für die Braut und nur für diese gewesen, sagt auch Hoffmann. «Obwohl er zum Gesamtoutfit nur wenig beiträgt, wird in Deutschland großen Augenmerk auf den Brautstrauß gelegt. In anderen Ländern ist die Tischdekoration etwa wichtiger.» Aber manche bestehen eben auf den neuen Traditionen - und diesen Bräuten empfiehlt Kroner, einen weiteren kleineren und damit handlicheren Strauß anfertigen zu lassen, um ihn zu werfen.

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Den klassischen Strauß wählen Bräute, die Prinzessin für einen Tag sein wollen. «Das wird auch in Zukunft so sein», prognostiziert Hoffmann. Aber für reine Standesamttrauungen würden viele inzwischen gerne etwas Anderes, Ungewöhnlicheres haben wollen. Ebenso spielt eine Rolle, dass Kleider inzwischen häufig bunte Elemente haben oder ganz farbig sind. Dann könne man auch stärkere Farben für die Blüten wählen, ergänzt Kroner.

Das empfiehlt er allerdings nicht zu einem weißen Kleid. «Denn der Brautstrauß soll das Bild aufwerten und die Braut umschmeicheln», erläutert der Kölner Floristmeister. «Aber einen roten Knubbel zu einem cremeweißen Kleid sieht man auf dem Foto als erstes - noch vor der Braut.» Wichtig sei außerdem der Typ der Braut. «Wer schwarze Haare und dunkle Augenbrauen hat, kann kräftigere Farben wählen», erläutert Hoffmann. Leichte Pastelltöne seien etwas für helle blonde Typen.

Kroner rät von Rosen ab. «In unserer kosmopolitischen Welt gibt es alles, das ganze Jahr über», sagt er. «Aber ins Bild passen doch am besten saisonale Blumen.» Das empfiehlt auch der Landesverband Gartenbau in Nordrhein-Westfalen: Im Winter könnten es etwa Christrosen sein, im Frühling Maiglöckchen.

Brautsträuße müssen heute auch nicht mehr für die Ewigkeit als Trockengebinde taugen. «Er muss für die meisten nur einen Tag halten», berichtet Kroner. «Und da rechnen wir mit 14 Stunden.» Damit die Blüten auch zum letzten Tanz des Brautpaars noch gut aussehen und nicht austrocknen, haben die Floristen Tricks: Die Schnittstellen werden mit Tape abgeklebt oder mit Wachs überzogen. Außerdem gibt es Verdunstungshemmer zum Aufsprühen. Teils haben die neuen Kreationen Wasserbehälter im Griff, etwa das Drahtgerüst der FDF-Trendidee «Butterfly».

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Die Braut sollte spätestens vier Wochen vor der Hochzeit zum Floristen gehen, rät Kroner. «Natürlich kann man sich ein halbes Jahr vorher schon mal umschauen und anfragen.» Hoffmann empfiehlt ein erstes Beratungsgespräch etwa drei Monate vor dem Termin. Wichtig ist laut Kroner, dass die Braut ihr Kleid schon hat. «Dann kann sich der Florist ein Bild von der Hochzeit machen.» Gut sei, wenn die Braut ein Foto und eine Stoffprobe mitbringt. Hoffmann rät auch, Bilder vom Ort der Trauung und Feier zu zeigen. Außerdem sollte die Hemdfarbe des Bräutigams bekannt und mit dem Blumenstrauß abgestimmt sein, erläutert der Landesverband Gartenbau.

Das Beratungsgespräch sollte mindestens eine Stunde dauern, nennt der Verband als Richtwert. Dabei sollte auch der Schmuck für Auto, Kirche und das Restaurant besprochen werden. Die Sträuße, gerade die neuen Kreationen, haben ihren Preis. Ab 100 Euro aufwärts sollte man für einen guten Strauß einrechnen, sagt Kroner. Ein Gebinde mit einem Metallgestell, das über dem Arm getragen wird, kann laut Landesverband Gartenbau 120 Euro kosten. dpa

(Info: Der Fachverband Deutscher Floristen e.V. (FDF) in Gelsenkirchen hat eine florale Hochzeits-Kollektion unter dem Titel Marry Mania entwickelt, die über vierzig Brautstrauß-Variationen und florale Schmuck-Designs wie z. B. Handschuhe, Hüte, Colliers und Ringe umfasst. Die Bandbreite dieser floralen Kreationen (www.marrymania.net) reicht von klassisch rundgebundenen Brautbouquets über abfließende Brautsträuße, grafische Arrangements, Glamelien, Bogen- und Fächersträuße.)

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Das Hochzeitsessen zeitig planen

Die Braut strahlt, der Bräutigam ist gerührt - und den Gästen knurrt nach vielen Reden schon der Magen. Zeit, dass es etwas zu essen gibt. Die Organisation des Hochzeitsmenüs ist ein wichtiger Punkt bei der Vorbereitung des Festes, der nicht erst auf den letzten Drücker erfolgen sollte.

Der Kostenrahmen: «Das Catering ist der größte Kostenfaktor einer Hochzeit, deshalb ist er auch ganz wichtig für die Budgetplanung», sagt Bettina Funke-Redlich vom Bund deutscher Hochzeitsplaner. Für ein «schickes Essen» müssen Paare laut Ferdinand W. Patzer, Präsident des Party Service Bundes Deutschland, mit etwa 26 bis 36 Euro pro Gast rechnen - in Großstädten wie München oder Düsseldorf auch mit mehr. Dazu kommen noch die Getränke und eventuell die Hochzeitstorte oder ein Mitternachtssnack.

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Grundsätzlich muss das Brautpaar entscheiden, ob es ein Buffet geben soll oder das Essen am Platz serviert wird. «Wenn man es besonders festlich haben will, ist es schon nett, wenn man am Platz bedient wird», sagt Rupert Berndl, Autor eines Hochzeitratgebers. Allerdings kann das ins Geld gehen: «Am Tisch serviert ist es immer etwas teurer», ergänzt Patzer. Denn dafür sei mehr Personal und mehr Essensvorrat nötig. Und die Hochzeitsratgeber-Autorin Alexandra Dionisio gibt zu bedenken: «Je mehr Gänge, desto förmlicher die Feier und damit umso kostspieliger.»

Der große Vorteil eines Buffets ist, dass sich jeder Gast das aussuchen kann, was er mag. Außerdem ist der Aufwand für den Caterer geringer. Berndl weist aber darauf hin: Wenn viele ältere Menschen zur Hochzeitsgesellschaft gehören, könnte ihnen der Gang zum Essenholen schwerfallen.

Der Zeitplan: «Der Zeitpunkt für die Planung des Hochzeitsessens ist abhängig von der Wahl der Location», sagt Funke-Redlich. Wer im Restaurant oder Hotel feiere, könne das Menü oder Buffet auch kurzfristig auswählen, da es nur um die Auswahl der Speisen geht. «Brautpaare, die in einer Location feiern, die becatert wird, sollten früh damit beginnen - eigentlich direkt nach der Buchung der Location.» Denn sie müssen recherchieren und Angebote einholen, um den passenden Caterer auszuwählen.

«Der Vorlauf hängt auch von der Jahreszeit ab», ergänzt Patzer. Ist die Hochzeit für Januar geplant, reiche es, vier Wochen vorher zu buchen. Wer in den beliebten Hochzeitsmonaten Mai oder Juni heiratet, sollte sich ein Jahr vor dem Termin um das Thema kümmern. Soll es im Laufe der Feier auch eine Hochzeitstorte geben, empfiehlt Berndl, drei Monate vorher den Konditor der Wahl damit zu beauftragen.

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Die Essensauswahl: Dionisio rät, auf jeden Fall bei mehreren Caterern Angebote einzuholen und vor der endgültigen Entscheidung Probe zu essen. Schon bei der Einladung sollte das Paar seine Gäste fragen, ob es Allergien gibt oder jemand Vegetarier ist, empfiehlt Funke-Redlich. Das Essen an sich sei grundsätzlich eine Frage des persönlichen Geschmacks gewisser Entscheidungsträger, fügt Patzer hinzu. Dazu zählten in der Regel die Eltern der Brautleute und die Braut. «Wenn man deren Geschmack kennt und aufnimmt, liegt man meist richtig», sagt er. Auch ein Blick auf die Jahreszeit lohnt: So bieten sich im Mai oder Juni zum Beispiel Dessert mit frischen Erdbeeren an.

Grundsätzlich sollte sich das Paar Berndl zufolge ausgiebig mit dem Gastronom beraten und überlegen, ob am besten mehr Fisch als Fleisch oder mehr vegetarische Kost auf dem Menüplan steht. Wird am Platz serviert, sollte die Speisenfolge so gewählt werden, dass ähnliche Gerichte oder Essen mit ähnlichen Bestandteilen nicht direkt aufeinanderfolgen. Die Intensität der Aromen sollte sich von Gang zu Gang steigern, Fleisch nach Fisch und Warmes nach Kaltem folgen.

Das Getränkeangebot: «Wir empfehlen bei den Getränken das "deutsche Gaststättenprogramm"», erläutert Patzer. Das heißt, die Getränkeauswahl sollte so vielfältig sein, dass jeder das trinken kann, was er wirklich mag, und dass genügend alkoholfreie Varianten zur Auswahl stehen. Zu den Hauptspeisen sollte es unbedingt mindestens zwei Rot- und zwei Weißweine sowie drei bis vier Biersorten geben, ergänzt Berndl. Aber Achtung: «Grundsätzlich geht Qualität vor Masse.»

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Der Mitternachtssnack: «Ein Mitternachtsbuffet hat heute viel weniger Bedeutung als früher», sagt Patzer. Oft unterbreche der spät angebotene Snack die Party und sei damit ein echter Stimmungskiller. Sinnvoll sei daher, schon am frühen Abend, zu Beginn des Festes, darauf hinzuweisen, dass zu später Stunde auch noch etwas gereicht wird und das Essen als Buffet dann ab 23 Uhr einfach zugänglich zu machen. Je nach Aufwand - von Currywurst bis Lachshäppchen - fallen dafür pro Gast nochmals 8 bis 20 Euro an. dpa

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Die Hochzeitssuppe

In vielen Gegenden Deutschlands steht beim Essen nach der Trauung eine Hochzeitssuppe auf dem Menüplan. Die Zubereitung kann sehr unterschiedlich sein. «Aber es sollte zumindest Leber in irgendeiner Form dabei sein», sagt Rupert Berndl, Autor des Hochzeitratgebers «Damit der schönste Tag gelingt».

Dem Organ werde eine besondere Kraft in Hinblick auf Glück und ein langes Leben zugesprochen. In Bayern finden sich dann zum Beispiel oft Leberknödel oder -nocken in der Suppe. Überhaupt seien Innereien als Hochzeitssuppen-Einlage sehr beliebt: In Norddeutschland sei es das Kalbsbries, anderswo Milz.