25. Februar 2013

Die Kochgeschirrtrends 2013

Moderne Hobbyköche stehen mit Handy-App und Hightech-Garer am Herd - die Konsumgütermesse Ambiente zeigte die Trends von Fissler, WMF & Co

Die einen sitzen mit baumelnden Beinen auf der Arbeitsfläche. Die anderen stehen am Herd und philosophieren über das Ananashühnchen. Der Rest lehnt mit einem Glas Wein am Küchenblock und plaudert. Kochen ist von der alltäglichen Notwendigkeit zum Event geworden.

Cliquen treffen sich am Wochenende und zelebrieren das Zubereiten inzwischen genauso wie das Essen selbst. Alle putzen sich heraus für das kleine Fest - ein rostiger Topf mit Beulen hat da nichts mehr zu suchen. Das zeigten die Aussteller auf der Konsumgütermesse Ambiente Mitte Februar 2013 in Frankfurt.

«Das Kochen an sich muss schon schön aussehen», sagt Christine Knoll, Geschäftsführerin Vertrieb und Marketing beim Hersteller Berndes. In der Hand hält sie eine neongelbe Keramikpfanne. Die Pfanne gibt es schon lange - allerdings nicht in der knalligen Farbe. Berndes hat seine Keramikpfannen bunt gemacht, innen wie außen. Denn ein schwarzer Boden ist von gestern. Auf dem farbigen Pfannenboden komme das dunkle Steak viel besser zur Geltung, findet Knoll. Die Pfanne gibt es nicht nur in Neongelb, sondern auch in vielen anderen frischen Frühlingsfarben.

Farbe ist auch bei Silit ein Thema. Die neue Kochgeschirrserie Nature Colours gibt es zwar auch in Schwarz und Weiß, ihren Namen hat sie aber von den Knallfarben Smaragd und Mountain Blue. Ganz anders setzt Fissler den Trend zur Farbigkeit um: Der Hersteller bat chinesische Künstler, Aquarelle für seine Asian Art Edition zu malen. Vorgaben machte die Firma keine - fast: «Wir haben ihnen schon gesagt, dass das am Ende auf Kochgeschirr kommt», erklärt Corinna Streibart, Leiterin des Produktmanagements.

Herausgekommen sind Edelstahltöpfe mit filigran gezeichneten Schmetterlingen und Blumen in Rot, Blau, Grün, Schwarz oder Braun. Die Motive sind allerdings nur auf wenigen Stellen des Topfes. Die übrige Oberfläche ist glänzender Edelstahl. «In offenen Küchen ist es nicht egal, wie die Töpfe aussehen. Damit bekommt Kochgeschirr einen neuen Stellenwert», sagt Streibart.

Edelstahl sei derzeit besonders beliebt, hat Monika Tiedtke vom Netzwerk Haushalt beobachtet. Auch Glasdeckel sind in der Küche ein Thema - immer öfter randlose. «Ohne Rand sehen sie gut aus und lassen sich auch leichter reinigen», sagt Tiedtke. «Aber sie sind auch empfindlicher.» Beim Spülen etwa schlägt aus der ungeschützten Kante leicht ein Splitter heraus.

Kein neues Thema, aber in diesem Jahr unverzichtbar sind Töpfe und Pfannen, die auch für Induktionsplatten geeignet sind. Die meisten Hersteller auf der Ambiente haben kaum mehr Produkte im Sortiment, die nicht induktionsfähig sind. Denn die Kunden setzen das inzwischen voraus.

Zwar haben bislang nur wenige Haushalte Induktionsplatten, aber viele wollen sich die Option offenhalten, dass ihre nächste Küche eine moderne Induktionsküche wird. «Die Herde mussten sich erst zu einer gewissen Zahl verkaufen. Das ist nun so weit, jetzt wird das Zubehör gekauft», stellt Hermann Hutter, Vizepräsident des Bundesverbands für den gedeckten Tisch, Hausrat und Wohnkultur (GPK), fest.

Auch Kochgeschirrserien, die bislang nicht mit Induktionsfunktion hergestellt wurden, rüsten die Hersteller nach und nach um. Silit zum Beispiel hat das gerade mit seiner Pfanne Tevera getan. Ob das Kochgeschirr zu Hause dann auch tatsächlich auf einem Induktionsherd steht oder doch nur auf einem normalen Ceranfeld, ist vielen egal. «Das ist inzwischen zu einem Qualitätsmerkmal geworden, wie das Gewicht eines Topfes oder ein dicker Boden», sagt Corinna Streibart von Fissler.

Immer mehr Hersteller bieten Kochgeschirr an, das aus verschiedenen Materialschichten besteht: Schulte-Ufer zeigt die neue Mehrschichtpfanne Delicado. Sie hat im Boden wie an den Seiten innen und außen eine Edelstahlschicht mit einem Aluminiumkern dazwischen. Der Vorteil: Die äußere Schicht kümmert sich um die schnelle Wärmeleitung am Boden und in den Seiten, der Aluminiumkern speichert die Temperatur, die innere Schicht ist geschmacksneutral.

Ähnlich erklärt Dirk Kirch, Produktmanager von Zwilling, die Funktionsweise der neuen Mehrschichtserie Sensation, die voraussichtlich ab Mai oder Juni in den Handel kommt: «Bei normalen Töpfen oder Pfannen geschieht die Wärmezufuhr nur durch den Boden.» Für ein Steak oder Kartoffeln sei das kein Problem. Gerichte, die allerdings rundum erwärmt werden müssen, Soßen zum Beispiel, gelingen besser in Mehrschichtkochgeschirr. «Da haben wir die Wärmezufuhr von allen Seiten», erklärt er.

Bei Sensation setzt Zwilling auf fünf Schichten. «Je mehr Schichten, desto stabiler der Boden», begründet Kirch die Konstruktion. Ein nicht ausreichend stabiler Boden verbiege sich bei starker Hitze leichter.

Hightech schreibt sich auch WMF auf die Fahnen: «WMF hat das digitale Kochen erfunden», sagt Monika De Muzio aus der PR-Abteilung des Unternehmens. Der Cook Assist für die Serie Vitalis soll dem Hobbykoch in Sachen Timing unter die Arme greifen. Das Prinzip: Für den Dampfgarer Vitalis gibt es einen neuen Sensor, der via Bluetooth mit einer App für alle gängigen Smartphones kommuniziert. Der Sensor steckt im Glasdeckel des Garers.

Ins Handy gibt der Koch alle Informationen zum geplanten Gericht ein: von den Zutaten bis zur Breite der geschnittenen Karottenstreifen. Dann kommt Wasser in den Dampfgarer, und die App berechnet genau, ob genug Wasser im Topf ist und wann welche Zutat hinein muss. Hebt der Koch zwischendurch den Deckel, berechnet sie, um wie viele Sekunden sich der Garprozess dadurch verzögert hat. Für jeden Schritt bekommt der Koch eine akustische Pop-up-Nachricht. Ist das Gericht fertig, klingelt eine Art Handywecker.

Ist das die Zukunft des Kochens oder nur eine Spielerei? «Ob sich das auf dem Markt durchsetzt und wie lange das dauert, wird sich zeigen», sagt Nicolette Naumann, Bereichsleiterin der Messe Frankfurt für die Ambiente. Ihrer Ansicht nach ist das ein Versuch, eine junge Zielgruppe zu gewinnen.

Denn: «Die 50er-Jahre-Hausfrau stirbt aus.» Auch das Kochen als Event sei möglicherweise ein Grund für solche Entwicklungen: «Für viele ist Kochen kein absolutes Alltagsthema. Ich glaube, für die ist es gut, zu erfahren, wann das Gemüse, wann das Fleisch dran ist - etwas, was meine Mutter in der Tat noch im Gefühl hatte.» dpa

Zu den Küchentrends

Fusionchef bringt Sous Vide in private Küchen

Auf der diesjährigen Ambiente feierte Fusionchef by Julabo die Weltpremiere seiner neuen Endverbraucherlinie. Das Ergebnis sind hochpräzise Wasserbäder, die das Sous-Vide-Garen auch zu Hause möglich machen. Präsentiert wurden ein 9,5- und 11-Liter-Modell, weitere sollen in den nächsten Monaten folgen.

Damit sich auch Sous-Vide-Neulinge an die Technik herantrauen, wurde bei der Entwicklung besonders viel Wert auf einfache Bedienung und Handhabung gelegt. Es gibt keine festen Programme, lediglich je einen Knopf zum An- und Ausschalten, zur Einstellung der Temperatur und zur Regulierung der Zeit. Das kommt vor allem Hobbyköchen entgegen, die vor dem Kochen nicht erst ein dickes Handbuch studieren möchten.