WEIN
21. Oktober 2016

DWI Weinbau Weinernte besser als erwartet

Viele deutsche Winzer waren vor dem Beginn der Weinlese 2016 nicht optimistisch. Doch die Trauben legten in den letzten Wochen noch einmal richtig zu - besonders an Mittelrhein und in Franken. Weinproduktion weltweit um fünf Prozent gesunken.

Die deutschen Winzer holen in diesem Jahr mehr Trauben aus ihren Weinbergen als noch zum Erntebeginn erwartet. Die neuen Schätzungen gingen für Deutschland von einem Ertrag von neun Millionen Hektolitern aus, teilte das Deutsche Weininstitut (DWI) mit Sitz in Bodenheim (Rheinland-Pfalz) mit. Das sei ein durchschnittlicher Wert. Sowohl das DWI als auch die Weinbauverbände waren zunächst von leicht unterdurchschnittlichen Erträgen ausgegangen.

DWI Weinbau | Weinernte besser als erwartet

Allerdings seien die Ernten regional und sogar lokal sehr unterschiedlich ausgefallen, erklärte das DWI, das sich auf eine Erhebung des Deutschen Weinbauverbandes stützt, weiter. Abhängig sei der Ertrag vor allem davon, wie viel es im Frühsommer regnete und hagelte. Die feuchte Witterung führte dazu, dass sich unter anderem der Falsche Mehltau stark ausbreitete. Die Winzer mussten viel spritzen und ausschneiden, um ihre Ernten zu retten.

In Rheinland-Pfalz sticht 2016 das Anbaugebiet Mittelrhein hervor. Dort wird 17 Prozent mehr Ertrag erwartet als im Fünf-Jahres-Mittel. Die Pfalz hingegen liegt genau im Durchschnitt. In Rheinhessen wird mit 4 Prozent weniger gerechnet, an der Ahr mit 3 Prozent weniger. Schlechter sieht es an der Mosel und an der Nahe aus: Dort liegt die Ernteschätzung bei 7 beziehungsweise 9 Prozent weniger.

In Baden und in Württemberg sieht es gut aus, dort erwarten die Experten 6 beziehungsweise 3 Prozent mehr Wein. In Franken wird sogar mit 12 Prozent über dem Durchschnitt gerechnet. Besonders auffällig sind die Werte für Ostdeutschland, also die Anbaugebiete Sachsen und Saale-Unstrut: 55 beziehungsweise 23 Prozent mehr als sonst sollen dort in den Fässern und Tanks landen.

Mit der diesjährigen Qualität ist das DWI sehr zufrieden. Die Trauben seien gut ausgereift und sehr gesund - das verspreche «fruchtbetonte Weißweine und farbkräftige Rotweine». Die Lese ist nun fast vorbei, derzeit werden noch spätreife Sorten wie Riesling und Spätburgunder hereingeholt. Einige Betriebe lassen auch ein paar Rebzeilen hängen in der Hoffnung, sie als Eiswein ernten zu können.

In anderen Teilen Europas hat die extreme Witterung zu erheblichen Ertragsverlusten geführt. Die EU-Kommission geht laut DWI von einer Erntemenge von rund 166 Millionen Hektolitern aus. Das wäre ein Minus von einem Prozent im Vergleich zum Fünf-Jahres-Durchschnitt. Vor allem Zypern, Kroatien und Österreich verzeichneten Einbußen. In Rumänien und Ungarn wurde dagegen mehr geerntet. dpa

Weinproduktion weltweit um fünf Prozent gesunken

Die weltweite Weinerzeugung hat in diesem Jahr einen deutlichen Dämpfer bekommen. Nach einer ersten Schätzung der Internationalen Organisation für Rebe und Wein brachten die Winzer 259 Millionen Hektoliter in ihre Keller - 5 Prozent weniger als im Vorjahr. Dies sei eins der schlechtesten Ergebnisse der letzten 20 Jahre, teilte die Organisation am Donnerstag in Paris mit. Allerdings gibt es wie üblich wetterbedingt große regionale Unterschiede.

DWI Weinbau | Weinernte besser als erwartet

Italien verteidigte den ersten Platz in der Rangliste der wichtigsten Weinproduktionsländer. Dort wurden 48,8 Millionen Hektoliter Wein gepresst (minus 2 Prozent). Ein Hektoliter sind 100 Liter. Das 2015 von Italien überholte Frankreich musste einen deutlichen Produktionseinbruch hinnehmen, die Menge sank um 12 Prozent auf 41,9 Millionen Hektoliter. Den dritten Platz behält Spanien - die drei traditionsreichen europäischen Weinländer stemmen zusammen fast die Hälfte der gesamten Weltproduktion.

Deutschland bleibt trotz eines erneuten leichten Rückgangs um 4 Prozent auf dem zehnten Platz. Dort konnten die Winzer demnach 8,4 Millionen Hektoliter herstellen. Ihre Produktion deutlich steigern konnten Rumänien und Neuseeland, ein leichtes Plus gab es aber etwa auch in Australien und den USA.