Wein
29. August 2013

Hessische Staatsweingüter erwarten mehr Umsatz und Gewinn

Foto: Hessische Staatsweingüter/Thomas Ott

Der 16 Millionen Euro teure Bau der neuen Kellerei im Rheingau vor fünf Jahren war höchst umstritten. Doch Hessens Staatsweingüter schreiben jetzt schwarze Zahlen, Deutschlands größtes Weingut will weiter wachsen

Um das Jahr 1500 herum ließen im Rheingau-Kloster Eberbach die Mönche ein gigantisches Holzfass für 70 000 Liter Wein bauen. Über 500 Jahre später fasst der größte Edelstahltank im hochmodernen Keller des Klosters immerhin 50 000 Liter. Eberbach, heute im Besitz der hessischen Staatsweingüter GmbH, bewirtschaftet mit den dazugehörenden Domänen rund 250 Hektar und ist damit größtes Weingut Deutschlands.

Fast 16 Millionen Euro haben die Staatsweingüter vor fünf Jahren am Steinberg, dem Lieblingsberg der 1803 vertriebenen Zisterzienser, in eine der modernsten Kellereien Europas investiert. Der damalige CDU-Regierungschef Roland Koch, heute immer noch Aufsichtsratschef der Staatsweingüter, boxte das Projekt gegen erbitterten Widerstand durch. Der kam vor allem auch von örtlichen Winzern. Bereits 2003 waren die Weingüter in eine GmbH umgewandelt worden, um aus den roten Zahlen zu kommen.

Bis zu 14 Meter tief wurde der Keller - ziemlich umweltschonend - in die Weinberge eingepasst. 270 Stahltanks und 40 Holzfässer mit einem Volumen von 1,8 Millionen Liter sind dort untergebracht. Für Geschäftsführer Dieter Greiner ist der Neubau zum Herzstück bei der Sanierung der Staatsweingüter geworden. «Die alte Kellerei war unser Nadelöhr.» Jetzt kann bei schlechter Witterung innerhalb von zwei Wochen die gesamte Ernte umgeschlagen werden. Das macht Vertrieb und Vermarktung der zum Teil weltberühmten Lagen, vor allem mit Riesling und Spätburgunder bestückt, viel einfacher.

2013 soll nun die GmbH, zu der auch die 35 Hektar große Domäne an der Bergstraße in Heppenheim gehört, im dritten Jahr in Folge schwarze Zahlen schreiben. Greiner rechnet mit einem erneuten Umsatzplus von fünf Prozent. Auch den operativen Gewinn will er um etwa ein Drittel steigern. Im vergangenen Jahr setzte das Weingut rund zehn Millionen Euro netto um und machte operativ etwa 150 000 Euro Gewinn.

Fast 90 Prozent des Umsatzes wird im Inland gemacht. Bei einem Durchschnittspreis von mehr als zehn Euro pro Liter im Premiumbereich. Dabei kooperiert das Weingut auch mit großen Handelsketten wie etwa Edeka oder Rewe.

«Wir haben seit dem Jahr 2000 den Umsatz verdoppelt und das Personal etwa halbiert», sagt Greiner, der genauso lang im Amt ist. Rund 60 Festangestellte hat das Weingut derzeit noch. In der Saison werden rund 350 Erntehelfer eingesetzt, die vor allem aus Polen kommen. Der auf Effizienz getrimmte Manager gibt sich aber gerne pragmatisch und weist auf die landschaftspflegerische Bedeutung der Staatsweingüter hin.

Fast 70 Hektar echte Steillage werden bewirtschaftet. Darunter ist ein Riesling-Hang mit fast 80 Prozent Steigung zwischen Rüdesheim und Assmannshausen, der in fast schwindelnder Höhe einen überwältigenden Blick auf den Rhein bietet. Wegen der schwierigen Bewirtschaftung, die oft nur manuelles Arbeiten zulässt, rechnen sich diese Weinberge aus Sicht Greiners eigentlich nicht. Aber die Pflege dieser Kulturlandschaft ist den Staatsweingütern per Statut vorgegeben.

Rund 30 Hektar hat Greiner im vergangenen Jahr von örtlichen Rheingau-Winzern hinzugepachtet, um zu expandieren. «Wir wollen weiter wachsen», sagt er. Allerdings mit deutlich geringerem Tempo, wie er einräumt. Das Rezept, über mehr Umsatz auch immer mehr Gewinn zu machen, könnte bald an seine Grenzen stoßen. Außerdem drückt noch ein Schuldenberg von rund 19 Millionen Euro. Die neue Kellerei wurde ohne Zuschüsse allein über Kredite finanziert.

Ums Marketing müssen sich die Staatsweingüter allerdings nicht so viele Gedanken machen. Rund 300 000 Besucher kommen jährlich in die Klosteranlage nach Eberbach, die 1986 durch die Verfilmung des Umberto-Eco-Bestseller «Der Name der Rose» auch international bekanntwurde. 25 000 kommen zu Weinproben, und allein 10 000 Menschen besuchen jährlich die neue Kellerei.

Auch das Verhältnis zu den lokalen Winzern hat sich entspannt. 30 Familien profitieren davon, weil sie ihre Weinberge an die Staatsweingüter verpachtet haben. «Die Kellerei hat sich etabliert», bestätigt der Geschäftsführer des Rheingauer Weinbauverbands, Harald Sperling. dpa

Die beiden hessischen Weinanbaugebiete

In Hessen wird Wein in zwei Regionen angebaut: Im Rheingau und an der Bergstraße. Der Rheingau, der sich vom Untermain bis ins Mittelrheintal erstreckt, hat eine Fläche von 3145 Hektar. Damit ist der Weinbau dort siebenmal größer als an der Bergstraße. Mit Abstand größtes Weingut sind die Hessischen Staatsweingüter, die in beiden Regionen zusammen auf rund 250 Hektar kommen.

Weltberühmt ist der Rheingau für den Riesling. Diese Sorte macht mit 2500 Hektar Rebland den Löwenanteil des Anbaugebiets aus, an zweiter Stelle folgt der rote Spätburgunder. Eine eigene Riesling-Route führt auf 120 Kilometer durch Weinorte im Rheingau.

Riesling ist für die Bergstraße ebenfalls eine typische Rebsorte, doch werden entlang der alten Römerstraße auch Grauburgunder, Silvaner und Kerner sowie die roten Sorten Spätburgunder und Dornfelder angebaut.