WEIN
28. April 2015

Internationales Jahr des Bodens Hessens Weinberge bestens kartiert

Fotowettbewerb zum Internationalen Jahr des Bodens, Foto © HLUG

Die Weinrebe braucht zum Wachsen spezielle Böden, die im Rheingau viele Millionen Jahre alt sein können. Doch welcher Boden bringt guten Wein hervor

Hessens Landesamt für Umwelt gibt auf einer Exkursion Nachhilfe - zum "Internationalen Jahr des Bodens". Klaus Friedrich steht am Rande einer fast zwei Meter tiefen Grube und lässt jahrtausendealten Lehmsand durch seine Hand rieseln. In den Mainauen am Fuße des Winzerortes Hochheim erläutert der Experte des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie (HLUG), was sich dort in Jahrmillionen alles an Gesteinsschichten angesammelt hat. In der "Hölle", wie eine bekannte Weinlage in Hochheim heißt, kann es viererlei Ausgangsgesteine für Böden geben: Kalkstein, Mergel, Löss und Sand.

Die UNO hat 2015 zum "Internationalen Jahr des Bodens" erklärt. Hessens Landesamt will dies nutzen, um die Bevölkerung mit dieser Ressource besser vertraut machen. Der Boden steht der Luft und dem Wasser beim Schutz des Lebens an Bedeutung nicht nach. Doch er wird - weil ständig genutzt durch Besiedlung oder Landwirtschaft - oft gering geschätzt.

Auf einer Exkursion in Hochheim, einem der renommiertesten Weinorte im Rheingau, zeigt das HLUG, wie wichtig die Böden für den Weinbau in Hessen sind. Rund 40 Interessierte haben sich zur Führung, der weitere in diesem Jahr folgen werden, locken lassen. Kaum einer weiß jedoch, dass die Weinböden im Rheingau oder an der Bergstraße was Besonderes sind. Seit 1947 sind sie besser kartiert als alle anderen Nutzflächen in Hessen - ja sogar weltweit.

Zu verdanken ist dies der Reblaus, die vor dem Zweiten Weltkrieg in den Parzellen wütete. Der Weinbau wurde nach 1945 mit Hilfe von gesunden amerikanischen Reben auf den Pfropfbau umgestellt. Voraussetzung war dabei die Untersuchung der Verträglichkeit auf unterschiedlichen Böden. Dafür war die großflächige Kartierung notwendig.

Gerade an der Rebe lässt sich die komplexe Beziehung zwischen Boden und Nutzpflanze eindrucksvoll dokumentieren. Es geht um die Durchlässigkeit und Speicherfähigkeit für Wasser, die in jedem Boden anders ist. Gänge, die Regenwürmer bohren, können da entscheidend sein. Die besondere Beschaffenheit des Bodens kann sich dann auch im Geschmack des Weins wiederfinden.

Aufgabe des Winzers ist es, die Nähr- und Mineralstoffe zu fördern. Dazu zählen die Begrünung des Bodens zur Verhinderung der Erosion, der Schnitt der Reben und die Art der Düngung. Angesichts des Klimawandels wird im Rheingau der Schutz gegen Schädlinge immer wichtiger.  

Weißweine aus der "Hölle" - in der Hochheimer Lage wird wie fast überall im Rheingau der Riesling angebaut - können vielfältig schmecken. Auf dem lehmigen Flug- und Terrassensand wachsen Trauben, die schlanke Weine mit mineralischen Noten hervorbringen. Der Boden stammt noch aus der Eiszeit, als der Main in einem breiten Flussbett Sand ablagerte, der in trockenen Phasen auch zu Flugsanddünen aufgeweht wurde.

Der tonartige Mergel, der aus den Meeresablagerungen des Mainzer Beckens vor rund 30 Millionen Jahren stammt, und der fruchtbare Löss stehen dagegen für kraftvolle Weine mit üppigen Aromen wie Pfirsich oder Honigmelone. "In der Eiszeit hat sich der Löss wie ein Staubschleier über die Landschaft in Hessen gelegt", sagt der Geologe Friedrich voller erdgeschichtlicher Begeisterung.

Letztlich ist es das Wissen des Winzers um seine Böden, das zusammen mit dem Einfluss des Klimas einen erstklassigen Wein hervorbringen kann. Dies wird heute gerne mit dem Begriff "Terroir" umschrieben, das in Hessen die Hochschule in Geisenheim in einem Projekt erforscht. Denn im Keller kann später nur noch begrenzt gezaubert werden. "Man kann nicht rausgären, was nicht drin ist", sagt Gunter Künstler nüchtern. Der Hochheimer Winzer gewinnt der "Hölle" renommierte Weine ab.

Viele Winzer haben aber nur eine vage Ahnung, wie die Gesteinsschichten ihrer Böden aussehen. Hinzu kommt, dass es immer noch üblich ist, auf Weinbergen ortsfremdes Bodenmaterial oder gar Bauschutt abzuladen. Früher wurde das Neuanlegen von Weinbergen durch die Flurbereinigung begleitet. Seitdem die Winzer das selbst machen, passiert dies oft unkontrolliert. Das Landesamt für Umwelt versucht, die Weinbauern für den typischen örtlichen Bodenaufbau zu sensibilisieren. "Wenn ich "Terroir" produzieren will, dann kann ich nicht alles in den Wingert reinkippen", sagt Friedrich.

Queen Victoria testete Weine von Hochheimer Böden vor Ort

Seit rund 1200 Jahren wird auf Hochheimer Böden Wein angebaut. 1837 wurde in Hochheim die erste rheinische Sektkellerei gegründet. Berühmt wurde der Ort, als Queen Victoria im Jahr 1850 bei ihrem Deutschlandbesuch dort den Wein probierte, der auch am britischen Hof kredenzt wurde.

Nach Victoria wurde in Hochheim eine Weinbergslage benannt, wo bis heute ein Denkmal zu Ehren der Queen steht. Unter dem Begriff "Hock" wurde der Hochheimer Wein in der angelsächsischen Welt zum Synonym für die Rheingau-Weine. Hochheim ist der einzige Ort im Weinbaugebiet, der am Main liegt. dpa

Fotowettbewerb zum Internationalen Jahr des Bodens, Foto © HLUG

Fotowettbewerb zum Internationalen Jahr des Bodens

Das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG) veranstaltet unter dem Motto "Den Boden gesehen" einen Fotowettbewerb zum Internationalen Jahr des Bodens.

Im Rahmen dieses Wettbewerbs sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihr Bild vom Boden festhalten. Die Gewinner werden im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung am 5. Dezember 2015 im HLUG ausgezeichnet. Dabei wird neben den drei Siegerfotos, eine Auswahl der eingesandten Fotos gezeigt. www.hlug.de