Berlin
11. August 2014

Little Wood Garten im Herzen Berlins

Er gedeiht nur einen Monat lang - dafür aber intensiv: der urbane Berliner Garten «Little Wood». Er kann auch als Beispiel dafür gelten, eine Vision vom guten Leben in die Tat umzusetzen

Von Ursula Mommsen-Henneberger

Die modernen Garten-Projekte in vielen Weltstädten sind um ein neues Experiment reicher: Im Herzen Berlins ist auf einer Brachfläche mit Bäumen und Büschen ein temporärer Garten entstanden. «Wir wollen, dass die Besucher alles berühren und sinnlich erleben», sagt Initiator Ludwig Cramer-Klett am Samstagabend zur Eröffnung unter einem aufgehenden Vollmond. «Little Wood ist ein ganzheitliches Experiment zur Erforschung und sinnlichen Erfahrung der urbanen Natur.»

Bis zum 29. August darf nicht nur Gemüse betastet und beschnuppert werden, auch Workshops, Vorträge und gemeinsame Essen stehen auf dem Programm.

Zwischen wilden, verwunschenen Ecken wächst Vielerlei in Behältern: Erdbeeren, Salat und Kräuter wie Basilikum, Tomaten, Kohlrabi oder Mini-Auberginen. Die Wasserstelle mit dem aufgerollten Schlauch zeugt von der Gartenarbeit. Es gibt auch eine Lümmelecke mit Hängematte und aus Holzpaletten improvisierte Liegen.

An einem wetterfest gedeckten Tisch wird das Gemüse ungeerntet im Topf zur Anschauung «serviert». Ein Vater erklärt seiner kleinen Tochter im zitronengelben Kleidchen die Gewächse. «Es waren wohl an die 500 Besucher da, viele aus der Nachbarschaft», berichtet Laura Panchaud (28) aus dem Team.

Getragen wird «Little Wood» von dem Unternehmen Contemporary Food Lab, das in der Nähe ein Restaurant betreibt, dauerhaft Workshops und Beratung zum Thema Essen anbietet. Dabei hat Gründer Cramer-Klett den Zusammenhang von Natur und Kultur beim Menschen im Blick. «Essen und Kochen bilden eine Schnittstelle zwischen beidem», sagt der 37-Jährige mit strahlenden Augen.

«Wir laden Sie ein, mit uns zu kochen, mit uns zu essen, Ideen auszutauschen und ihre Sicht auf die verschiedenen Aspekte des Lebens neu zu überdenken», heißt es auf der Homepage. «Eine Handvoll fruchtbaren Ackerbodens enthält mehrere Milliarden Lebewesen» - darauf wird respektvoll hingewiesen.

Für «Little Wood» hat Cramer-Klett Unterstützer gefunden: Das Architektenbüro Graft stellte für diesen Sommer das noch unbebaute Gelände zur Verfügung. Vor einem Jahr hatte die umstrittene Vergabe des Topgrundstücks an Graft auch negative Schlagzeilen gemacht. Zudem engagierte sich die Humboldt Universität mit dem Fachgebiet Urbane Pflanzenökophysiologie unter Leitung von Prof. Christian Ulrichs.

Die Wissenschaftler erforschen neue Möglichkeiten von Agrikultur um urbanen Raum, wie den hydroponischen Anbau von Pflanzen. Dabei erhalten diese die benötigten Nährstoffe nur in flüssiger Form durch die Wurzeln. Die Kultur bei «Little Wood» vertritt der Schweizer Künstler Kerim Seiler mit einer Skulptur.

Der temporäre Garten in Berlin trifft den Zeitgeist. Der Urbane Gartenbau ist inzwischen in vielen Metropolen verbreitet. Hinzu kommt eine weitere neue Idee: brachliegende Flächen und Freiräume in schrumpfenden Städten für urbane Landwirtschaft und den Anbau nachwachsender Rohstoffe zu nutzen. Das wird am «Quartiershof» in Dessau ausprobiert.

Zudem vernetzen sich die Menschen und Kommunen immer stärker, die an einer nachhaltigen Entwicklung arbeiten. Dafür stehen auch die Vierte Internationale Degrowth-Konferenz für ökologische Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit Anfang September in Leipzig oder die internationale Transition-Town-Bewegung. dpa

Little Wood, Ackerstraße, Berlin, littlewoodberlin.org