BEER & BRAU
27. Februar 2018

Mehr Brauereien in Deutschland Bierauswahl wächst weiter

Die Deutschen trinken weniger Bier. Und wenn sie eins nehmen, muss es ein besonderes sein. Das verändert die Brauer-Landschaft - auch wenn sich auf der Beliebtheitsskala eine Biersorte seit langem oben hält.

Biertrinker haben in Deutschland eine immer größere Auswahl. Der Craft-Beer-Trend lässt die Zahl der Brauereien weiter steigen, wie der Deutsche Brauer-Bund mitteilte. Im vergangenen Jahr kamen 82 Betriebe hinzu, so viele wie in den acht Jahren zuvor insgesamt. Damit gibt es nach Angaben des Deutschen Brauer-Bunds nun 1492 Braustätten, so viele wie nie seit der Wiedervereinigung. Dennoch sank der Bierdurst 2017 weiter.

"Der Biermarkt in Deutschland wird trotz einer Konsolidierung immer vielfältiger", sagte der Hauptgeschäftsführer des Brauer-Bunds, Holger Eichele. Hintergrund ist der Trend in den Ballungszentren zu kleineren Spezialitätenbrauereien, die unter anderem aromatisiertes Craft Beer anbieten.

Die meisten neuen Braustätten entstanden in den vergangenen Jahren im Raum Berlin/Brandenburg, wie der Branchenverband unter Berufung auf das Statistische Bundesamt mitteilte. 2017 zählte Bayern mit 18 Betrieben die meisten Neueröffnungen, das Bundesland hat mit insgesamt 642 Brauereien aber auch mit Abstand die meisten. Baden-Württemberg als Zweitplatzierter kommt auf 204 - die wenigsten Brauereien hat Mecklenburg Vorpommern: 23.
Der Brauer-Bund rechnet mit zahlreichen weiteren neuen Spielern auf den regionalen Biermärkten. Bis Ende März werde die Zahl von 1500 Betrieben überschritten sein. "Die Verbraucher können sich über eine stetig wachsende Biervielfalt freuen, die weltweit ihresgleichen sucht", sagte Eichele.

Dennoch hatten die deutschen Brauer im Jahr 2017 mit seinen vergleichsweise spärlichen Biergartenwetter-Tagen weniger Bier verkauft als im Vorjahr. 93,5 Millionen Hektoliter waren es, zwei Millionen weniger. Ein Hektoliter entspricht 100 Litern. Auch der Export ging zurück. Die Brauer setzen nun darauf, dass die Fußball-Weltmeisterschaft in diesem Jahr den Bierdurst wieder wachsen lässt und dass die Beliebtheit alkoholfreier Biere weiter zunimmt.

Die Deutschen mögen am liebsten Pils, dessen Marktanteil nach Verbandsangaben bei mehr als 50 Prozent liegt. Weizen und Export liegen jeweils bei 8 Prozent. Starke Zuwächse gibt es bei ungefilterten Keller-, Land- und Zwickelbieren sowie beim Hellen.

Biertrinker im Südwesten werden wählerischer

Bier mit Bitterschokoladen- oder Kirsch-Note, Bier aus seltenem Hopfen oder mit spezieller Hefe - der Craft-Beer-Trend boomt. In diesem Jahr hoffen die Bierbrauer zudem auf die Fußball-WM.

Die Menschen im Südwesten trinken weniger Bier, können aber aus einem größeren Angebot wählen. Im vergangenen Jahr zählte der Deutsche Brauer-Bund 204 Brauereien im Südwesten, das sind 9 Betriebe mehr als im Vorjahr. Baden-Württemberg liegt damit auf Platz zwei hinter Bayern - dort gibt es mit 642 Brauereien die meisten in einem Bundesland. In ganz Deutschland legte die Zahl der Brauereien um 82 auf 1492 Braustätten zu - so viele wie nie seit der Wiedervereinigung.

"Bei der bundesweiten Zunahme handelt es sich in der Regel um Gasthausbrauereien, also Gaststätten, die eigenes Bier brauen", sagt Denni Föll, Sprecher des baden-württembergischen Brauerbundes. "Da auf dem Land bereits seit längerem ein Gasthaussterben zu beobachten ist, konzentrieren sich Gründungen in den Ballungszentren." Insgesamt steige die Zahl der Brauereien im ländlicher geprägten Südwesten deshalb nur langsam. Bereits vor 20 Jahren gab es hier 169 Brauereien. Ganz anders legt die Branche derzeit im Raum Berlin zu - dort entstanden in den vergangenen fünf Jahren 26 neue Brauereien.

Der Trend zum Craft-Beer kleinerer Spezialitätenbrauereien ist dabei klar auszumachen. "Die Bier-Szene wird immer individueller. Das wirkt sich vor allem auf den Geschmack aus. Keine andere Branche steht guten Ideen so offen gegenüber wie die heimische Bierbranche", sagt Föll. Allerdings sei der Begriff nicht geschützt. Im Craft-Beer-Herkunftsland USA müssen Brauereien klein und unabhängig sein und dürfen Föll zufolge nicht mehr als 4 Millionen Hektoliter pro Jahr produzieren. "Das bedeutet, dass alle baden-württembergischen Brauereien Craft-Beer anbieten."

Was den diesjährigen Bierabsatz anbelangt, ist Föll zuversichtlich - auch wenn die Zahlen laut Statistischem Bundesamt weiter rückläufig sind. 304 000 Hektoliter umfasste der Bierabsatz im Januar 2018 und lag damit so niedrig wie in keinem einzigen Monat seit 2009. Hoffnungen setzt die Branche auf Großveranstaltungen. "Der Bierabsatz ist eventgetrieben und da in diesem Jahr die Fußball-WM stattfindet, erwarten wir - schon fast traditionell - ein absatzstärkeres Jahr", sagte Föll. Nichtsdestotrotz müssen auch die Temperaturen mitspielen: "Das Wetter ist und bleibt unser bester Außendienstmitarbeiter." dpa