WEIN
14. November 2015

Mosel Weinlese mit Happy End

Erntebilanz im Weinanbaugebiet Mosel: Winzer ernten Trauben in hervorragender Qualität.

Der September war für die Winzer an Mosel, Saar und Ruwer eine Zitterpartie. Viele befürchteten einen erneuten Turbo-Herbst wie 2014. Doch es gab dank eines Goldenen Oktobers ein "Happy End": Der 2015er Weinjahrgang im Weinanbaugebiet Mosel ist von hervorragender Qualität. Der Moselwein e.V. zog in seiner Herbstpressekonferenz in Kasel an der Ruwer ein positives Fazit der Traubenlese. Einziger Wermutstropfen sei die insgesamt kleine Erntemenge, wie Weinbaupräsident Rolf Haxel, Vorsitzender des Moselwein e.V., berichtete.

In der Pressekonferenz ließ der Vorstand des Moselwein e.V. das Weinjahr Revue passieren. Nach dem sehr heißen und trockenen Sommer waren die Regenfälle Anfang September zunächst von den Weinerzeugern begrüßt worden. Als es dann in der wichtigen Reifephase immer wieder regnete, kam Nervosität auf. Die Erinnerung an den problematischen Herbst 2014 mit rasanter Ausbreitung von Fäulnis und einer Essigfliegen-Plage war noch frisch. "So einen Herbst wie letztes Jahr wollte niemand so schnell wieder haben", so Rolf Haxel. Doch die Befürchtungen traten 2015 nicht ein. Probleme mit Essigfliegen gab es nicht, und die Feuchtigkeit schadete den bis dahin sehr gesunden Früchten kaum. Da es vor allem nachts kühl war und der Ostwind die Trauben schnell trocknete, konnten sich Botrytis und andere Pilze nicht ausbreiten. In der Vergangenheit waren trockene Jahre immer sehr gute Weinjahre. Und dies traf dann letztendlich auch für den 2015er zu.

Sehr unterschiedlich fiel dagegen die Zufriedenheit mit der Erntemenge aus. Die gesamte Erntemenge an Mosel, Saar und Ruwer werde auf rund 794.000 Hektoliter geschätzt, sagte Rolf Haxel. Das seien fast 100.000 Hektoliter weniger als im Jahr 2014. Grund hierfür war vor allem die langanhaltende Trockenheit im Sommer.

Der Markt im Inland hat sich für Moselweine im Jahr 2015 stabil bis leicht positiv entwickelt. In den ersten drei Quartalen des Jahres betrug der Marktanteil der Mosel am gesamten deutschen Weinmarkt wie im Vorjahr 6 Prozent in der Menge und 7 Prozent im Wert. Im Lebensmitteleinzelhandel inklusive Discounter gewann die Mosel wieder leicht an Marktanteilen hinzu, von 5 Prozent im ersten Halbjahr 2014 auf 6 Prozent im ersten Halbjahr 2015.

Dieser Zuwachs im LEH ging mit einem leichten Rückgang des Durchschnittspreises einher. Im Direktbezug - dem Verkauf an Verbraucher, Fachhandel und Gastronomie ab Hof - stieg der Durchschnittspreis der Moselweine dagegen von 5,30 Euro im ersten Halbjahr 2014 auf 5,86 Euro im ersten Halbjahr 2015.

Im Export stand im ersten Halbjahr ein Rückgang in der Menge einem leicht gestiegenen Wert der ausgeführten Moselweine entgegen. Allerdings fiel der Mengenrückgang wesentlich geringer aus als im Vorjahr, als Wert und Menge aufgrund kleiner Ernten um mehr als 10 Prozent zurückgegangen waren. Auch im Export macht sich die größere Erntemenge des Jahres 2014 bemerkbar. Von Januar bis Juni 2015 wurden nach Angaben des Verbandes Deutscher Weinexporteure 101.698 Hektoliter Moselwein im Wert von 41,75 Millionen Euro ausgeführt. Das waren 6,2 Prozent weniger als von Januar bis Juni 2014. Der durchschnittliche Wert der Exportweine stieg in diesem Zeitraum auf 4,11 Euro je Liter. 2014 lag der Durchschnittswert im ersten Halbjahr bei 3,83 Euro je Liter.

Die Märkte außerhalb der Europäischen Union sind für die Exporteure der Mosel besonders wichtig. Während der Durchschnittspreis bei Ausfuhren in EU-Staaten von Januar bis Juni 2015 bei 2,61 Euro je Liter (2014: 2,67 Euro) lag, verzeichnete der VDW für Exporte in so genannte Drittländer mit 4,53 Euro je Liter (2014: 4,28 Euro) einen wesentlich höheren Wert. Mehr als drei Viertel - 77,8 Prozent - aller exportierten Moselweine gehen in Drittstaaten, nur 22,2 Prozent in die EU-Nachbarländer.

Wichtigster Exportmarkt für Moselweine ist nach wie vor Nordamerika. Mehr als die Hälfte des Weinexports von Mosel, Saar und Ruwer geht in die Vereinigten Staaten (52.208 Hektoliter von Januar bis Juni 2015). Kanada steht auf Platz 3 der Exportstatistik, rund 7.564 Hektoliter wurden bis Ende Juni dorthin geliefert. Nachdem in den vergangenen Jahren teils empfindliche Rückgänge der Ausfuhren nach Nordamerika verkraftet werden mussten, stiegen die Exporte über den großen Teich in der ersten Jahreshälfte 2015 wieder deutlich an: in die USA um 15,6 Prozent im Wert und 5,6 Prozent in der Menge, nach Kanada um 3,7 bzw. 3,4 Prozent.

Norwegen importierte fast gleich viel wie Kanada, rund 7.189 Hektoliter, steht aber im Wert noch vor Kanada auf Platz 2 der Mosel-Ausfuhren. In der Statistik folgen Japan, die Niederlande und Großbritannien.

China und Hongkong schieben sich in der Mosel-Statistik weiter nach vorne und überholten im ersten Halbjahr Schweden. Nach China ging im ersten Halbjahr zwar nur wenig mehr Menge (1.735 Hektoliter, plus 0,9 Prozent), aber der Durchschnittspreis stieg aber um 20 Prozent an. Im ersten Halbjahr 2015 zahlten chinesische Importeure mit 6,20 Euro je Liter Moselwein einen Euro mehr als 2014 (5,21 Euro). In die chinesischen Satelliten Hongkong und Macau gehen die teuersten Exportweine von der Mosel: Während die Importeure in Hongkong im ersten Halbjahr 2015 durchschnittlich 11,01 Euro für einen Liter zahlten, waren es in der ehemaligen portugiesischen Kolonie Macau fast 600 Euro je Liter. Das entspricht rund 750 Euro für eine 0,75-Liter-Flasche. Macau ist ein wichtiger Markt für edelsüße Raritäten.

Teils sehr starke Exportsteigerungen gab es nach Frankreich, Finnland, Österreich, Polen, Tschechien und Slowakei sowie Indien und Brasilien.

Tourismus, Termine und neuer Internetauftritt

Dank des auch 2015 wieder gewachsenen Tourismus in Deutschlands älteste Weinregion hat der Weinverkauf ab Winzerhof und Vinothek an Mosel, Saar und Ruwer eine sehr hohe Bedeutung. Neue Weinevents wie Mythos Mosel (11./12. Juni 2016) und SaarRieslingSommer (27./28. August 2016) sowie der Fernwanderweg Moselsteig sorgten in jüngster Vergangenheit für steigende Attraktivität des Mosellandes bei Weinfreunden und Wanderern. Die Ferienregion Mosel-Saar ist die stärkste Tourismusdestination im Land Rheinland-Pfalz und laut Weintourismus-Studie des Deutschen Weininstitutes das bekannteste Weinreiseziel in Deutschland.

Neuer Internetauftritt der Medienagenten für das Weinbaugebiet Mosel www.weinland-mosel.de