Honza Klein unterwegs
15. März 2014

Procigar – Genuss im Zeichen des Tabaks

Fotos: Honza

Man weiß nicht so recht, ob Litto Gómez glücklich war mit der Entscheidung, beim diesjährigen 7. Procigar Festival in der Dominikanischen Republik dabei zu sein

Doch Scherz beiseite. Auch wenn der Chef der mehr und mehr aufstrebenden Zigarrenmarke La Flor Dominicana am letzten Abend seinen Hut verlor – den Mann hat vermutlich vorher kaum jemand ohne seinen Panama Hut gesehen – flog er gut gelaunt zurück ins heimatliche Florida. Denn ebenso wie etwa Zigarrenlegende Avo Uvezian lebt Gómes gut zwei Flugstunden entfernt von seiner Produktion. Doch noch einmal zu seinem Hut. Selbiger wurde Teil der traditionellen Auktion zugunsten eines Kinderkrankenhauses. Immerhin 900 Dollar brachte die Kopfbedeckung. Dies indes waren die sprichwörtlichen Peanuts im Vergleich zum Höhepunkt der Auktion. Das Wahrzeichen Santiagos, das Monument, als Humidor mit 100 Zigarren aller Teilnehmer des Festivals gefüllt. Ergebnis: 19.500 Dollar.

Der Besitzer, der das gute Stück nun in den USA sicherlich wie einen Schatz hüten wird, kann dann aber auch in Erinnerungen aus blauem Dunst schwelgen. Immerhin waren es nun schon zehn verschiedene Produzenten, die bei diesem siebten Procigar-Durchgang dabei waren.

Fast 50 Prozent mehr als im Vorjahr waren das. Gut 300 Besucher aus immerhin 20 Ländern war es die Reise zu den Ursprüngen des braunen Goldes Wert. Da wurden Flugzeiten von mehr als 20 Stunden in Kauf genommen. "Aber ich komme sicherlich im nächsten Jahr trotzdem wieder", meinte Zigarrenhändlerin Nicci Pain aus Johannesburg/Südafrika.

Keine Überraschung übrigens, dass die Mehrzahl der Besucher aus den USA in die Karibik gereist war. Immer ist das Land Hauptabnehmer der 220 Millionen in der Dominikaschen Republik jährlich handgerollten Zigarren. Doch gleich danach folgen die Deutschen Freunde des edlen Tabaks.

Lediglich vier machten sich jedoch auf den Weg. Auch wenn das Procigar-Festival sicherlich das bessere und auch das preiswertere als das in Kuba eine Woche später ist – für viele Raucher hierzulande ist Zigarre immer noch gleich Kuba. Oder wie es der Mitbegründer des Festivals, Manuel Quesada (Matasa Cigars), ausdrückte: "Deutschland ist ein schwieriges Pflaster." Zumal sicherlich bei so manchem deutschen Raucher nicht unbedingt die Fähigkeit vorhanden sein dürfte, wirklich Qualität zu erkennen.

Doch Kuba ist offenbar für viele ein Mythos. Wobei hinter vorgehaltener Hand wieder diskutiert wurde dass Kuba gar nicht genug eigenen Tabak für die jährlich etwa mehr als 80 Millionen Zigarren haben kann. Und hinter noch mehr vorgehaltener Hand wurde von Tabaklieferungen aus Nikaragua gesprochen. Apropos Nikaragua. Dort sind es 120 Millionen pro Jahr. Mit immer besser werdender Qualität.

Davidoff präsentierte etwa in der Fabrik in der Nähe von Santiago eine rein aus nikaraguanischen Blättern gefertigte Zigarre. Doch die Mehrzahl der Zigarren von der Insel Hispaniola stammt eben von Blättern aus dem nahe Santiago gelegenen Cibao Tal. Wobei die Dominikaner keinerlei Berührungsängste haben und im Gegensatz zu Kuba offen über die Herkunft ihrer Tabake sprechen. Ecuador, Mexiko, USA, und die teuren Kamerun Blätter finden beispielsweise Verwendung. "Hauptsache es ist der beste Tabak, aus dem unsere Mitarbeiter die besten Zigarren machen können", sagte Procigar-Chef und Davidoff Master-Blender Hendrik Kelner.

Sein Unternehmen zählt mit mehr als 35 Millionen Zigarren zu den stärksten. Noch mehr fertigt lediglich die Tabacalera de Garcia in Südosten der Insel Nahe des Städtchens La Romana Fast 50 Millionen ist hier die jährliche Ausbeute. Etliche Marken werden bei Garcia gefertigt. So Romeo y Julieta, Montecristo oder auch Laura Chavin. Gleichzeitig ist das Werk mit mehr als 5000 Mitarbeitern die größte Zigarrenfabrik der Welt.

Um die Ecke liegt ein anderer Superlativ, der für viele Besucher des Festivals seit Jahren ein Grund ist immer wieder zu kommen: Casa de Campo. Ganz sicher eine der schönsten Anlagen in der Karibik. Etwa in der Größe eines Berliner Bezirkes, mit allem was eine Stadt der Karibik so benötigt. Heliport, Hafen, Restaurants, Geschäfte, Golfplätze, Reitplatz, Pools, Strand und hervorragende Unterkünfte. Ob nun Hotel oder Villa.

Einige der Villen sind privat. So zählen Bill Clinton, Oscar de la Renta, Shakira und Julio Iglesias zu den Besitzern. Kurios bei der Ankunft: Man wird nach seinem Führerschein gefragt. Denn jeder Gast bekommt ein motorisiertes Golfcar. Zwar gibt es eigene Buslinien im Ressort. Doch man möchte ja unabhängig sein. Immerhin dauert die Fahrt mit dem so um die 20 km/h fahrenden Gefährt allein bis zum Strand gut 15, bis zur Marina fast 30 und zur Altstadt mit Theater, Bars und Restaurants Altstadt fast 40 Minuten.

Eine ausgedehnte Poollandschaft und der private Strand sorgen für reichlich Entspannungsmöglichkeiten. Übrigens: Sonnencreme nicht vergessen. Gerade der winterliche Europäer reagiert doch sehr schnell auf die karibische Sonne im Februar. Eines indes wünschten sich viele Teilnehmer. Die Tage in Casa de Campo ans Ende des Programms zu setzen und so nach alle den Besichtigungen und Partys ein wenig entspannen zu können.

Geht es doch bisher nach drei Tagen Casa de Campo nach Santiago, wo rings herum das Herz der Dominikanischen Zigarren schlägt. Außer Garcia sind alle anderen hier ansässig. Da hat man dann Tag für Tag die Qual der Wahl welche der Fabriken man besichtigt. Vielleicht La Aurora, wo mehr als sechs Millionen Zigarren im Lager reifen und der eigene Rum verkostet werden kann.

Oder ob man einen Strandtag in Puerto Plato genießt, Golf spielen geht, beim Poker das Glück heraus fordert oder auf einen Tabakfeld den Duft der frischen Blätter genießt. Bei der Menge der Angebote kommt man dann ganz schnell auf den Gedanken, dass man wieder kommen muss.

So war es auch für mich schon das dritte Mal. Und immer wieder neu. In diesem Jahr etwa der zur Wahl stehende Abend mit und teilweise bei einem der Produzenten. Leider musste man sich entscheiden und nach dem Erfahrungsaustausch am nächsten Tag kristallisierte sich die Party in der Villa von Augusto Reyes als Höhepunkt heraus. Nur so als Tipp fürs nächste Jahr.

Wer dabei sein möchte, hier ein kleiner Kostenüberblick: 895 Dollar kostet die Teilnahmegebühr. Hinzu kommen Flug und Hotelkosten. Jedoch bekommt man täglich volle Verpflegung, abends Partys und allein die Willkommenstüte mit Zigarren, Feuerzeug etc. ist mehr als 300 Dollar wert. Nicht zu berechnen sind die vielen, vielen die Woche über gerauchten oder als Geschenk bekommenen Zigarren sowie die Teilnahme etwa an Rum- oder Whiskyverkostungen. Und so ähnlich wie es in der Visa-Werbung heißt: Treffen mit Freunden – unbezahlbar.

Trotz der hierzulande immer restriktiver werdenden Anti-Genuss-Gesetze oder vielleicht gerade deshalb ist eine Reise zu diesem Festival ein großes Vergnügen. Für das Land in der Karibik ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Besser gesagt der wichtigste Wirtschaftsfaktor und das wichtigste Exportgut. Außerdem haben insgesamt 210.000 Dominikaner direkt oder indirekt (Verpackungsindustrie) ein Auskommen durch die Herstellung von Zigarren. Doch etwas anderes als Zahlen ist noch wichtiger. "Für uns ist das auch eine Frage des Stolzes. Dominican Republic is Cigar Country", sagt Hendrik Kelner zum Abschied.

Im vergangen Jahr habe ich meinen Text wie folgt beendet: "Ich freue mich schon auf 2014 und meine Rückkehr auf die Insel, auf die sich 1492 Christoph Columbus verirrte und der er den Namen Hispaniola gab dabei. Zumal man so dem unfreundlichen deutschen Wetter dieser Jahreszeit für ein paar Tage entfliehen kann."

Einzig die Jahreszahl muss geändert werden. 2015 geht es zum achten Procigar-Festival. Bis dahin hat dann sicherlich auch Litto Gómez einen neuen Hut. www.procigar.org

Bin dann mal wieder unterwegs

Euer Honza