Best of Donhauser
22. Oktober 2012

Reise nach Südschweden

foto-donhauser

Auf den Spuren von Wallander, einem Schiffswracktaucher und Aalfischern

Vorbei an Malmö, quer durch Skâne über Svedala und Skurup, erwachen Kindheitserinnerungen an Drachenzeiten: Wir erkennen Rotmilane, die es hier in Südschweden anscheinend reichlich gibt. Ein wahnsinnig schönes Naturspektakel.

Und wer nun meint, dass auch gleich die Elche um die Ecke kommen, der täuscht. Niclas Fjellström, unser Schwedenguide erklärte, dass Elche eine nordschwedische Angelegenheit wären und wir könnten ja welche im Zoo besuchen. Tatsächlich gibt es keine Elchschilder am Wegesrand, nur Vorsicht-Schilder, auf denen Wildschweine abgebildet sind. Ystad, diese beschauliche Kleinstadt in Südschweden sieht so unschuldig aus und doch passieren hier in der Gegend ungezählte Morde.

Diesen ruppigen Kriminalkommissar Kurt Wallander, mit dem doch weichen Herz, der Whisky liebt, dauernd Kaffee trinkt und ab und zu eine Zimtschnecke dazu isst, den haben wir nicht getroffen. Aber wie die Stadtführerin sagt: "Wir wissen welche reale Person im Polizeidienst a.d., mit dieser fiktiven Romanfigur Henning Mankell damit charakterisiert hat."

Mit einem urigen Feuerwehrmobil geht es durch Ystad's kleine Altstadt, die Wallander-Spezialistin, die im normalen Leben als Polizistin arbeitet, rezitiert Passagen aus Mankell´s Kriminalromanen und der Chauffeur bleibt punktuell stehen: "Hier in der Mariagatan 10 wohnt Wallander", "und hier in der Fridolfs Konditorei trinkt Wallander schon mal gerne ein leichtes Bier". Die 45minütige Stadtrundfahrt war äußerst amüsant, zudem weil mitfahrende Wallander-Fans anscheinend jeden Krimi auswendig kannten.

Mein Highlight war der Besuch beim Turmwächter von Ystad. Ein 64jähriger Mann in Uniform öffnete uns das Tor zum 55m hohen Turm von der protestantischen Kirche Sankt Maria und brachte uns auf seine Etage in 35 Meter Höhe. Dort ist seine Aufgabe alle 15 Minuten aus jedem Fenster, nach Norden, Süden, Osten und Westen, mit einem Horn zu blasen, was der Bevölkerung melden soll, dass alles in Ordnung ist.

Roland Borg praktiziert das nun schon seit 44 Jahren, 7 Tage die Woche von 21 bis 1 Uhr nachts, na ja manchmal vertritt ihn sein Sohn, der auch der Nachfolger werden soll. Seit 1748 wird die Stadt von diesem Turm aus bewacht, in früheren Zeiten wurde so mancher Brand schnell entdeckt, heutzutage gilt das viertelstündliche Turmblasen mehr einer Tradition. Roland setzt noch nach, dass es der einzige Turm der Welt ist, von dem aus noch die Stadtbewachung ausgeübt wird.

Und wer glaubt, dass es dem witzigen Alten dort oben langweilig werden könnte, der hat seine Elvis-Sammlung im Turm noch nicht gesehen, die einer einzigen Hommage an Presley gilt. Wir verabschieden uns beim Klang von Love me tender und wissen doch, dass er es nicht zu Ende hören kann, weil er gleich wieder sein Horn holen muss. Um Ystad pur zu erleben, sollte man auch im Ystad Hotel Saltsjöbad übernachten. Nicht nur weil Wallander auch hier Ermittlungen führte, sondern weil es ein exklusives Wellnesshotel im New Haven Style ist, mit einem Restaurant, das über eine sehr gute Küche verfügt. Ich sage nur: "Kalixlöjrom und Moules Frites." visitsweden.com

"Ungefähr 200 Schiffswracks habe ich in der Südlichen Baltic See gefunden", erzählt der sympathische Patrik Juhlin, der sich aufs Wrackfischen, Vrakfiske, spezialisiert hat. An der ganzen schwedischen Küstenlinie müssten etwa 20.000 Wracks liegen, bei uns hier zwischen Bornholm, Kap Arkona und der Südküste Schwedens sind es etwa 2000."

Patrik bietet Touren aller Art, je nach individuellen Wünschen an, und ist selbst ein so leidenschaftlicher Angler und Taucher, dass es sicherlich ein aufregendes Erlebnis mit seinem 20jährigen fundierten Wissen wird. Kabeljau und Heringe sind uns an die Angel gegangen, wahrscheinlich weil Patrik einfach die besten Plätze und vor allem Wracks kennt. Für Anfänger sind die 3-Stunden-Touren zwischen Ystad und Kaseberga zu empfehlen und wer weiß, vielleicht entdeckt der eine oder andere seine Liebe zum Tiefseefischen. fishingsos.com swedenfishing.com

"Die blaue Linie" - die Aalküste läuft zwischen Âhus und Maglehem an der Ostküste Südschwedens entlang. Über 50 Aalfischereien sind hier seit Generationen ansässig. Eine Fahrt entlang der Küste birgt so viele Überraschungen, die selbst entdeckt werden sollten: Schöne Strände, Fischhütten, auch Cafés und viel Natur.

"Die Fischhaut ist gut für die Potenz", erzählt stolz der Aalfischer Hans-Inge Olofsson. Seit 1873 existiert das Eal-Cottage im Tvillingaboden, zwischen Kivik und Âhus. Momentan ist noch keine Saison für Aal, die Vorbereitungen wie Ausbesserungen an den Netzen, laufen zügig voran. "Wir fischen so um die 3000 kg pro Jahr, die Aalsaison beträgt 3 Monate von August bis Oktober." In dieser doch so kurzen Zeitspanne wird für das ganze Jahr, rund um die Uhr gearbeitet.

Frisch geräuchert wird Aal verkauft und ansonsten findet in dem Eal-Cottage jedes Wochenende fröhliches Aalessen statt. Wer nun glaubt, dass es nur gekochten Aal gibt, der wird hier bei Hans und seiner Frau Maria sein Aalwunder erleben. Frischer Aal wird über Nacht in Salz eingelegt und am anderen Tag in Stücken und mit Holzstücken im Backofen leicht geräuchert. Dazu gibt es Käsewürfel. Oder geräucherter Aal in Bier geschmort oder mit Meerrettich und Zitrone auf süßem Brot, Aal-Sushi oder gebratener Aal mit Omelette serviert. Skal!

Und in den ruhigen Aal freien Monaten im Jahr, hat Ehefrau Maria Blombärg, die eine der wichtigsten Textilkünstlerinnen Schwedens ist, wieder Zeit für ihre internationalen Ausstellungen. mariabombarg.se

Eure

Rose-Marie Donhauser