REISE
12. Juni 2018

Reisebericht Dänemark Südjütland mit Watt und Winzer

Reisebericht Dänemark | Südjütland mit Watt und Winzer, Fotos: Rose Marie Donhauser

Zwei Stunden Autofahrt von Hamburg entfernt, zwischen der Nordsee und Ostsee, fängt die dänische Region Sønderjylland (Südjütland) mit seinem von der Unesco geschütztem Welterbe, dem Nationalpark Wattenmeer, an.

Am besten geht man barfuß im Gezeitenland, mit Blick auf Fossilien im Sand, auf die Salzwiesen und Schafherden in den Dünen und mit Panoramablick auf die Insel Sylt. Hans, ein Hobbybiologe und Vogelkundler macht auf die Schönheiten im Tønder-Marsch aufmerksam: "Probiert mal das Wermutkraut, den Queller und Strandkohl. Schaut schnell, dort fliegt unser Nationalvogel, die gelbe Bachstelze. Ach und da drüben halten sich die Schafstelzen auf, eine Verwandte der Bachstelzen, die ihren Namen durch ihrer Nähe zu den Schafen haben."

Kauend mit Strandgemüse im Mund hören wir seltene Vögel zwitschern und den interessanten Ausführungen von Hans zu. Der Nationalpark Vadehavet (Wattenmeer) erstreckt sich von Blåvandshuk und Ho Bugt im Norden bis hier her zur deutschen Grenze im Süden. Zudem zählen die Wattenmeer-Inseln Fanø, Rømø und Mandø dazu. Wir sind in dem kleinen Ort Højer gestartet, welcher als Tor zur Marsch bekannt ist - von hier aus ist in Zukunft ein 52 Kilometer langer Wanderweg geplant, endgültige Eröffnung 2019. Das bedeutet, es wird noch einfacher vom Deich aus auf befestigten Wegen der Natur zuzusehen, vom Spiel der Robben bis hin zu den zahlreichen Vogelschwärmen.

Von Aarøsund zur Insel Aarø

Knappe 15 Minuten dauert die Überfahrt mit der Fähre und der "Geschmack von Aarø" wird in dem Restaurant Brummersgaard aufgetischt: Wurst von Reh und Galloway Rind mit Seetang, Bier und Kräutern, dazu Hagebuttenmarmelade und Winterportulak, Krabben mit Himbeersauce und Strandkohl.

Gut gestärkt geht es auf den Rundwanderweg Haderslev, zum Winzer Jakob Lei. 12 000 Apfelbäume und 8000 Rebstöcke nennt er seit 2015 sein eigen. "Natürlich sind 18 verschiedene Rebsorten zu viel, aber ich bin noch in der Probierphase und eben leidenschaftlicher Winzer." Er produziert Rotwein, Roséwein, Weißwein und Sekt, hauptsächlich von den Rebsorten Solaris, Vilaris und Muskaris - und füllt über 30.000 Flaschen pro Jahr ab.

Doch wer seinen Wein kaufen möchte, muss auf die Insel kommen. Bei den gemütlichen Degustationen werden seine "Schätzchen", ein Seetangwein, aber auch Honig- und Apfelliköre vorgestellt. Es ist empfehlenswert auf der Insel zu übernachten, um Wandern, Essen und vor allem den Winzerbesuch zu genießen.

Der historische Gendarmenpfad

Zwischendurch die Grenze wechseln, das ist möglich auf dem dänischen "Gendarmenpfad". Dieser 74 Kilometer lange Weg führt von der deutsch-dänischen Grenze bei Padborg bis nach Sønderborg (die größte Stadt in Südjütland mit 27 000 Einwohnern) und nach Høruphav auf der Insel Als. Ursprünglich patrouillierten hier von 1920 bis 1958 Gendarmen, einige Zeit war der Weg für viele Wanderer ein Geheimtipp.

Im Jahr 2015 wurde dieser Gendarmenpfad als erster europäischer Qualitätswanderweg in Dänemark zertifiziert. Eine abwechslungsreiche Strecke, die entlang am Meer oder in Küstennähe durch Wälder und Moore führt. Die Routenbeschreibungen sind in 12 Etappen aufgeteilt - und so ist genügend Zeit, um Landschaft und Sehenswürdigkeiten genauer zu betrachten. Zudem sind zahlreiche Übernachtungs- und Einkaufsmöglichkeiten per App oder über www.gendarmsti.dk abzurufen.

Schloss Gråsten und Sønderjysk kaffebord

In Südjütland gibt es über 1000 Kilometer markierte Wanderwege, auf mehr als 150 Pfaden und Wegen. Ob man nun als Wanderer oder auf dem Rad unterwegs ist, die flache Landschaft ermöglicht nicht nur sportlichen Menschen die Möglichkeit größere Touren zu machen. Die bekanntesten Wanderwege sind z.B. die älteste dänische Landstraße "Hærvejen" der auch unter dem Namen Ochsenweg (Oksevejen) bekannt ist, der Gendarmenpfad, Tønder-Marsch-Pfad, der Haderslev, der Knapstien und der Alsstien.

Je nachdem welche Wanderroute gewählt wird, kann es wie auf dem Gendarmenpfad auf "königlichen Abwegen" gehen. Schloss Gråsten, die Sommerresidenz der königlichen Familie lädt mit seinem Schlossgarten zum Flanieren ein. Jedes Jahr verbringt Königin Margrethe II mit ihrer Familie vom 22. Juni bis 10. August ihren Urlaub auf dem Schloss und während dieser Zeit finden täglich um die Mittagszeit Paraden und Wachablösungen statt.

Die (Wander) Nachmittage gehören dem traditionellem Kuchenbuffet "Sønderjysk kaffebord" in Dänemark. Ursprünglich aus mindestens 14 Kuchen bestehend: Sieben harte und sieben weiche Kuchen sollen es sein. Die bekannteste Torte dabei ist die Brottorte, die aus geriebenem Schwarzbrot besteht. Wer gerne alle Kuchen probieren möchte, hat bei vielen Caféhäusern dazu Gelegenheit, weil die Portionen in Mundbissen auf dem Buffet angeboten werden. Mehr Informationen unter www.visitsonderjylland.de

Rose Marie Donhauser