REISE, Honza Klein unterwegs
01. Juli 2015

Reisebericht Irland ist voller Überraschungen

Reisebericht | Irland ist voller Überraschungen

Hier gibt's kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung

Von der Englischen Küche sagt man ja dass ihr Kochbuch zu den dünnsten der Welt gehöre. Das irische Kochbuch ist wohl in ähnlichen Ausmaßen gehalten. Und mit eher merkwürdigen Kreationen. Das bemerkt man bereits beim Flug auf die Insel. Für fünf Euro bekommt man bei Air Lingus eine doch eher - na sagen wir mal eigenartige Variation eines Sandwich: Toast mit Butter und dazwischen Kartoffelchips. Und später in den Restaurants des Landes stellt man fest: Es gibt vermutlich nichts woraus die Iren nicht irgendeinen Pie (Auflauf) machen können. Aber immerhin.

In der Dubliner Gegend gibt es einige Michelin-Stern gekürte Restaurants. Nur eben auf dem Lande in normalen Wirtshäusern wird es schwierig. Es sei denn man nimmt einfach ein gutes irisches Steak oder eben Fisch. Essen scheidet also als Grund für einen Besuch der Insel aus.

Und es gibt noch einen weiteren Ausschlussgrund. Das gab mir jedenfalls Rónán, der gemeinsam mit seinem Bruder einen Chauffer-Service betreibt, zum Ende der Reise mit auf den Weg: "Wer nach Irland wegen des guten Wetters kommt ist definitiv im falschen Land." Aber wie sagt doch eine alte Weisheit: "Es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung."

Aber von all dem abgesehen gibt es mehr als genug Gründe auf die grüne Insel der Kelten zu kommen. Hinter jeder Ecke findet sich ein neuer Ausblick, ein neues Naturerlebnis, ein kleines Dorf mit pittoresken Häusern oder ein beeindruckendes Herrenhaus. Die gilt auch für den Südwesten der Insel.

Die Landschaft jenseits von Cork, der heimlichen Hauptstadt Irlands (das meinen jedenfalls die Einwohner der Hafenstadt, die übrigens dereinst letzter Halt der Titanic war), ist geprägt von leichten Hügeln und markiert kurz hinter Cork in Kinsale den Beginn des Wild Atlantik Way. West Cork ist Insel- und Halbinselland. Teilweise Menschenleer. Genau so wie man sich Irland vielleicht vor gestellt hat. Grün, unendliche Ausblicke auf das Meer, Schafe, Rinder und ansonsten nur das Geräusch des Windes.

Sheeps Head ist eine dieser Halbinseln. Bantry ist am oberen Ende der Ausgangspunkt für die Erkundung. Ein kleiner fast unscheinbarer Ort. Ein paar Pubs, ein ziemlich gutes Fischrestaurant (zum Essen später noch ein paar Worte) und vor allem Bantry House & Garden lohnen einen Besuch.

In dem fast Schlossartigen Anwesen aus dem Ende des 17. Jahrhunderts erlebt eine ein regelrechte Zeitreise. Oder besser gesagt, die Zeit scheint stehen geblieben zu sein. Vielleicht ist so manchem der Ort auch schon per TV begegnet. Für den Film Moll Flanders mit Morgan Freeman diente Bantry House als Kulisse ebenso wie für eine Rosamunde Pilcher Verfilmung.

Einen Ausblick wie bei Rosmunde Pilcher bekommt man auch wenn man sein Nachtquartier etwa in einem der gemütlichen Bed & Breakfast Unterkünfte nimmt. Vielleicht im Gallán Mór bei Lorna und Noel Bourke. Die beiden haben ihr Haus mit vier Gästezimmern erst vor etwa mehr als einem Jahr eröffnet. Man fühlt sich sofort daheim. Der Blick auf die Dummanus Bay lässt hin und wieder sogar mal eine Wal oder Delphin erkennen, leichte Hügel sind hinter dem Haus. Dahinter die Bantry Bay.

Sheeps Head ist gut 45 Kilometer lang und maximal 5 Kilometer breit. Nicht viel Land. Aber es bietet genügend Möglichkeiten und auch Asterix und Obelix hätten sich bestimmt wohl gefühlt. Bedeutet doch Gallán Mór großer Stein. Der steht wie ein riesiger Hinkelstein gleich hinter dem Haus. Da das B&B ziemlich in der Mitte der Halbinsel liegt, ist es genau der richtige Ausgangspunkt für Erkundungstouren. Etwa eine Wanderung zum westlichsten Ende.

Danach kommt der Atlantik und erst gut 5000 Kilometer später Nordamerika. Oder man findet das Glück der Erde. Das liegt ja bekanntlich auf dem Rücken der Pferde. Ein Ausritt über die Hügel am Beginn der Halbinsel sorgt wir schon erwähnt überall in Irland für immer wieder neue Ausblicke. Etwas Mutigere können sich auch Chris Forker anvertrauen. Er bietet Segeltörns an. Mit etwas Glück sieht man Wale, Delphine und Robben. Ein wenig seetauglich sollte man indes sein. Aber auch der Blick auf die Küste ist es wert.

Folker schwärmt: "Es gibt nichts Schöneres." Er muss es wissen. Schließlich ist er in der Karibik geboren. Nun ja - da sind die Küsten auch nicht so schlecht. Das Meer blau bis türkis, Palmen und Sonne. "Aber als ich das erste Mal in diese Bucht kam wusste ich dass ich zu Hause bin", meint der Skipper.

So hat er nun ein Haus in Ahakista mit Blick auf die Bucht und den Liegeplatz seiner Segelyacht. Und das gleich neben dem Liegeplatz ein Pub ist, in dem Froker, wie schon an Bord, eine seine Seemannsgeschichten erzählt ist klar. Da ist beispielsweise von Tunneln zwischen den Inseln die Rede.

Weniger abenteuerlich ist ein paar Minuten entfernt im Örtchen Durrus die Arbeit. Dort macht Jeffa Gill seit 1979 ihren Durrus Farmhouse Cheese. Viele Preise hat sie für ihren aus Kuhmilch in gefertigten Käse schon eingeheimst. Selbst in den USA und Australien gibt es Kunden und auch im Duty Free auf dem Dubliner Flughafen wird er angeboten. Allerdings zum mehr als doppelten Preis wie direkt auf der Farm.

Übrigens - den ersten Duty Free Shop der Welt gab es ebenfalls Irland. 1947 öffnete dieser auf am Flughafen Shannon, wo auch der Irish Coffee kreiert wurde. Doch das nur nebenbei. Zurück nach West Cork und seinen berühmten Söhnen. So kam etwa der Großvater von Autopionier Henry Ford von dort und natürlich der irische Nationalheld Michael Collins. Im Städtchen Clonakilty ist er allgegenwärtig. Geburtshaus, Museum, Statue. Schließlich hat er Anfang der 20iger Jahre des vergangen Jahrhunderts für die Unabhängigkeit Irlands gekämpft. Im Ort am alten Bahnhof kann man sich einen guten Überblick über die Region verschaffen. Eine Miniatur-Eisenbahnwelt macht es möglich.

In der Stadt kann man auch ein paar Tage länger verweilen. Etwa im Clonakilty Hotel. Denn es gibt mehr als einen Pub am Abend zu besuchen und in einigen gibt es natürlich Live Musik. Bei gutem Wetter oder eben wie am Anfang erwähnt mit der richtigen Kleidung lohnt ein Ausflug nach Inchydony. Entweder mit dem Rad oder zehn Minuten mit dem Auto. Wenn wirklich ein Mal die Sonne scheint sieht es dort fast aus wie in der Karibik: Breiter Sandstrand (der Sand wurde 1754 aus Portugal herbei geholt, nachdem ein Tsunami alles Vorherige verwüstet hatte), ein paar Palmen, leichte Hügel.

Apropos leichte Hügel. Auf etlichen findet man altertümliche Steinkreise. Einer der größten ist der Drombeg Stone Circle. Für die meisten Touristen ist es einfach eine Sehenswürdigkeit. Manche indes kommen nur deshalb nach Irland. Etwa ein Gruppe Frauen aus Deutschland, die dort etwa 20 Minuten lang die Verbindung zu Merlin oder sonst was suchten. Ergebnis unbekannt.

Taj und da sind doch noch die vielen alten Ruinen von Klöstern und Schlössern, die einen irgendwie in vergangene Tage bringen. Ebenso wie die Friedhöfe. Auf einigen von Ihnen wir an die Katastrophe der Iren in der Mitte des 19. Jahrhundert erinnert als die Kartoffelfäule tausende verhungern ließ und der erste große Exodus der Iren begann. In Skibbereen was ein Zentrum der Kartoffeln war und wo deshalb besonders viele Opfer zu beklagen waren erinnert ein Denkmal auf dem Friedhof. "Menschen waren seitdem unser größter Exportartikel", meint Rónán.

Vielen lässt sich trotz des eben nicht immer guten Wetters in West Cork erleben. Sei es zu Lande oder eben sogar bei nicht ganz so gutem Wetter auf dem Meer. Denn außer dem Segeln werden auch Whale Watching Touren angeboten. Es kommt eben nur auf die richtige Kleidung an.

Bin dann mal wieder unterwegs

www.livingtheheepsheadway.com, www.bantryhouse.com, www.gallonmor.com, www.durrescheese.com, www.carberysailing.com, www.theclonakilty.com