Reise, Honza Klein unterwegs
13. März 2015

Reisebericht Island Die Barhauptstadt Reykjavik

Reisebericht Island | Die Barhauptstadt Reykjavik

Es gibt sicherlich nicht viele Gelegenheiten, gleich 15 Bars – respektive die Arbeit ihrer Barkeeper – auf einmal auszuprobieren. Das wäre ein ziemlich zeitaufwändiger Zug durch die Gemeinde. Eine andere Möglichkeit soll es nun jeden Februar in Europas nördlichster Hauptstadt geben

Den Reykjavik Bar Summit – 2015 nun also zum ersten Mal. Mit dabei Bars aus New York, Miami, Paris, New Orleans, Stockholm, Amsterdam, Trondheim, Kopenhagen, Stockholm und London. Sie aller versammelten sich drei Tage lang in der direkt am Hafen gelegenen zurzeit angesagtesten Bar der isländischen Hauptstadt namens Slippbarinn.

Nun ja und wie nicht anders zu erwarten wurde dort erst einmal viel gemixt und dann noch mehr getrunken. Angesichts des stürmischen Außenklimas die beste Alternative Island zu genießen. Obwohl es außer der doch beträchtlichen Anzahl von Bars noch andere, selbst im Winter ganz heiße Orte gibt.

So lohnt etwa ein Ausflug zur Blauen Lagune, einer heißen Quelle mit Freiluftpool oder zur etwas weiter entfernt gelegenen Fontana Laugarvatn. Auf der Fahrt dorthin geht es nach dem Verlassen der Hauptstadt durch eine eher unwirkliche Landschaft. Gerade im Winter irgendwie von verstörender Faszination. Weiß so weit das Auge schauen kann, im weißpudrigen Wind irgendwo ein paar Hügel. Es wirkt wie Mond mit Schnee.

Um dann nach gut zwei Stunden Fahrt heiße Dämpfe aufsteigen zu sehen. Husch in die Badhose rein und rein ins fast 40 Grad heiße Thermalbad. Bei Außentemperaturen von minus fünf, die sich gefühlt durch den immer vorhandenen feuchten Wind wesentlich kälter anfühlen, ein wunderbares Gefühl. Und bei einem Barfestival natürlich mit Drink in der Hand.

Der Legende nach haben die ersten Isländer in den geothermalen Quellen sogar ihre Pferde gebadet damit diese wieder zu Kräften kommen. Das war irgendwann gegen Ende des ersten Jahrtausends. 870 kamen die ersten Wikinger vom nordischen Festland auf die karge Insel. Manch Reisender von heute fragt sich, wieso sie geblieben sind. Scheint doch die Insel eigentlich unbewohnbar.

Ein paar Bäume gibt es nur in Reykjavik und einigen Ansiedlungen. Ansonsten Ödnis. Diese hat jedoch einen ganz besonderen Reiz. "Man sollte das erste mal im Sommer her kommen", meint Birger Gudmundsson. Er ist Hotelchef im Marina Hotel, in dem auch die Slippbarinn beheimatet ist und er hat den Bar Summit mit aus der Taufe gehoben. "Für uns ist das eine gute Gelegenheit auch in de kalten Jahreszeit Gäste hierher zu holen und außerdem können unsere Barkeeper von den internationalen Gästen lernen. So eine Art Know-How-Tranfer."

Die Barszene ist für Gudmundsson einer der Gründe nach Island zu kommen. Aber natürlich vor allem wegen der Natur, der Weite, der Ruhe. Vulkane, heiße Quellen, Islandpferde, Ursprünglichkeit – alles gründe für einen Besuch. Im Winter kommt noch eine Tour mit dem Schneemobil dazu. Und ein Stück Weltgeschichte. Trafen doch Ronald Reagan und Michail Gorbatschow 1986 erstmals in Reykjavik zusammen.

Das direkt am Meer gelegene Haus ist heute eine der Stationen der Stadtrundfahrt, die ansonsten nicht all zu viel zu bieten hat. Reykjavik zählt sicherlich nicht zu den Städten die man gesehen haben muss. Von der Kirche aus der Mitte des 20. Jahrhundert und dem neuen Opernhaus vielleicht abgesehen. Trotzdem kommen Jahr für Jahr mehr als eine Million Touristen auf das nur etwas mehr als 300.000 Einwohner zählende Eiland. Da ist es mitunter nicht ganz leicht eines der nur 10.500 Hotelbetten zu ergattern. Große Hotelketten sind bisher kaum am Ort. Lediglich Hilton und Radisson. Nun plant Marriott ein Haus am Hafen neben der Oper.

Immerhin ist der Tourismus die Haupteinnahmequelle des Landes. Noch vor der Fischerei. Übrigens ist ein Besuch auf Island ein gutes Stop-Over-Ziel wenn man nach Nordamerika reist. "Die meisten unserer Gäste kommen jedoch speziell nach Island", sagt Gudmundsson. Natürlich vor allem im Sommer. Oder eben in der Jahreszeit die die Isländer dafür halten. Viel mehr als 18, 20 Grad zeigt das Thermometer kaum. "Aber schon bei 15 Grad, ziehen wir alle kurze Hosen und T-Shirt an und treffen uns draußen", erzählt einer der einheimischen Barkeeper.

Das Barfestival soll nun einer der Gründe sein auch im Winter mehr Gäste zu bekommen. Gleich danach kann man das Food and Fun Festival besuchen (www.foodandfun.is). Wer nach Island reist sollte jedoch beim Ankommen noch mal fix im Flughafen Duty Free rein schauen. Jedenfalls wenn er in den Tagen auf Island etwas hochprozentiges Trinken mag. Kostet doch ein normaler Cuba Libre etwa 16 Euro, ein Bier um die 6 Euro. Vielleicht auch das ein Grund warum die öffentlichen Veranstaltungen beim Bar Summit so gut besucht waren. War es doch dort gratis oder doch wesentlich billiger.

Auch ja – Sieger gab es natürlich auch: Dutch Kills aus New York lag in der Gunst der Gäste ganz weit oben und die Kopenhagener Storm Bar bekam von der Jury die meisten Stimmen. "Schade dass noch keine deutsche Bar dabei war", meinte Gudmundsson zum Schluss. "Aber man kann sich bei uns schon für das nächste Jahr anmelden." www.reykjavikbarsummit.com

Bin dann mal wieder unterwegs