Honza Klein unterwegs
31. August 2018

Reisebericht Polen Wein und Schlösser in Niederschlesien

Reisebericht Polen | Wein und Schlösser in Niederschlesien

Weinregionen gibt es ja etliche in der Welt. Im Zuge des sich ändernden Klimas auch an ungewöhnlichen Orten. Doch an Polen denken sicherlich nicht so viele Wein-Liebhaber.

Dabei hat gerade die Region Schlesien eine mehr als 850jährige Geschichte des Weinbaus. Bis zum Ende des zweiten Weltkrieges gab dutzende Weingüter rings um Zielona Gora (Grünberg). Gut 700 Hektar sollen es einst gewesen sein. So begann dort 1824 Friedrich August Grempler mit der Herstellung von Sekt. Damit kreierte er den ersten deutschen Sekt. Die Geschichte der Weinregion Schlesien kann man heute am besten im Centrum Winarstwa in Zabor (Sabor) unweit von Zielona Gora erleben und natürlich verkosten.

"Es ist ein wirklich schöner Ort, ein echtes Aushängeschild, das die Authentizität der hiesigen Weinbautradition unterstreicht", freut sich Elzbieta Anna Polak, Marschall der Woiwodschaft Lebus. Ein Mitarbeiter des vor drei Jahren gegründeten Zentrum kennt die Gründe: "Wir haben hier 190 Tage Sonne im Jahr. Das sind gut 19-20 Tage mehr als im übrigen Polen. Dazu kommt die leichte Hügellandschaft, Sandboden mit Ton und Lehm darunter, warmen Westwind und die nicht weit entfernte Oder, die ebenfalls für Wärme sorgt. So gedeihen etwa Riesling, Pinot Noir, Zweigelt, Solaris und Gewürztraminer, um nur einige zu nennen. Schon 1150 startete der Weinbau und hatte im 18. Jahrhundert seinen Höhepunkt.

Vielleicht war auch dies ein Grund, warum Friedrich der Große in der Mitte des 18. Jahrhundert den Habsburgern in den Schlesischen Kriegen das Gebiet abnahm. Doch das ist als Grund wohl eher Spekulation. Immerhin kam es in der Folge zu einer Ansiedlung von etlichen adligen Familien in Schlesien. So war etwa im bereits erwähnten Zabór der Sitz der Familie der Fürsten von Schoenaich Carolath, die mit dem Hause Preussen eng verbunden waren.

Der heute in Potsdam lebende Franz Friedrich Prinz von Preußen verbrachte dort seine Zeit bis zum Januar 1945, als die Rote Armee das Gebiet auf dem Weg nach Berlin besetzte. So gehörten etliche weitere Schlösser der Preussenfamilie verbundenen Familien. Etwa auch das Jagdschloss Stansiszów (Stockdorf), wo die Prinzen Reuss daheim waren. In Stonsdorf wurde übrigens auch der gleichnamige Kräuterlikör 1810 erstmals abgefüllt.

Doch zurück zum Schloss, das neben schönen Zimmern und einem modernen Spa-Bereich auch über einen von Peter Joseph Lenné verfügt. Mit schönen Sichtachsen und einem Blick bis zu Schneekoppe im nahen Riesengebirge. Dazu bietet das Haus heute wie in vielen Schlössern und Herrenhäusern der Region neben dem Hotel auch ein Restaurant. Wie beispielsweise im Schloss Lomnica (Lomnitz) oder auch Schloss Wiechlice (Wichelsdorf) ist alles neu aufgebaut.

Nach dem Ende des Eisernen Vorhangs konnte den meist nur noch als Ruinen existierenden Gemäuern neues Leben eingehaucht werden. Wenn man sich den einzelnen Häusern allerdings die Bilder aus der Zeit um 1990 anschaut, fragt man sich wie das noch möglich war. Und auch heute entdeckt man immer wieder in der Landschaft Gebäude, die auf eine Wiederbelebung noch warten.

Eine ganz besondere Einmaligkeit verbirgt Schloss Pakoszów (Wernersdorf). Ein Raum mit tausenden original Delfter Kacheln. Ganz so als wäre der Bau gerade erst fertig gestellt. Und das war immerhin bereits Mitte des 18. Jahrhunderts.

Ein weiteres historisches und geschichtliches Kleinod bietet die Stadt Jawor (Jauer) Die im inneren fast komplett aus Holz gebaute Fachwerkkirche, die nach dem Westfälischen Frieden errichtet wurde. Immerhin 6.000 Menschen fasst der Kirchenraum mit seinen Emporen. Prachtvoll bemalt mit einer Orgel des Breslauer Orgelbauers Andreas Lummert. Da der Bau auf den Westfälischen Frieden zurückgeht, hat die Kirche den Beinahmen Friedenskirche und steht seiner einigen Jahren auf der Unesco-Weltkulterbeliste.

Der Wein aus der Region wird sicherlich noch einige Jahre brauchen, bis er auf einschlägigen Listen auftaucht. Bei seinem Besuch in Zielona Gora meinte Friedrich Engels: "Der Grünberger Wein ist besser als Entrostungsmittel zu nutzen als zum Trinken." Inzwischen ist man aber wieder auf einem guten Weg. Unterhalt des Palmenhauses in Zeilona Gora wurde gerade ein neuner Weinberg angelegt, insgesamt sind es wieder etwa 120 Hektar die Wein tragen. Und auch ein jährliches Weinfestival gibt es schon wieder. Wer durch Zielona Gora schlendert trifft an vielen Ecken auf Bacchus. Einen Großen am Markt, 40 Kleine in den verschiedensten Posen überall in der Stadt. Selbst das Stadtwappen ist mit Weinreben umrankt. Und alle das nur knapp drei Stunden von Berlin entfernt.

Bin dann mal wieder unterwegs