Honza Klein unterwegs
18. Februar 2015

Reisebericht Radsport auf Mallorca

Fotos: Honza Klein

Die Insel wird mehr und mehr von Zweirädern erobert, auch die Profis wissen das zu schätzen

 

"Hier ist tolles Wetter, wenig Verkehr, wir haben Berge, flache Strecken und das Meer", so lobt Jonathan Vaughters Mallorca. Sein Interesse ist jedoch nicht touristisch. Vaughters ist Chef des Radsportteams Connandale-Garmin Pro Cycling Teams. Als Vorbereitung auf die Saison hat er sich mit seinen gut 80 Mitarbeitern im allsun Hotel Estrella de Mar & Coral de Mar Resort in Alcudia niedergelassen. Dort sollen die Grundsteine gelebt werden für die Rennen der Saison.

Vom Giro d'Italia bis zur Tour de France. "Es ist einfach perfekt hier", meint der einstige Radprofi. Zu denen die sein Erbe auf dem Rad antreten zählt auch Ruben Zepuntke. Am mittäglichen BBQ-Büffet wird deutlich, dass der Sport außer mit narbiger Knie noch einige andere Entbehrungen kennt. Es gibt zwei Büffets. Eines ist extra gekennzeichnet: "Nur für Techniker und Crew". Burger, Steaks und auch süße Desserts - für Fahrer tabu.

"Aber ich habe mich daran gewöhnt", sagt der 22jährige Düsseldorfer. "Mein Ziel ist ein Mal bei der Tour de France am Ende die Champs Eylsees zu befahren." So sitzt er nun täglich bis zu sechs Stunden auf dem Rad. Dazu kommen weitere Trainingsstunden und Teambesprechungen. Radprofi ist ein Vollzeitjob. "Ich kann mich nicht erinnern wann ich das letzte Mal feiern war", schmunzelt Zepuntke. "Und wenn dann nur mit Apfelsaftschorle."

Ganz so hart und enthaltsam werden es wohl die bis zu 100.000 Radsportler, die gerade in den ersten vier Monaten des Jahres auf die Insel kommen nicht angehen lassen. Wird doch Mallorca in den letzten Jahren mehr und mehr zum Dorado der mehr oder minder ambitionierten Freizeitradler. Nicht zuletzt deswegen wie Vaughters es eingangs beschrieben hat.

Hinzu kommt aber auch, dass inzwischen etliche Reiseveranstalter und Hotelbetreiber dem Trend folgen bzw. ihn sogar fördern. "Für uns ist das gerade außerhalt der Hauptsaison ein wichtiger Punkt geworden", sagt Stefan Suska. Er ist Pressechef des Touristikriesen alltours zu dem die allsun Hotels gehören. "Wir arbeiten mit örtlichen Radsportanbietern zusammen und bieten ihnen Möglichkeiten in unseren Häusern Stationen zu betreiben."

So etwa auch direkt an der Playa de Palma im Pil-Lari Playa Hotel. Dort betreibt Balear Reisen eine Ausleih- und Service Station. "Unseren Gästen ist es  wichtig, dass ihre Räder gut unter gestellt sind und dass im Bedarfsfall auch mal ein Techniker da ist", sagt Uwe Prein. Wobei immer weniger Gäste ihr eigenes Rad mitbringen.

Etwa 25 bis 75 Euro kostet der Radtransport von Deutschland nach Palma. Die Ausleihe eines guten Rades kostet indes 30 bis 170 Euro pro Woche. Technische Wartung inklusive. Dazu Trikots, Trinkflaschen, Karten und für den Notfall die Telefonnummer für die Abholung wenn man sich dann doch überschätzt hat.  Da gibt es das einfache Tourenrad bis zur Profimaschine.

Bis in den April hinein kann man überall auf der Insel tausende Radler entdecken. Noch wenige Mietwagen und nicht so heiße Temperaturen sorgen für optimale Bedingungen. Dazu gute Straßen und immer wieder herrliche Ausblicke auf die Landschaft und kleine versteckte Dörfer, die man ohne Rad vielleicht gar nicht entdecken würde.

Und als Nichtprofi muss man den leiblichen Genüssen ja vielleicht auch nicht ganz so abhold sein. Schließlich gibt es auch einige Winzer und nicht zu vergessen hervorragende Restaurant. Zum Schluss noch ein Tipp vom sportlichen Leiter des Connandale-Garmin Teams, Andreas Klier: "Sich nicht überschätzen ist das wichtigste. 10 bis 20 Kilometer zu Beginn und wenn das gut klappt kann man sich ja steigern."

Bin dann mal wieder unterwegs