Honza Klein unterwegs
02. Januar 2017

Reisebericht Sansibar Wo der Pfeffer wächst

Reisebericht Sansibar | Wo der Pfeffer wächst, Fotos: Honza Klein

Manchmal muss man eben aufpassen wohin man reist. So geschehen auf Sansibar. Aber glücklichweise gab dann doch ein Happy End. Gemeint ist nicht die Edelkaschemme auf Sylt. Sansibar gibt es wirklich. Kurz unter dem Äquator.

"Geh doch dahin wo der Pfeffer wächst!" Diesen Satz sagt man ja mitunter zu Menschen, die man loswerden möchte, denen man nicht gerade das Beste wünscht. Dabei sind doch gerade die Orte, wo eben dieses Gewürz heimisch ist, nicht die unangenehmsten auf der Welt. Seien es Inseln in Indonesien oder Malaysia oder eben Sansibar vor der Küste Afrikas. Dort auf der Insel, die ansonsten nicht allzu viel zu bieten hat, sind die Gewürze eine touristische Größe. "Spice Tour" ist ein immer wieder gern angebotener Ausflug.

Reisebericht Sansibar | Wo der Pfeffer wächst, Foto: Honza Klein

Da geht es dann etwa zur Tangawizi Spice Farm, gut eine halbe Stunde nördlich der Hauptstadt. Nun ja, unter Spice Farm stellt man sich ordentlich angelegte Reihen mit Gewürzpflanzen vor. Im genannten Fall scheint jedoch einzig das Schild mit dem Namen der Farm angelegt. Alles andere wächst da im Busch irgendwie vor sich hin. Und nicht nur Gewürze wie eben der sprichwörtliche Pfeffer. Vanille ebenso wie Ylang Ylang, dessen Öl in vielen Parfüms und Cremes benutzt wird. Aber auch Mango, Avocado, Zitrone, Limette, Ananas, Maniok und etliche andere nützliche Pflanzen.

Aber wie gesagt - ein Farmcharakter ist kaum zu erkennen. Zwei Stunden veranschlagen die Betreiber für die Tour. Doch schon nach wenigen Minuten ist klar - was soll das! Ebenso der obligatorisch am Ende angebotene Einkauf von Gewürzen. Man ahnt was kommt. Alles teurer als auf einem heimischen Markt.

Reisebericht Sansibar | Wo der Pfeffer wächst, Foto: Honza KleinEtwa in Stone Town, gut 45 Minuten entfernt. Die Stadt atmet noch ein wenig koloniales Erbe. Als die Herrscher aus dem Oman, Engländer und Deutsche, über die Geschicke Sansibars bestimmten. Es mag eine glanzvollere Zeit gewesen sein und angesichts dessen, was man so von den Lebensbedingungen der Einheimischen so sieht, kann es ihnen damals kaum schlechter gegangen sein. Koloniales Erbe findet man auch im Hotel Afrika House. Ehemals ein britischer Offiziersclub. Dort auf der Terrasse ist einer der schönsten Plätze für den Sundowner. Im Westen, da wo Tansania liegt, versinkt die Sonne und unten auf der Wiese vor dem Meer proben Akrobaten ihre Kunststücke.

Doch bevor man sich auf der Terrasse niederlässt, ist eine Erkundung der Altstadt angesagt. Kleine Gassen mit Handwerkern, Touristengeschäfte, irgendwo wird ein Fußballspiel übertragen und dutzende Menschen stehen davor und fiebern mit. In der Markthalle liegt der Fisch und das Fleisch einfach so herum und man sieht eigentlich mehr Fliegen als vom eigentlichen Produkt. Wirkliche Sehenswürdigkeiten biete die Hauptstadt Sansibars kaum.

Reisebericht Sansibar | Wo der Pfeffer wächst, Foto: Honza Klein

Ein Fotohotspot ist jedoch das Mercury House. Dort wurde der wohl größte Sohn der Insel geboren: Freddy Mercury. Kurios in diesem Zusammenhang, dass im Reiseführer bei Strafe ausdrücklich vor homosexuellen Kontakten gewarnt wird. Vielleicht war das ein Grund warum der Sänger die Insel verlassen hat.

Reisebericht Sansibar | Wo der Pfeffer wächst, Foto: Honza Klein

Vor der Küste Stone Towns liegen einige kleine Inseln und Sandbänke. Genau richtig für einen Ausflug. Nur ein paar Minuten mit dem Boot, und man ist in der puren Natur. Na immerhin kurzzeitig. Den Ausflug auf die Sandbank macht wohl jeder und so kommt es, dass man nach einiger Zeit vor lauter Menschen kaum noch Sand auf der Bank sieht. Ein wenig überfüllt ist es auch an der nächsten Station beim Schnorcheln an einem Riff und dann auf Prison Island. Neben Robben Island vor Kapstadt, eine der ältesten Gefängnisinseln Afrikas. Später mal als Hotel genutzt, inzwischen einigermaßen verfallen.

Reisebericht Sansibar | Wo der Pfeffer wächst, Foto: Honza Klein

Den behäbigen Bewohnern der Insel ist es egal: Schildkröten, von dernen die älteste mehr als 190 Jahre auf dem Buckel hat. Schade, dass sie nicht aus der Geschichte erzählen kann. Doch wer nach Sansibar kommt, macht das wohl eh' nicht wegen der Sehenswürdigkeiten oder der Schildkröten. Strand und Meer sind das Ziel. Beispielsweise genau auf der anderen Seite der Insel.

Reisebericht Sansibar | Wo der Pfeffer wächst, Foto: Honza Klein

Reisebericht Sansibar | Wo der Pfeffer wächst, Foto: Honza KleinDort liegt das von der TUI angebotene Resort Paradise Beach. Ein gutes Beispiel, dass bei der Namensgebung wohl vor allem das Marketing im Vordergrund stand. Oder vielleicht war auch einfach der Wunsch Vater des Gedankens. Paradise und Beach jedenfalls - beides ziemliche Fehlanzeige. Fast ganztägig ist Ebbe und wenn dann am Nachmittag das Meer endlich mal da ist, bringt es jede Menge Seegrasschlick an den Strand, und beim Auftreten auf den Meeresboden versinkt man mehr als knöcheltief im Schlamm. Immerhin ist die Anlage ansonsten sehr gemütlich und auch der Pool ist ordentlich.

Es lohnt aber dennoch sich ein Taxi zu nehmen und gen Norden zu fahren. Das Abenteuer ist dabei auch, dass man kaum einen Taxifahrer findet, der sich auf seiner doch sehr kleinen Insel auskennt. Obwohl die meisten Insulaner wohl kaum jemals runter gekommen sind von ihrem Eiland. Also schaut man besser vorher selbst in die Karte. Schon auf der dem Ozean zugewandten Seite in Kiwenga und noch weiter nördlich in Matemwe denkt man plötzlich doch noch das Paradies gefunden zu haben.

Ein breiter weißer Sandstrand, türkisfarbenes Meer. Noch besser wird es auf der Ostseite ab Kendwa. Hier lohnt ein Spaziergang Richtung Norden. Vorbei an etlichen Resorts, die alle noch eher den Namen Paradies verdient hätten, mit zahlreichen Wassersportangeboten wie überall auf der Welt, landet man in Nungwi. Eher das, was man sich von einem kleinen Urlaubsort am Strand vorstellt.

Reisebericht Sansibar | Wo der Pfeffer wächst, Foto: Honza Klein

Breiter weißer Strand, klares schillerndes Meer, Bars, Restaurant, eine kleine Promenade. Wiederum genau der richtige Ort für den Sundowner. Ein Ort, der einen mit der Insel versöhnt und an dem man trefflich den Sonnenuntergang genießen kann. Ist doch immer wieder schön.

Reisebericht Sansibar | Wo der Pfeffer wächst, Foto: Honza Klein

Bin dann mal wieder unterwegs