WEIN
18. April 2013

Stuart Pigott pflanzt eigenen Weinberg bei Berlin

Fotos Lölsberg

Im Mai werden 1000 Reben in Töplitz/Brandenburg von Stuart Pigott, Ludolf Artymowytsch und anderen Jungwinzern gesetzt

Stuart Pigott wird im Mai am historischen Weinberg in Töplitz 1000 Reben - verteilt auf zwei Parzellen des Weinguts Klosterhof Töplitz - neu pflanzen. Es ist das erste Mal, dass der britische Weinautor einen Weinberg anlegt.

Zwar hat er reichlich Erfahrung gesammelt, als er 2009 seinen eigenen Wein auf der Steillage Hasennest des Winzerhofs Stahl in Auernhofen/Franken an- und ausgebaut hat, doch einen Weinberg von Grund auf aufzubauen, ist eine Herausforderung und zugleich ein Traum des Wahl-Berliners: Fast vor der Haustür - die Zug- und Radfahrt von seiner Wohnung am Hackeschen Markt dauert 80 Minuten - kann er nun im Weinberg ackern und Wein anbauen.

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Gepachtet hat das "Weingut" eine kleine Gruppe um den Pfälzer Ökowinzer Ludolf Artymowytsch, der mit Stuart Pigott die Neupflanzung ausgeheckt hat. Im Herbst 2012 hat er den Töplitzern bei der Weinlese geholfen. Insgesamt wollen Artymowytsch und Pigott zwei Parzellen mit je 500 Reben der Sorte Pinotin aufbauen.

Pinotin ist eine sehr pilzresistente Rebsorte, auch Piwis genannt, eine besondere Züchtung des Schweizer Winzers Valentin Blattner, der eine wohlschmeckende und widerstandsfähige Sorte für seinen Weinanbau im Schweizer Jura züchtete. Die klimatischen Bedingungen im Jura und im Brandenburger Land sind übrigens vergleichbar.

Für Stuart Pigott hat der Pinotin große Zukunft im ökologischen Weinanbau, da man sehr wenig spritzen muss. In den Jahren 2009 und 2010 konnte er die Traube in einem kleinen Weinberg in Brandenburg beobachten und kosten, und sich von ihrer Besonderheit überzeugen.

Das langfristige Ziel der ganzen Pflanzaktion ist es, etwa 600 Flaschen pro Jahr eines kräftigen und vielschichtigen Rotweines zu erzeugen - einen Weltklasse Rotwein aus Brandenburg! In schwierigen Jahren wird ein kräftiger Rosé statt eines Rotweins erzeugt. Und das ist wohl kein Wunschdenken, sondern eine realistische Einschätzung, die von beiden Kooperationspartnern mit Systematik, fundiertem Weinwissen und Neugier vorangetrieben wird.

Stuart Pigott rechnet mit dem ersten kleinen Ertrag aus dem Weinberg im Jahr 2015. Frühestens in vier Jahren wird der erste Wein abgefüllt! Ausgebaut wird in Töplitz. Zwischen den Reben wird eine vielfältige Begrünung angestrebt, damit das ganze Jahr über Kräuter blühen und ordentlich Insekten anziehen.

Übrigens wird seit 1360 auf diesem Stück Land Wein kultiviert. Anfangs von den Zisterzienser Mönchen und nach 1640 dann sehr erfolgreich von Schweizer Familien, die der Große Kurfürst hier ansiedelte. In der Zeit nach 1945 wurde auf dem Weinberg dann vielfach Obst angebaut. 2007 dann rebte der jetzige Besitzer Klaus Wolenski 1,5 Hektar auf. Heute sind es insgesamt 2,6 Hektar Weinberg.

Zurück zur Pflanzaktion: Einige Jung-Winzerfreunde aus Pigotts Geisenheimer Studienzeit helfen beim Pflanzen. Angesagt haben sich Johannes und Christian Spiess (Weingut Spiess, Bechtheim/Rheinhessen), Johannes Sinß (Weingut Sinß, Windesheim/Nahe), Gerrit Walter (Weingut Walter, Briedel/Mosel) und Horst Hummel (Weingut Hummel, Villany/Ungarn).

Weingut Klosterhof Töplitz, Am Alten Weinberg 7, 14542 Werder (Havel), OT Neu Töplitz, Tel: 033202-700256, weingut-toeplitz.de