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23. März 2015

Tourismus Freizeitparks im Umbruch

Freizeitparks wie der Europa-Park Rust machen mit Vergnügen gute Geschäfte. Doch der Druck steigt: Besucher wollen mehr als Rummel - die Parks müssen investieren

Von Jürgen Ruf

Die ersten Skizzen entstanden auf einem Bierdeckel: Mit einigen Bleistiftzeichnungen abends an einer Hotelbar wurde die Idee geboren. Heute ist der Europa-Park Rust bei Freiburg Deutschlands größter Freizeitpark. Nun wird er 40 Jahre alt. Der Vergnügungspark in der badischen Provinz ist Deutschlands bekanntestes Beispiel für das boomende Geschäft mit Spaß und Vergnügen. Gleichzeitig steigt der Druck, in immer neue Angebote und Attraktionen zu investieren.

«Mein Vater und ich waren die einzigen, die an diesen Park geglaubt haben.» Roland Mack (65), Maschinenbau-Ingenieur aus Waldkirch bei Freiburg, ist Gründer, Chef und Inhaber des Freizeitparks, der sich seit seinem Start 1975 Europa zum Thema macht. Und noch immer in Familienbesitz ist. Seine Runden dreht Mack im Elektromobil.

Zu Fuß wäre er lange unterwegs. Aus einem kleinen Park mitten im Dorf mit Kinderkarussell und Märchenbahn ist in vier Jahrzehnten ein 95 Hektar großes Gelände mit Achterbahnen, fünf Hotels, Konferenzzentrum und 3600 Mitarbeitern entstanden. Am Samstag (28.3.) startet die Sommersaison.

«Der Europa-Park ist Spiegelbild unserer Branche», meint Klaus-Michael Machens, Präsident des Verbandes Deutscher Freizeitparks und Freizeitunternehmen (VDFU). Die Deutschen sowie Touristen aus dem Ausland seien zunehmend bereit, für Freizeitvergnügen Geld auszugeben. Davon profitiere die Branche mit ihren deutschlandweit rund 25 großen Parks, mehr als 80 kleineren Einrichtungen wie Tierparks und Indoor- Attraktionen sowie zahlreichen Zulieferern.

So auch Rust: Mit jährlich mehr als fünf Millionen Besuchern ist das Vergnügungsareal im 3900 Einwohner zählenden Dorf am Oberrhein nach dem Kölner Dom (sechs Millionen Besucher pro Jahr) das beliebteste Ausflugziel in Deutschland, wie die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) ermittelt hat. Mit 4500 Betten zudem größter privater Hotelbetrieb in Deutschland und größter gastronomischer Betrieb an einem Ort. Ein weiteres Hotel sowie ein Wasserpark sind in Planung.

Freizeitparks profitierten vom touristischen Trend, dass Urlauber an einem Ort möglichst viel erleben und geboten bekommen wollen. «Neben Rummel suchen sie verstärkt auch Ruhe und Natur», sagt Machens. «Und die Möglichkeit, sich und die Kinder spielerisch zu bilden.» Bildungsangebote mit Erlebnischarakter seien besonders gefragt.

«Unser Erfolgsrezept ist, dass wir stetig investiert und erweitert haben», sagt Europa-Park-Chef Mack. Eine Achterbahn alleine bringe dauerhaft keinen Erfolg. Das Angebot müsse die ganze Familie ansprechen - vom Kleinkind bis zur Oma. Höher, weiter schneller - das locke nur eine vergleichsweise kleine Gruppe. «Und diese reist dann schnell weiter zum nächsten Kick.»

Dies gelte für alle Parks, meint Verbandssprecherin Janine Engel. «Zunehmend gefordert wird ein breites Angebot, das auch länger und vor allem mehrere Generationen bei Laune hält.» So investierten beispielsweise Zoos und Tierparks in Fahr- und Erlebnisattraktionen, größere Parks schafften vor allem Übernachtungsmöglichkeiten. Parks würden immer mehr zum Kurzreiseziel für Mehrtagesbesucher.

Die Kehrseite: Der Druck, Bestehendes zu erneuern und Neues zu schaffen, ist hoch. «In den Ausbau des Parks haben wir seit Bestehen 800 Millionen Euro investiert», sagt Mack. Und es müsse weitergehen. Allein in dieser Saison sollen gut 15 Millionen Euro fließen.

Für kleinere Parks sowie für Schausteller, die von Volksfest zu Volksfest reisen, sei das ein Problem, betont Verbandschef Machens und bestätigt damit eine Einschätzung des Deutschen Schaustellerbundes. Und: An größere Neugründungen von Parks sei wegen der dafür notwendigen hohen Anfangsinvestitionen derzeit nicht zu denken.

«Wir galten anfangs als Exoten, ohne Aussicht auf Erfolg», erinnert sich Mack. «Der Pleitegeier schwebt über Rust», titelte eine örtliche Zeitung. Und es fand sich kein Wirt. «Aus der Not heraus haben wir dann alles in Eigenregie gemacht, auch die Gastronomie. Heute sind wir froh darüber.» Inzwischen gibt es sogar mit dem Ammolite ein Sterne-Restaurant. Es ist ein profitables Geschäft geworden. Und die Freizeitindustrie zu einem anerkannten Wirtschaftszweig. dpa