Wein
27. März 2013

Wein aus Portugal, Südtirol und Südafrika

Bilanz auf der ProWein: Südtirol hat sich mittlerweile zu einer Region für exzellente Weißweine entwickelt - Portugal ist ein Weinland mit rund 250 einheimischen Rebsorten - Fair Labour-Siegel für südafrikanische Weine

Weißweine aus Südtirol haben viel Frische

Fruchtige Frische gepaart mit italienischer Leichtigkeit - so beschreiben Südtirols Winzer ihre Weißweine. Einige der Tropfen aus dem nördlichsten Zipfel Italiens sind für Kenner wie den Master-Sommelier Hendrik Thoma perfekte Sommerweine. Das frühere Massenrotweinland hat sich inzwischen zu einer Adresse für hochwertige Weißweine gemausert.

Aber auch die meisten Rotweine, darunter die heimischen Sorten Lagrein und Vernatsch, überzeugen. «Südtirol ist eine Erfolgsgeschichte», sagte Thoma auf der internationalen Weinfachmesse ProWein in Düsseldorf.

Alto Adige, wie die Italiener das entlang der Hochetsch gelegene Südtirol nennen, ist nach Angaben von Helmuth Zanotti von der Südtiroler Exportorganisation EOS in Bozen mit 5300 Hektar Rebfläche das kleinste Anbaugebiet Italiens. «Wir haben inzwischen eine Identität gefunden. Das war früher nicht so», erläuterte Michael Graf Goëss-Enzenberg vom Weingut Manincor in Kaltern und Präsident der Freien Weinbauern. «Unser Gebiet steht jetzt für alpin und Frische. Die Kunden wissen nun, dass wir das nördlichste Anbaugebiet Italiens und die südlichste deutschsprachige Region sind. Und dass wir frische Weißweine produzieren.»

Die Weinwirtschaft am Fuße des Alpenkamms mit etwa 5000 Weinbauern ist sehr kleinstrukturiert und vielfältig. An etlichen Stellen immer noch von der traditionellen Pergel - einer laubenartigen Anbauform der Reben - geprägt, ähnelt die Weinlandschaft einem malerischen Patchwork von oft nur ein bis zwei Hektar großen Flächen.

Ob Genossenschaften, Weingüter oder selbstvermarktende Weinbauern: Jeder versucht entsprechend dem Mikroklima seiner Lagen die passende Sorte zu kultivieren. «Südtirol besann sich wieder auf seine Tradition», betonte Hendrik Thoma, der seit zehn Jahren die Entwicklung in Südtirols Weinbergen beobachtet.

Dabei rückten auch vernachlässigte rote Sorten wie Vernatsch oder Lagrein wieder in den Blick. Die Winzer unterstreichen heute das Typische ihres Gebietes. Christian Weith von der Klosterkellerei Muri-Gries in Bozen ist zum Beispiel stolz auf seinen «Klosteranger», der auf das Jahr 1750 zurückgeht. Auf dem denkmalgeschützten Weinberg gedeiht aufgrund der Lage im Talkessel der Stadt Kennern zufolge der beste Lagrein Südtirols. dpa

Touriga Nacional oder Alvarinho aus Portugal

Vinho Verde ist vielen Weintrinkern in Deutschland ein Begriff, Touriga Nacional vermutlich eher nicht. Hinter diesem Namen verbirgt sich eine der wichtigsten roten Rebsorten Portugals. Das Land auf der iberischen Halbinsel verfügt über 250 heimische weiße und rote Rebsorten, die zum Teil jahrhundertealt sind. «Aber nur 40 davon spielen quantitativ eine Rolle», sagte der Fachbuchautor und Experte für portugiesischen Wein, David Schwarzwälder.

Der Grund für die Vielfalt in den portugiesischen Weinbergen war die über Jahrhunderte lange Abgeschiedenheit des Landes. Und auch heute halten die Winzer an ihrer Individualität fest. In Zeiten globaler geschmacklicher Annäherung ist dies für Schwarzwälder einer der Gründe, warum Weinkenner die portugiesischen Tropfen inzwischen so schätzen.

Das war nicht immer so. Der portugiesische Weinbau war laut Schwarzwälder technisch nicht auf der Höhe. Und das Marketing war nicht so weit. «Mit Ausnahme bei Port und Madeira. Sie waren für das Land Segen und Fluch zugleich, weil die Leute Portugal allein daran festgemacht haben», sagte er.

Längst finden sich in Portugal zwar auch internationale Stars wie Cabernet Sauvignon, Merlot oder Chardonnay. «Ihre Verbreitung ist aber gering. Nur in den Weinregionen Alentejo und Lissabon gibt es etwas davon», erklärte der Experte. Die Winzer setzen sie meist als Cuvée-Partner der heimischen Trauben ein.

Die Traube Touriga Nacional gilt als eine der hochwertigsten Rebsorten Portugals. Sie liefert tiefschwarze, intensive Rotweine mit Noten von dunklen Beeren und blumigen Akzenten. Touriga-Nacional-Weine duften oft nach Pinien, Kräutern und Eukalyptus. Sie sind sehr lagerfähig. Weitere wichtige rote Sorten sind Baga, Castelao, Tinta Roriz, Touriga Franca, Trincadeira.

Eine der meistangebauten weißen Trauben ist die Fernao Pires. Sie findet sich fast überall im Land. «Sie bringt frische, blumige und fruchtige Weißweine mit Aromen von Äpfeln und Zitrusfrüchten und einer moderaten Säure hervor», erklärte Schwarzwälder.

Körperreiche, trockene Vinho Verde mit einer gewissen Mineralität werden im Norden der Region Minho aus der Traube Alvarinho gewonnen, die nur dort zugelassen ist. Der Nordwesten Portugals ist die Heimat des «grünen Weins», dessen Namen daher rührt, dass er jung getrunken werden sollte. dpa

Fair Labour-Siegel für südafrikanische Weine

Noch sind es wenige, aber die Zahl schwarzer Weinunternehmer in Südafrika nimmt 19 Jahre nach dem Ende der Apartheid langsam zu. Für den aktuellen Weinjahrgang vom Kap der Guten Hoffnung, der jetzt in den Handel kommt, gibt es nun erstmals ein Ethiksiegel. Es garantiert, dass der Rebensaft unter sozial fairen Bedingungen für die meist schwarzen oder farbigen Landarbeiter erzeugt wurde.

«Das "Fair Labour"-Siegel ist weltweit eine Neuheit in den Weinerzeugerländern», sagte Su Birch, Geschäftsführerin der Exportorganisation Wines of South Afrika und eine der Hauptinitiatoren des Siegels. Die ersten zertifizierten Weine mit dem Label «Certified Fair Labour Practice» konnten dort verkostet werden.

Wer das sogenannte Wieta-Siegel für seinen Wein möchte, muss einen Vertrag mit der regierungsunabhängigen Organisation «Wine Industry Ethical Trade Association» (Wieta) eingehen. Nur wenn das Abkommen jedes Jahr erneuert wird, ist das Zertifikat auch im Folgejahr gültig. Wieta verbietet unter anderem Kinderarbeit sowie Diskriminierung und fordert existenzsichernde Löhne, Kündigungsschutz sowie das Recht, sich zu organisieren.

Das Ethiksiegel wird ausschließlich einzelnen Weinen verliehen, nicht den Betrieben. Der Grund liegt laut Birch darin, dass ein Erzeuger für seine Weine Trauben von unterschiedlichen Lieferanten beziehen kann: «Die Einhaltung der sozialen Richtlinien muss jedoch über den gesamten Herstellungsprozess rückverfolgbar sein.

Deshalb muss jeder Wein einzeln geprüft werden.» Mit dem Siegel müssen alle Verträge auf den Tisch. Das gilt auch für Vereinbarungen, die Farmer mit eher zwielichtigen Arbeitsvermittlern von Wanderarbeitern eingehen. Damit erhoffen sich Birch und ihre Mitstreiter, dass auch sie künftig besser bezahlt werden.

Momentan tragen 70 Weine auf den Flaschen das Siegel, das die stilisierte Zeichnung einer Frau mit einem Korb voller Trauben vor strahlender Sonne in grau-grünen Tönen zeigt. Bis Ende 2014 sollen Birch zufolge 60 Prozent aller Weinproduzenten Südafrikas zertifiziert sein.

Die Weine vom Kap haben in Deutschland die Konkurrenz aus Chile, Kalifornien und Australien hinter sich gelassen. Nach der aktuellen Statistik 2012/2013 des Deutschen Weininstituts (DWI) rangiert das Weinland auf Platz vier hinter Italien, Frankreich und Spanien. dpa