Wein
12. April 2013

Wein ohne Grenzen

Im Dreiländereck um Schengen haben die Luxemburger Weinberge in Frankreich und im Saarland, und ein Saarländer besitzt einen Wingert auch in Luxemburg. Jetzt setzen sie auf gemeinsame Weine: Charta Schengen Prestige und Terroir Moselle

Von Birgit Reichert

Von seinem Weinberg im saarländischen Perl blickt Helmut Herber auf die Mosel herab: Auf der einen Seite liegt das französische Apach, auf der anderen Seite Schengen in Luxemburg. «Das ist ein besonderer Platz, wo Europa schon lange Alltag ist», sagt Herber, der auch Präsident des saarländischen Winzerverbandes ist. Luxemburger bewirtschaften Weinberge auch im angrenzenden Frankreich und an der saarländischen Mosel. Und Herber besitzt als einziger Winzer des Bundeslandes Rebstock-Fläche im luxemburgischen Schengen und Remerschen.

1986 schon - ein Jahr nach der Unterzeichnung des Schengener Abkommens über den Wegfall von Grenzkontrollen - hatte Herber Rebstöcke in Schengen gekauft. «Ich wollte Spätburgunder pflanzen und das war in Perl noch nicht möglich», erzählt er. Anfangs gab es noch viel Bürokratie zu bewältigen: «Ich musste in Luxemburg die geschätzte Erntemenge angeben und die Trauben verzollen.» Heute aber fährt der 58-jährige Winzer seine Ernte im Herbst einfach über die Brücke von Schengen nach Perl auf seinen Hof, um sie zu verarbeiten.

«Der Wein kennt keine Grenzen», sagt der Saarländer. «Wir haben hier die gleichen Böden, die gleichen Rebsorten, das gleiche Klima.» Daher hat er sich mit Winzer-Kollegen im Dreiländereck zu einer «Charta Schengen Prestige» zusammengeschlossen, in der die Weinbauern für einen Wein bestimmte Qualitätskriterien festlegt haben. «Das ist die erste grenzüberschreitende Weincharta, die es in Europa gibt», sagt der luxemburgische Winzer Serge Gales in Besch-Kleinmacher, Präsident der Vereinigung. «Der internationale Touch ist besonders.»

Acht Winzer, vier in Luxemburg und vier in Deutschland, gehören derzeit dazu. Und zwei mögliche Kandidaten aus Frankreich seien im Gespräch, erzählt Gales. Die Winzer machen unter dem Schengen-Logo einen Wein aus den Rebsorten Auxerrois, Pinot Blanc, Pinot Gris oder Gewürztraminer. «Dass sind sehr feine, komplexe Weine, die auf einem guten Weg sind.» «Ein gutes Souvenir aus dem Dreiländereck», fügt Herber hinzu. «Wenn jemand aus den USA kommt, differenziert er ja nicht, ob der Wein von der deutschen, französischen oder luxemburgischen Mosel ist.»

Das Weinanbaugebiet im Saarland ist nicht nur wegen seines europäischen Charakters besonders. Es hat andere Rebsorten im Angebot als der übrige Teil des Anbaugebietes Mosel. Nur 22 Winzer - darunter acht Haupterwerbsbetriebe - gehören im Nordwesten des Saarlandes mit einer 115 Hektar großen Weinbergsfläche zum Gebiet an der Obermosel.

«Die Saarländer haben den Wandel zu den Burgundersorten schon ab den 1980er Jahren vollzogen», sagt der Geschäftsführer des Vereins «Moselwein», Ansgar Schmitz, in Trier. Das liege vermutlich an der Orientierung an Frankreich und Luxemburg, wo Grau-, Weiß- und Spätburgunder schon lange «in» sind. Heute wachse etwa der Grauburgunder im Saarland auf 14 Prozent der Fläche - während er im gesamten Moselgebiet nur ein Prozent ausmache. Hauptrebe an der saarländischen Mosel ist der Elbling.

Zudem sei das Weingebiet um Perl das einzige Qualitätsanbaugebiet des Saarlandes, während die Mosel in Rheinland-Pfalz eines von sechs sei, sagt Schmitz. Die Mosel insgesamt ist das bundesweit fünftgrößte Weingebiet Deutschlands und umfasst 8800 Hektar Weinberge. Der saarländische Wein wird zu 90 Prozent im Saarland getrunken.

Den Begriff von Schengen für den Wein zu nutzen, sei ein «cleverer Schachzug», sagt Schmitz. Er spiegele den europäischen Gedanken wider, der auch beim Projekt «Terroir Moselle» eine Rolle spiele: Hier machen 20 weinbauliche Organisationen in Frankreich, Luxemburg und Deutschland mit, um die Mosel von ihrer Quelle in den Vogesen bis zur Mündung in den Rhein als eine Weinkulturregion darzustellen. «Drei Länder - ein Fluss: Das macht den Moselwein zum europäischsten aller Weine», sagt er. dpa