BORDEAUX REPORT
10. Juli 2011

Bordeaux 2010 - der Wein und die Preise

fotos-norman-schmidt

Der Jahrgang, die Preise und eine schöne Meinung

Eigentlich lässt mich das Thema kalt. Bei mir wird nur noch Riesling und Spätburgunder geöffnet. Am liebsten per Drehverschluss.

Aber ein kleiner Überblick ist heute doch drin - für alle, die die Hoffnung auf den Lottogewinn noch nicht aufgegeben haben. Die Preise der Subskription des Jahrgangs 2010 im Bordelais liegen bei 600 Euro (Margaux, Mouton, Lafite) bis über 1000 Euro die Flasche (Ausone).

Zu den Jahrgangs-Bewertungen meines Kollegen Peter Moser (Falstaff). Parker sprach irgendetwas vom besten Jahrgang, den er je verkostet habe, oder so ähnlich.

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Hier ein schöner Text von Michael Grimm für alle, die sich doch noch erregen wollen. So ist sie wohl, die Realität:

"Als Weinliebhaber schmerzen auch mich die Preise der 1er Crus und mancher Super Seconds, Pomerols oder Emilions ebenfalls sehr. Diese Weine sind fast unerreichbare Statussymbole und Spekulationsobjekte für WENIGE. Aber essen Sie nicht auch gerne Pfifferlinge oder Steinpilze - trotz weißer Trüffeln für EUR 4000 Euro das Kilo? Fahren Sie nicht auch Auto - trotz der Preise für Maybach und Bugatti? Lesen Sie nicht auch am Handgelenk die Zeit ab - trotz IWC, Glashütte, etc?

Auch Steinpilze sind ein Genuß und auch ein Maybach bringt Sie nur von A nach B und der Tag hat auf jeder Uhr 24 Stunden. Trotzdem gibt es Unterschiede. Und das ist gut so. Muss denn jeder Wein für jeden Weinliebhaber zugänglich sein? Massenanbau für begehrte Lebensmittel ist auf Latour oder Lafite nicht möglich. Die Mengen werden durch die immer strengere Selektion eher noch geringer. Angebot und Nachfrage regeln hier dramatisch für uns Weinfreunde den Preis.

Aber Bordeaux generell zu teuer? Über welchen Prozentsatz an der Gesamtproduktion sprechen wir überhaupt? Im Bordelais werden auf über 100.000 ha Rebfläche knapp 6 Mio. Hektoliter Wein erzeugt. Die 5 Premier Crus erzeugen zusammen ca. 8500 Hektoliter. Das sind 0,14 Prozent der Gesamtproduktion. Und nach wie vor bin ich der Meinung, dass man in Bordeaux für jeden Betrag einen großartigen Wein finden kann. Bordeaux ist in Bezug auf Preis-Genuß immer noch die Nummer eins. Natürlich bieten auch wir die Premier Crus an und haben Kunden dafür. Aber der Reiz und Spaß für uns Weinhändler liegt doch darin, auch im Preisbereich von 10,00, 20,00 oder auch 40,00 EUR/Fl. Weine zu finden, welche es sich wirklich zu kaufen und zu genießen lohnt. Und noch nie war Weinqualität in Bordeaux unter EUR 20,00 so großartig wie heute. Die Fülle des Angebots an tollen Schnäppchen sprengt jedes Weinlager und jeden Weinkatalog.

Am Wochenende war ich auf eine 90er Bordeauxprobe eingeladen. Es wurde nur die oberste Liga verkostet. Aber auch wenn der Gastgeber ein sehr großzügiger Weinfreund ist, wird es solche Proben mit 2009ern und was noch kommen wird, wohl kaum mehr geben. Schade? Nun ja, wenn ich sehe, wie sich bspw. Montrose oder Leoville Las Cases platziert haben, bin ich nicht bange.

Diese teuren und begehrten Flagschiffe schaffen Begehrlichkeiten und Ehrgeiz auf Winzerseite. Viele junge Winzer sehen, dass es sich lohnt, in Qualität zu investieren. Heute gibt es Bordeaux Superieur zwischen 8,00 und 15,00 EUR, welche eine Qualität ins Glas bringen, wie früher nur Cru Bourgeois oder sogar klassifizierte Gewächse. Heute kommen aus bordelaiser Appellationen tolle Weine, welche früher nur für rustikale Einfach-Bordeaux bekannt waren - Côte de Bourg, Blaye, 1er Côtes de Bordeaux, etc.

Manche Weinliebhaber wenden sich wegen der extrem hohen Preise tatsächlich von Bordeaux ab. Aber wo finden diese eine echte Alternative? Meist kommen sie nach einiger Zeit zurück. Es geht bei Bordeaux um mehr als um Parkerpunkte. Wer schon einmal an einer Probe mit wirklich reifen Bordeaux teilnehmen durfte, weiß was ich meine.

Aber viele Bordeauxfreunde, für die es auch einfach keine Alternative zu Bordeaux gibt, werden auf die Suche nach neuen Weinen innerhalb der mehr als 100.000 ha geschickt und werden fündig. Man muss sich halt von der Etikette lösen. Ich habe Kunden, welche über Jahre hinweg standardmäßig ihre Premier Crus und einige andere Weine orderten. Für die meisten ist das vorbei. Neues entdecken!

Andere Kunden wiederum, welche noch nie etwas mit Bordeaux im Sinn hatten, werden neugierig auf diese Region, in welcher Weine erzeugt werden, für die Käufer bereit sind, ein Vermögen auszugeben. Und steckt nicht in jedem guten Bordeaux auch ein klein wenig Esprit eines 1er Crus?

Wir hatten jedenfalls noch nie soviel Nachfrage nach Bordeaux (jung und alt, klassifiziert oder nicht, teuer oder preiswert) wie seit dem Erscheinen der 2009er Preise."

Text von Michael Grimm (Bacchus-Vinothek.com)