Wein
30. September 2018

Interview mit François Lurton Wein-Pionier seit 30 Jahren

Interview mit François Lurton | Wein-Pionier seit 30 Jahren

Der aus einer Winzerdynastie in Bordeaux stammende François Lurton hat sich einen Namen als passionierter Weinmacher und mutiger Unternehmer gemacht. Sein Blick auf die Entwicklungen der Weinwelt ist spannend.

Interview mit François Lurton | Wein-Pionier seit 30 Jahren

Vor 30 Jahren haben Sie sich selbständig gemacht und seither beachtliche Erfolge erzielt. Ihr Unternehmen François Lurton SA produziert mittlerweile Wein auf zwei Kontinenten, in vier Ländern (Chile, Argentinien, Spanien und Frankreich). Was war rückblickend betrachtet Ihr größter Erfolg?

Ich habe viele mutige, wenn nicht gar riskante Schritte gesetzt und - wie bei jedem Unternehmer - sind nicht alle immer gelungen. Der größte Schritt für mich war aber, das etablierte Unternehmen meines Vaters André Lurton zu verlassen, um meine eigenen Projekte zu verfolgen.

Sie haben eine unbändige Leidenschaft fürs Weinmachen. Woher nehmen Sie diese scheinbar unerschöpfliche Energie?

Natürlich wurde mir die Leidenschaft für Wein schon in die Wiege gelegt. Ich glaube, jeder Mensch, der einmal in das Thema Wein eingetaucht ist, bleibt für immer infiziert. Es gibt sehr wenige Produkte auf dieser Welt, die so vielschichtig, lebendig und spannend sind wie der Wein. Es ist ein ständiger Lernprozess und man ist nie fertig. Einfach großartig. Mittlerweile habe ich 150 zuverlässige und ebenso passionierte Mitarbeiter weltweit, zur Erntezeit natürlich mehr. Ohne meine Teams, denen ich wirklich vertrauen kann, wäre das alles nicht möglich.

Wie schaffen Sie es, überall persönlich vor Ort zu sein? Speziell bei der Lese. Oder haben Sie das Zepter komplett Ihren Mitarbeitern übergeben?

Nein, keinesfalls. Aufgrund der unterschiedlichen Vegetationszyklen kann ich bei jeder Lese persönlich vor Ort sein, um die wichtigsten Schritte zu koordinieren. Ich probiere die Trauben von jedem Weinberg, ehe sie gelesen werden. Erst wenn ich entscheide, wird mit dem Ernten begonnen. Im Keller gebe ich die Richtung der Vinifizierung vor, alles Weitere liegt dann bei den Önologen.

Auf Ihren Weingütern sind Nachhaltigkeit und ökologisches Arbeiten seit vielen Jahren Usus. Könnte man Sie als Vorreiter für biologisches Weinmachen bezeichnen?

Das kann man so vielleicht nicht sagen. Es gab Kollegen, die schon vor vielen Jahren mit einer biologischen Arbeitsweise begonnen haben. Aber als wir vor 25 Jahren die ersten Rebflächen in dieser Form bewirtschaftet haben, zählten wir mit Sicherheit zu einer Minderheit. Seit zehn Jahren sind alle meine eigenen Weinberge zu 100% biologisch und darauf bin ich sehr stolz.

Glauben Sie, dass biologischer Weinbau die Zukunft ist?

Ja, meiner Meinung nach auf jeden Fall! Mir ist es auch sehr wichtig, alle Partner und Lieferanten davon zu überzeugen, das gleiche zu tun.

Sie sind auch als großer Sauvignon Blanc Liebhaber bekannt und haben letztes Jahr erfolgreich einen Gin (genannt Sorgin) aus Sauvignon Blanc Trauben kreiert. Was darf man sich noch erwarten?

Ich habe schon sehr lange mit dem Gedanken gespielt Destillate aus Trauben herzustellen. Nachdem ich mit Sauvignon Blanc sehr vertraut bin, lag es auf der Hand, es zuerst mit dieser Rebsorte zu versuchen. Und es ist wirklich ein Erfolg geworden! Mich interessieren auch andere Destillate, wie Wermut oder Brandy. Da wird auf jeden Fall noch mehr folgen.

Neuerdings setzen Sie auch touristische Akzente und haben in den Weintourismus investiert. Auf "Campo Eliseo Rueda" in Spanien werden mittlerweile Weingutsbesichtigungen, Weinproben & Terroir-Erkundungstouren angeboten. Was hat Sie dazu bewogen?

Ich habe immer wieder festgestellt, dass das persönliche Erlebnis vor Ort am prägendsten ist und am längsten in Erinnerung bleibt. Weintrinken wird auch immer mit Emotionen verbunden. Da ist es naheliegend, den Konsumenten auch zu zeigen, wo der Wein wächst und wie er hergestellt wird. Campo Eliseo Rueda in La Seca liegt in der Region Kastilien, die auch als "Brotkorb Spaniens" bekannt ist. Sie bietet nicht nur kulinarisch einiges. Fans von historisch bedeutsamen Plätzen werden hier ebenso fündig.

Wie sehen Sie die Entwicklung der Weinbranche in den letzten 30 Jahren?

Es gibt einfach eine wahnsinnig große Menge an guten Weinen. Das war nicht immer so. In Verkauf und Marketing muss man daher eine sehr klare Positionierung haben, und jeden einzelnen Markt extrem gut kennen. Waren früher vollmundige, alkoholreiche Weine die Lieblinge der Konsumenten, bevorzugen sie heutzutage eher nachhaltig produzierte Weine mit weniger Alkohol.

Wie sehen Sie die Zukunft des Weines?

Ich sehe sie durchaus positiv. Das Interesse am Wein ist nicht gesunken - ganz im Gegenteil! - und durch das Wachstum der Weltbevölkerung erschließen sich neue Märkte. Vor allem in den Ländern, die bisher kaum oder sehr wenig Wein getrunken haben: zum Beispiel China, Indien, oder Afrika. Das wird noch sehr spannend.

Nähere Informationen zu François Lurton und seinen Weinen unter a.schultes@wine-partners.at

Steckbrief François Lurton:
François Lurton repräsentiert die fünfte Generation der Winzerdynastie, die in Bordeaux seit 1897 Wein produziert. Nachdem er sowohl in den Domänen der Familie als auch außerhalb Erfahrungen gesammelt hatte, gründete er gemeinsam mit seinem Bruder Jacques ein Wein-Consulting-Unternehmen, das die beiden in die verschiedensten und spannendsten Weinbauregionen der Welt bringen sollte. Von Moldawien, über Spanien, Portugal und Italien bis nach Australien und nach Mendoza wurden die beiden gerufen, um Weingüter zu beraten.

Schon bald begannen sie, auch eigene Weine in fünf Ländern zu entwickeln: zunächst in Argentinien, später auch in Spanien, in Chile, Australien und Portugal.

2007 trennen sich ihre Wege. François wurde der Hauptaktionär der Gesellschaft, die seither als François Lurton SA firmiert, während Jacques die Projekte in Spanien alleine weiterführte.

Nun veränderte François Schritt für Schritt seine Art Wein zu machen, er stellte alle Weinberge auf biologischen Weinbau um und baute sein Portfolio neu auf. Er trennte sich von den Weinbergen in Portugal, um sich besser auf die Besitzungen in Südamerika konzentrieren zu können.

Mit Dynamik und Kreativität verfolgt François Lurton sein einziges Ziel: auf jedem Weingut einen Wein zu produzieren, der in perfekter Art seine Herkunft ausdrückt. www.francoislurton.com