WEIN
12. Oktober 2014

Sizilien Das Weingut Planeta

Fotos planeta.it

Wein aus Sizilien boomt: Einen großen Anteil daran hat das Familienunternehmen Planeta

Von Patrick Hemminger

Sizilianischer Wein boomt. Vorbei sind die Zeiten, in denen die Insel für billige Massenweine stand. Einen großen Anteil daran hat Planeta - ein Familienunternehmen, das in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiert. Francesca Planeta kümmert sich um das Marketing der sechs Weingüter. "Mein Vater hat damals erkannt, was für ein Potential in den Weinen der Insel steckt", sagt die Mitvierzigerin und streicht die halblangen, blonden Haare aus dem Gesicht und schenkt sich einen Spumante aus eigener Produktion ein. Richtig, einen flaschenvergorenen Schaumwein aus Sizilien - einen, der ähnlich viel Vergnügen bereitet wie ein Franciacorta.

Damals, vor 20 Jahren, gründete die 17. Generation der Planetas, die auf Sizilien verwurzelt sind, die erste Kellerei. Sie pflanzten damals neben einigen einheimischen Rebsorten vor allem internationale wie Merlot, Syrah und Chardonnay. Mit dem Weißwein erregten sie erstmal internationales Aufsehen. Noch immer zählt er mit seinem herrlich ausgewogenen Geschmack nach reifen Pfirsichen, Honig und Marzipan zu den besten Weißweinen Italiens. Inzwischen hat Planeta mehr als 20 verschiedene Weine im Sortiment. Bei allen ist die Frucht perfekt herausgearbeitet, steht die Frische im Vordergrund. Viele haben mit unter zehn Euro einen durchaus alltagstauglichen Preis.

"In den 90ern war der Ruf der sizilianischen Weine schlecht und mit den internationalen Sorten konnten wir den Markt erobern, ohne jemanden zu verschrecken", sagt Francesca. So gelang es den Planetas sozusagen durch die Hintertür, autochthone Sorten wie Nero d'Avola, Frappato oder Nerello Mascalese bekannt zu machen. "Es hat gedauert, aber nach und nach haben die Kunden und auch wir verstanden, was für ein unglaubliches Potential in diesen alten Rebsorten steckt", sagt Francesca. Daraufhin suchte und kaufte die Familie immer mehr Weinberge mit autochthonen Reben.

Die Planetas waren nicht die einzigen, die damals so dachten. Bei einigen Weinbaufamilien auf der Insel herrschte Aufbruchsstimmung. Sie investierten in Weinberge, Kellertechnik und Marketing. Denn dass Böden und Klima auf der Insel beste Bedingungen für den Weinbau bieten, war schon seit 5000 Jahren schon. Damals pflanzten die Griechen dort die ersten Reben. Und gerade heutzutage, in der Zeit der Klimawandels, hat Sizilien einen enormen Vorteil: Viele der besten Weinberge liegen an den Hängen des Ätna auf bis zu 1000 Metern Höhe. Das heißt, die Weine behalten eine animierende Säure, frische Frucht und werden nicht zu alkoholisch - wohingegen an anderen Orten Italiens die Winzer inzwischen Probleme haben, ihre Weine unter 15 Prozent Alkohol zu halten.

Francescas Familie kaufte weiter nicht nur Weinberge sondern auch ganze Kellereien - inzwischen gehören ihr sechs Weingüter mit fast 370 Hektar Reben. "Heute ist die Situation eine komplett andere als damals", sagt Francesca. "Aber dass es so gekommen ist, ist so mutigen Menschen wie meinem Vater zu verdanken, der immer investiert hat - auch wenn er bei jedem neuen Weingut sagte, 'das ist jetzt aber das letzte!'"

Damit ein Weingut Erfolg hat, braucht es aber mehr als Mut - eine gute Homepage zum Beispiel. Bereits bevor planeta.it 2002 online ging, experimentierten die Planetas mit den Möglichkeiten des Internets. "Schon 2002 haben wir ein Video von der Lese ins Netz gestellt. Das war für damalige Verhältnisse ziemlich verrückt", sagt Francesca. Youtube gibt es erst seit 2005, bis dahin waren Filmchen im Netz nur was für Freaks - bei denen kam das Experiment gut an. Deshalb hat das Unternehmen heute einen eigenen Youtube-Kanal und bietet immer wieder Einblicke in Keller und Weinberg.

Für Francesca steckt hinter dem Online-Engagement aber weit mehr als bloße Unterhaltung. "Sizilien ist so abgelegen für Kunden und Touristen, da müssen wir wenigstens im Netz gut erreichbar sein", sagt sie. Das Angebot auf der Planeta-Homepage geht deutlich über das hinaus, was Weingüter sonst bieten, sowohl inhaltlich als auch optisch. Die Seite lädt ein zum Schmökern, Bilder anschauen und träumen. Zudem zeigt sich Planeta auf allen erdenklichen Kanälen im Netz von Facebook über Twitter bis zu Youtube. "Der Gewinn liegt für uns nicht im Finanziellen sondern in der Markenbildung", sagt Francesca.

"Die Menschen haben doch alle ein Geltungsbedürfnis, sie wollen Schauspieler sein oder Schreiber. Im Web 2.0 können sie das und machen damit Werbung für uns." Der Kontakt zwischen Produzenten und Konsumenten ist dadurch unmittelbarer geworden als früher. Lob und Kritik kommen direkt an - damit hat das Unternehmen bislang nur gute Erfahrungen gemacht, sagt Francesca.

Sie kann sich deshalb vorstellen, die Präsenz im Netz noch auszubauen. Nur eines will Planeta auf seiner Seite nie tun: Wein verkaufen. Die Familie will Weinhändlern keine Konkurrenz machen. "Diese Menschen haben uns geholfen, groß zu werden und sie haben uns über viele Jahre die Treue gehalten", sagt Francesca. "Denen fallen wir doch jetzt nicht in den Rücken und verkaufen den Wein ohne sie."

Patrick Hemminger schreibt für die WEINWELTEN