Wege aus der Krise im Papa Rhein Nils Henkel und Jan Bolland

Wie nutzen Sie die viele Zeit? 

Nils Henkel: Wie alle anderen Kollegen auch mussten wir unseren Betrieb, das Papa Rhein Hotel mit dem Restaurant Bootshaus, aufgrund des Lockdowns komplett schließen. Und das nach nur drei Monaten Betrieb nach der Eröffnung. Im November haben wir die Zeit genutzt und haben noch viele Kleinigkeiten im neuen Haus optimiert, die Mitarbeiter geschult, weitergebildet und hatten noch die stille Hoffnung auf ein Weihnachtsgeschäft, in welcher Form auch immer.

Mittlerweile sind die meisten Mitarbeiter in Kurzarbeit. Ich persönlich nutze die Zeit und schreibe an einem neuen Kochbuch und freue mich natürlich auch über Zeit mit meiner Familie. Dennoch ist zu viel Zeit frustrierend und ich vermisse die Arbeit mit meinem Team in der Bootshausküche und natürlich unsere Gäste.

Haben Sie das Restaurant komplett renoviert, schulen Sie die Mitarbeiter, entwickeln Sie neue Konzepte?

Nils Henkel: Wir haben unser Hotel Ende Juli mit einer PreOpening-Phase eröffnet, während noch die Handwerker im Haus waren, um beispielsweise den Spa-Bereich fertigzustellen. Danach sind wir mehr und mehr überrannt worden, viele Gäste waren neugierig und hatten Sehnsucht nach ein paar Tagen Auszeit. Mit dem zweiten Lockdown haben wir die Zeit genutzt, um alle Bereiche komplett fertigzustellen. Die Außenanlagen sind angelegt worden und die letzten baulichen Maßnahmen wurden abgeschlossen. Wir haben die drei Öffnungsmonate analysiert, haben die Abläufe überarbeitet und die Standards optimiert. Gerade am Anfang gibt es viele Situationen, aus denen man lernen kann, um das Team zu stärken und das Konzept weiterzuentwickeln.

Falls Sie Take-Away-Angebote entwickelt haben: Können diese die Umsatzverluste ausgleichen und somit zum Überleben der Gastronomie beitragen? Oder geht es mehr um die Motivation des Teams?

Nils Henkel: Wir haben uns entschieden, kein Take-Away-Konzept aufzubauen. In erster Linie leben wir ja von Hausgästen und im Bootshaus Restaurant hatten wir nicht genug Zeit, um uns ein Stammpublikum aufzubauen, mit dem ein Take-Away Sinn gemacht hätte.

Haben Sie Corona-Hilfen beantragt und wenn ja: Waren Sie zufrieden mit Umfang und Abwicklung?

Jan Bolland: Das Papa Rhein – Hotel & Spa ist ein im August 2020 eröffnetes Lifestyle-Resort mit 114 Zimmern und Suiten direkt am Kulturufer in Bingen am Rhein. Die Gestaltung und Konzeption des außergewöhnlichen Hotel-Unternehmens wurde bereits vor der Eröffnung mit dem „Innovationspreis für Tourismus“ ausgezeichnet. Insgesamt wurden mit dem Co-Investor „Invite Group“ mehr als 22 Mio Euro in das Projekt investiert. Nach nur 3 Monaten Betreibung musste das Hotel am 31. Oktober wieder seine Türen schließen. Gerade für ein so junges Unternehmen ist dies wirtschaftlich kaum darstellbar. Gerade die Anfangsjahre sind in der Businessplanung neuer Hotelunternehmen äußerst knapp – wenn nicht gar defizitär – kalkuliert.

Bis heute hat das PAPA RHEIN leider noch keine der finanziellen Unterstützungen aus den Regierungsprogrammen erhalten. Entgegen der Zusagen Anfang November, dass schnelle und unbürokratische Hilfen stattfinden würden, ist genau das Gegenteil eingetreten: Die Regierung hat nun schon mehrfach die Bedingungen für die in Aussicht gestellten finanziellen Beiträge nachträglich zu Ungunsten der Unternehmen angepasst. Darüber hinaus sind die vermeintlich fairen Unterstützungen dabei ausgehöhlt, begrenzt und so verändert worden, dass die Förderungen sehr viel geringer ausfallen – wenn sie dann überhaupt gezahlt werden. Erst seit kurzem ist die Beantragung überhaupt möglich.

Einzig das Kurzarbeitsgeld wurde bislang bezahlt, wobei wir im Monat November unserem Team noch das volle Gehalt gezahlt haben und daher erst seit Dezember Anspruch auf das Kurzarbeitsgeld haben. Leider ist das für die Gastronomie und Hotellerie festgelegte Kurzarbeitsgeld (im Vergleich zur Luftfahrt) auch für einen nun so langen Zeitraum viel zu gering. Auch das ist ganz und gar nicht in Ordnung.

Ich persönlich bin massiv enttäuscht von dem Krisenmanagement unserer Regierung. Ich hätte nie für möglich gehalten, dass die politische Führung eines so angesehenen Wirtschaftsstandorts wie Deutschland derart versagen würde. Das Hin und Her der Regelungen rund um die Wirtschaftshilfen und die Diskrepanz zwischen dem, was die Politik in den Medien verspricht und dem, was dann umgesetzt wird, ist ein einziges Chaos. Wir erleben dies gleichermaßen in den anderen Schwesternhotels der Invite Group. Was hier geschieht, ist nicht in Worte zu fassen und wird den betroffenen Branchen nachhaltigen Schaden zufügen.

Glauben Sie, dass die weltweite Pandemie das Essengeh-Verhalten nachhaltig verändern wird? Meinen Sie, dass die Nachfrage nach Take-Away-Angeboten bleibt oder werden die Menschen eher verstärkt in die Restaurants strömen?

Nils Henkel: Ich bin mir sicher, dass die Menschen nach dem Lockdown unbedingt wieder Restaurants und Hotels besuchen möchten. Ich glaube, die Sehnsucht auszugehen und sich ein paar Tage Auszeit zu nehmen, wird stärker denn je sein. Daher hoffen wir sehr, dass wir im Frühling wieder öffnen dürfen und die verlorene Zeit ein bisschen aufholen können. Wir haben ja ein sehr entspanntes Restaurantkonzept mit lässigen, aber hochwertigen Gerichten und tollen Weinen aus den vier angrenzenden Anbaugebieten. Die Location hier am Rheinufer ist spektakulär, wir haben großzügige Terrassen und ein sehr gemütliches Restaurant. Dazu kommt das Hotel mit einem jungen und sehr individuellem Ambiente und einem weitläufigen Spa-Bereich. Ich bin mir sicher, dass wir gerade nach dieser düsteren Zeit die Gäste für uns gewinnen können.

Mehr Mutmach-Interviews:

Wege aus der Krise mit Bobby Bräuer

Wege aus der Krise mit The Good Taste