WEIN
11. September 2011

Wein aus Brandenburg

Klosterhof Töplitz und Werderaner Wachtelberg

Das Land Brandenburg ist ein kleines, aber zunehmend feines Weinanbaugebiet. Die Winzer werden professioneller und dürfen nun auch Trauben im eigenen Keller keltern. Das Angebot ist im Vergleich mit den klassischen Weinländern natürlich verschwindend klein, hat mit dem Gütesiegel «Made in Brandenburg» aber auch schon viele Liebhaber gefunden.

Am Freitag wurde in Werder/Havel (Potsdam-Mittelmark) ein neues Kapitel märkischer Weinbaugeschichte aufgeschlagen. Nach der Lese im Ortsteil Töplitz kann Winzer Klaus Wolenski sein Können zeigen und selbst Qualitätswein erzeugen.

Das Wetter hat die märkischen Weinanbauer bei weitem nicht so hart getroffen wie andere Agrarbereiche. Die Landwirte melden zumeist fast leere Scheunen und die Obstbauern kaum halb volle Kisten. Trotz des Dauerregens der vergangenen herrscht bei den Winzern Zuversicht vor. «Wir hoffen, dass wir noch mit einem blauen Auge davon kommen», beschreibt Manfred Lindicke vom Werderaner Wachtelberg zum Beginn der Lese die Situation. Bei der permanenten Feuchtigkeit fingen allerdings die Trauben langsam an, an den Reben zu faulen.

Im vergangenen Jahr verlor Lindicke dadurch zwei Drittel seines Ertrages. «In diesem Jahr erwarten wird eine normale Ernte - zwischen 50 und 60 Tonnen», berichtet der größte Winzer im Land. Das entspreche etwas 50 000 bis 60 000 Flaschen, zur Hälfte Rot- und Weißwein. Die märkischen Weinbauern sind den klassischen Anbaugebieten in Sachsen-Anhalt und Sachsen angegliedert. Die hier gelesenen Trauben werden dort auch gekeltert. Der Wein vom Wachtelberg wird nach Bad Kösen gebracht und dort zum Qualitätswein ausgebaut.

In der Mark wird nun aber auch Wein in eigenen Kellern vergoren. Als erster Winzer kann das Töplitzer Weingut Klosterhof Qualitätswein selbst erzeugen. Das Angebot soll in Bioqualität auf den Markt kommen, kündigt das Agrarministerium in Potsdam an.

Für den Ausbau im Weingut ist eine Verwaltungsvereinbarung mit dem Land Sachsen-Anhalt erforderlich, berichtet Peter Schubert vom Ministerium. An der Neugestaltung wird im Moment gearbeitet. In Töplitz stehen auf 2,6 Hektar Reben der Weißweinsorten Bacchus, Riesling, Weißburgunder, Grauburgunder sowie Rotweine wie Regent und Saint Laurent. Weinanbau hat in Brandenburg in den vergangenen Jahren viele Liebhaber gefunden. Es entstanden neue Weinberge in vielen Regionen des Landes.

Auf dem Werderaner Wachtelberg hat Lindicke Reben auf 6,2 Hektar stehen. Er will expandieren. Dafür sollen 1,2 Hektar des Galgenbergs genutzt werden. «Im Mittelalter stand dort mal ein Galgen. Es soll aber keiner gehängt worden sein», beschwichtigt der Winzer. Nach Angaben des Ministeriums hat das Land das Recht, auf insgesamt 30 Hektar Weinanbau zu betreiben. Aktuell stünden auf 22 Hektar Reben. 20 Bauern und Vereine kümmern sich laut Schubert zumeist als Freizeit- und Hobbywinzer um märkischen Rebstöcke. dpa

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