WEIN
23. Februar 2011

Wein aus Israel

Koschere Tropfen: Im israelischen Weinbau hat eine Revolution stattgefunden - Israel auf der ProWein

Wein aus Israel galt lange Zeit als mittelmäßig oder gar ungenießbar. «Die billigsten Weine in europäischen Supermärkten kamen von hier», sagt Daniel Rogov, Israels führender Weinkritiker.

Niemals hätte der Journalist der Tageszeitung «Haaretz» eine israelische Weinflasche zum Vergnügen geöffnet. «Viel zu süß», winkt der Kritiker ab. Doch seit die Weingüter ihre Winzer im Ausland ausbilden lassen und nur die besten Reben für ihren Wein verwenden, hat sich einiges verändert.

Zahlreiche Experten loben mittlerweile das Weinland Israel. «Israel hat den Dreh hin zu hochwertigen Qualitätsweinen geschafft», schreibt der Wein-Papst, Robert Parker, in seinem monatlichen Expertenblatt «Wine Advocate». Ganze 40 Weine aus dem Heiligen Land hat Parker für gut befunden. 14 von ihnen gab der Kritiker über 90 von 100 Punkten.

«Unser Wein schmeckt heute mediterran», erklärt Adam Montefiore den Erfolg. Der Direktor für Weinentwicklung auf Israels größtem Weingut, «Carmel» in Galiläa, vermeidet ganz bewusst den Begriff «Naher Osten». «Das klingt nach Problemen, Politik und Selbstmordattentätern», meint der Experte. «Bei mediterran denken die Menschen an Olivenöl, gutes Essen und vorzüglichen Wein.» Und davon gibt es in Israel inzwischen mehr als genug. 200 Betriebe füllen jährlich über 36 Millionen Flaschen ab, so das israelische Institut für Export in Tel Aviv.

Den Erfolg hat bei «Carmel» die Abkehr von der Massenproduktion gebracht. 15 Millionen Flaschen verlassen jedes Jahr das Weingut. Vor wenigen Jahren waren es noch doppelt so viele. «Wir haben die Menge reduziert, um besseren Wein zu machen», sagt Montefiore. Das 1882 von Baron Edmond Rothschild gegründete Traditionsunternehmen setzt jetzt auf Klasse statt Masse. Der Yatir Forest , Jahrgang 2003, von «Carmel» gilt international als Spitzenwein.

Hinzu kommt, dass eine neue Generation von Weinbauern Erfahrung auf der ganzen Welt gesammelt hat. Die drei Winzer des zweitgrößten Produzenten «Barkan» östlich von Tel Aviv beispielsweise gingen in Australien, Frankreich und den USA in die Lehre. «Israels Weinbauern greifen auf internationales Wissen zurück», sagt die Barkan-Winzerin Irit Boxer.

Und so stieg 2010 auch Israels Weinexport ins Ausland um fast 30 Prozent auf 21 Millionen Euro. Über die Hälfte landet nach Angaben des Instituts für Export dabei in amerikanischen Läden. Deutschland liegt nach Frankreich und Großbritannien auf Platz vier. Auf der «ProWein» in Düsseldorf stellen im März dieses Jahres erstmals zehn israelische Weingüter ihre Produkte vor, so viele waren es noch nie.

Eine Besonderheit des israelischen Weines ist jedoch geblieben: Nach wie vor sind 95 Prozent der Weine koscher, also nach den jüdischen Speisegesetzen hergestellt. «Trotz anhaltender Bedenken des Auslands hat das keinerlei Einfluss auf die Qualität», sagt Weinkritiker Rogov. Nach Expertenmeinung gibt es keinen Widerspruch zwischen koscher und exzellenten Weinen. «Völlig irrelevant», urteilt auch Weinpapst Robert Parker.

Weit problematischer als der Koscher-Stempel auf dem Etikett ist für das Ausland jedoch die Herkunft mancher israelischer Tropfen. Ein schwedischer Großhändler versah beispielsweise 2006 jeden Wein vom Golan mit dem Hinweis: «Israel - besetztes syrisches Gebiet.» Victor Schoenfeld, ein kalifornischer Weinbauer der «Golan Heights Winery», kann das nicht verstehen. «Der Golan ist doch israelisches Staatsgebiet», wundert sich der Weinbauer. Israel hatte die Golan-Höhen während des Sechstage-Krieges im Juni 1967 besetzt und 1981 annektiert.

In der Zwischenzeit sorgt sich Weinkritiker Daniel Rogov um ganz andere Dinge. «Die Israelis trinken nicht genug Wein», meint der Experte. Lediglich sieben bis acht Liter schafft ein Israeli durchschnittlich pro Jahr. «Bei der derzeitigen Weinproduktion», warnt Rogov, «viel zu wenig.» (Hannes Vollmuth, dpa)

Zu Nikos Bewertungen israelischer Weine

Zu Wein aus der Türkei

ProWein 2011: Das Weinland Israel präsentiert sich

Die israelische Qualitätsoffensive geht weiter und das internationale Interesse an Weinen aus Israel wächst rasant. Eine Folge davon: Vom 27. bis 29. März 2011 präsentieren sich auf der weltgrößten Weinfachmesse ProWein an dem erstmals gemeinsam vom Israel Export Institute (Tel Aviv) und dem Israel Trade Center (Berlin) organisierten Stand insgesamt 10 Weingüter. Neben den bekannten Spitzenerzeugern sind auch die führenden Boutique- und Familienweingüter des Landes vertreten. Spezielle Verkostungen laden an allen Messetagen zu einer Entdeckungsreise in eines der faszinierendsten Weinländer der Gegenwart ein.

"Israel hat den Dreh hin zu hochwertigen Qualitätsweinen geschafft und hat es verdient, von Weinfreunden in aller Welt als Weinland wahrgenommen zu werden." Dieser Satz, der anlässlich der ersten großen Israel Verkostung in Robert Parkers Wine Advocate zu lesen war, reift immer mehr zu Erkenntnis in der modernen Weinwelt.

Der Weinbau Israels hat in den letzen Jahren eine technologische Revolution erlebt. Die Zeiten, in denen die israelischen Winzer vorrangig schwere und süße Rotweine für religiöse Zwecke herstellten, sind lange vorbei. In Düsseldorf präsentieren sie sich als eine neue, junge Generation mit einer weltoffenen und modernen Sicht auf einen Weinbau, bei dem längst nicht mehr alles koscher sein muss.

Die israelische Weinrevolution begann in den frühen 1980ern. Der sich rasant entwickelnde Markt rief motivierte Investoren auf den Plan, die damit begannen, den Weinbau überall in Israel wieder zu beleben. Inzwischen gibt es rund 200 Weingüter der unterschiedlichsten Größe. Die Winzer und Kellermeister studieren an den international führenden Ausbildungsinstituten in Europa, den USA und Australien. Die Kellertechnik ist auf höchstem internationalem Standard. Dank der innovativen israelischen Bewässerungstechnik kommen selbst aus den Anbaugebieten in der Negev-Wüste eindrucksvolle Weine.

Auf dem israelischen Stand (Halle 6/ Stand 21) auf der ProWein 2011 in Düsseldorf sind folgende Weingüter vertreten: Avidan Winery, Binyamina Winery, Galil Mountain Winery, Golan Heights Winery, Margalit Winery, Recanati Winery, Teperberg 1870 Winery, Tishbi Estate Winery, Tulip Winery, Vitkin Winery. Darüber hinaus präsentiert das Israel Export Institute an allen Messetagen kommentierte Verkostungen, bei denen das Weinland Israel in seiner bis in biblische Zeiten zurückreichenden Historie, seinen geographischen und klimatischen Besonderheiten und seiner beeindruckenden Rebsortenvielfalt vorgestellt wird.

Das Weinland Israel präsentiert sich 2011 zum vierten Mal auf der Fachmesse ProWein in Düsseldorf vom 27. bis 29.3.2011. Am israelischen Stand 21 in Halle 6 werden unter anderem die Weingüter Binyamina, Galil Mountain, Golan Heights, Recanati, Tishbi und Vitkin vertreten sein. Die Der Auftritt auf der ProWein wird vom Israel Export Institute, Tel Aviv in Kooperation mit dem Israel Trade Center, Berlin organisiert.

wines-israel.com