08. September 2017

Weingut Cusumano in Sizilien Alta Mora am Vulcano Buono

"Cool climate"-Weine vom Vulkan Ätna: Das von den Brüdern Alberto & Diego Cusumano geführte Weingut mit Sitz nahe Palermo hat sich in nur wenigen Jahren in die Spitze der sizilianischen Weingüter hochgekeltert.

Die Phönizier waren da, die Griechen, die Karthager, die Araber. Es gehörte mal den Normannen, dem König von Aragonien und zu Österreich. Von allen italienischen Regionen bietet Sizilien die wohl abwechslungsreichste Geschichte und größte Vielfalt. Ein kultureller Schmelztiegel mit jahrtausendealter Weingeschichte. Mögen die knapp 50 Jahre "Cusumano" da vergleichsweise winzig wirken, so gehört das Weingut mit seinen über 500 ha Rebfläche (in verschiedenen Provinzen) zu den Großgrundbesitzern auf Sizilien. Zuhause sind die Cusumanos in der Nähe der faszinierenden Hauptstadt Palermo, also im Nordwesten der Insel. Obwohl die Familientradition im Weinbau mehrere Generationen zurückreicht, kam es erst Anfang der 2000er zur Gründung eines eigenen Weinguts.

Weingut Cusumano in Sizilien | Alta Mora am Vulcano Buono

Diego (Stratege & Logistiker) & Alberto Cusumano (Önologe & Kellermeister) waren sich sicher: Nur so können wir genau den Wein produzieren, den wir wollen. Ihr Erfolgsrezept liegt zum einen in einer Rückbesinnung auf alte, einheimische Rebsorten wie Grillo und Carricante für die Weißen sowie Nero d'Avola und Nerello Mascalese für die Roten. Zum anderen in ihrer ultramodernen Kellerei in Partinico, die es ermöglicht, die Rebsorten- und Bodentypizität mit großer Präzision zu bewahren bzw. herauszukitzeln. Neben ihren Weinbergen aus der Provinz Palermo gilt vor allem einem Projekt die leidenschaftliche Hingabe der Cusumanos: dem Ätna-Wein und ihrem "Alta Mora".

Übersetzt bedeutet der Name so viel wie "hoch(gelegen) und dunkel" und bezieht sich auf die bis unglaubliche 1000 Meter hohen Weinberge mit vulkanischen Böden aus Lava, Asche, Sand und schwarzem Basaltgestein. Sie liefern den Rebstöcken Mineralien wie Eisen, Kupfer und Magnesium und prägen gemeinsam mit dem durch die Hochlage bedingten "cool climate" die individuelle Stilistik der Weine mit einer faszinierenden trinkanimierenden Frische, einer prägnanten Mineralität und kühlen Eleganz. Dass sich die Cusumanos überhaupt für die immerhin gut 200 km von der eigenen Kellerei entfernten Weinberge am Ätna interessierten, lag zunächst an einem einzelnen, ca. 7 Hektar großen Weinberg namens Guardiola.

Als veritables Hochgewächs bot dieser Weinberg die ultimative Grundlage des "Cru"-Gedankens, nämlich einen Terroir-Wein mit höchstem Anspruch zu produzieren. In mühevoller Kleinarbeit wurde am Nordhang des riesigen Vulkankegels Terrassen und Trockenmauern angelegt und mit Nerello Mascalese bepflanzt. Bei keinem anderen Weinberg oder Wein kommt Diego so ins Schwärmen: "Wir hatten die seltene Gelegenheit, am Ätna 15 Hektar zu erwerben, davon allein sieben Hektar in der Lage Guardiola. Dieses Terroir ist absolut einzigartig, geradezu extra-terrestrisch." Die Sizilianer nennen den Ätna "il vulcano buono", der gute (gutmütige) Vulkan. Mit den Alta Mora-Weinen bekommt dieser Ehrentitel noch mal eine ganz andere Bedeutung.

Weingut Cusumano in Sizilien | Alta Mora am Vulcano Buono

2016 "Shamaris" Grillo Sicilia DOC

Die aus der Gegend um Monreale stammenden Trauben (100% Grillo) wurden in der ersten Septemberhälfte händisch geerntet und im Edelstahltank vergoren. In der Nase zeigen sich neben Noten von Pfirsich, Nektarine und Melone Anklänge von Orangenblüten, Haselnuss und Mandel. Am Gaumen zitrusfrisch und saftig mit zartem Säurespiel.

Grillo

Mit seiner ersten Erwähnung im Jahre 1873 ist der Grillo ein Grünschnabel unter den sizilianischen Rebsorten. Langjährige Vermutungen, dass die auch als Rossese Bianco in Ligurien (!) angebaute Sorte aus Apulien stammt, wurden durch eine DNA-Analyse widerlegt. Nach der handelt es sich um eine natürliche Kreuzung von Catarratto Bianco Lucido x Muscat d'Alexandrie. Früher war sie die Grundlage für den Marsala. In den 1980ern ging die Rebfläche um die Hälfte bis auf gute 2000 ha zurück. Seit einigen Jahren steigt die Beliebtheit wieder: 2010 wurden auf Sizilien ca. 6.300 ha mit Grillo bepflanzt. Typisch für die im Vergleich zur Inzolia weniger ertragreiche Rebsorte sind vollmundige Weine mit ausgeprägter Zitrusnote und leichter Adstringenz.

2016 "Disueri" Nero d'Avola Sicilia DOC

Der nach einem kleinen See nahe der Küstenstadt Gela benannte Wein ist ein sortenreiner Nero d'Avola. Mit urtypischem Duft nach Kirschen, Himbeeren und Cassis sowie Nuancen von Veilchen und Kräutern. Mit gutem Zug zum Gaumen. Lebendig und frisch mit schöner Tanninstruktur.

Nero d'Avola

Der "Schwarze von Avola" (Avola ist ein kleiner Ort an der Südostküste Siziliens) ist quantitativ und qualitativ Siziliens wichtigste Rotweintraube. Erste urkundliche Erwähnung 1696 durch den Botaniker Francesco Cupani, der die Rebsorte mit "Calavrisi" bezeichnete. Aufgrund des weit verbreiteten Synonyms "Calabrese" ging man lange von einer Herkunft des Sizilien gegenüber liegenden Kalabrien aus. Calabrese ist allerdings eine Italienisierung der alten sizilianischen Dialektbezeichnung "Calaurisi" und bedeutet "Aus Avola stammende Traube". Die spät reifende Rebsorte besitzt eine hohe Hitzeresistenz und zeigt nur in extremen Sommern Trockenstress. Die Weine sind farbintensiv, tanninreich und alkoholkräftig mit gutem bis sehr gutem Alterungspotenzial. Übrigens: Früher hatte der Nero d'Avola einen Nebenjob als Teinturier-Traube bei toskanischen und piemontischen Rotweinen.

2016 "Alta Mora" Etna Bianco DOC

Carricante zeigen! Das gelingt diesem im Edelstahl vergorenen Wein in sehr geschmackvoller Weise. Die Trauben, neben dem Carricante sind auch noch Catarratto und Minella Bianca im Spiel, stammen von Weinbergen am Ost- und Nordosthang des Ätnas. Der Wein zeigt sich trinkanimierend frisch mit Noten von Grapefruit, reifem Kernobst und floralen-kräutrigen Beiklängen. Am Gaumen mit wohligem Mundgefühl und geschliffener Mineralität. Carricante eben.

Carricante

Der Carricante, der diesen Wein vornehmlich prägt, ist die Hauptsorte der weißen Ätna-Weine. Kein Wunder, ist sie doch wie erfunden für vulkanische Böden. Bei der als autochthon geltenden Rebsorte handelt es sich gemäß einer DNA-Analyse aus dem Jahr 2010 um eine natürliche Kreuzung aus dem roten Montonico Pinto und dem weißen Scacco. Der Name dürfte auf den Ertragreichtum der Sorte zurückgehen: caricare = beladen, aufbürden. Die gerade mal 200 ha Rebfläche befinden sich hauptsächlich in der Provinz Catania.

2015 "Alta Mora" Etna Rosso DOC

Die Heimat des ausschließlich aus Trauben der traditionsreichen sizilianischen Sorte Nerello Mascalese gewonnenen Weins sind 600 bis 800 m hoch gelegene Weinberge am Nordhang des Ätnas. Die Gärung erfolgte im Edelstahltank, der Ausbau im großen Holz (6 Monate). Einladendes Bukett mit Aromen Sauerkirsche, Schwarzkirsche, dunklen Beeren mit würzigen Beiklängen. Am Gaumen leicht balsamisch mit schöner Balance aus Frische, Kraft und Volumen. Engmaschige Textur, griffige Tannine, gute Länge.

2013 "Alta Mora Guardiola" Etna Rosso DOC

In der Nähe des kleinen Weinörtchens Randazzo am Nordhang des Ätnas haben Diego & Alberto Cusumano ein wahres Filetstück entdeckt und erwerben können. Bevor der "Guardiola" seine Stärken als "Grand-Cru-Lage" ausspielen konnte, wurde der 7 ha große Weinberg terrassiert, mit unglaublichem Aufwand mit Trockenmauern versehen und mit Nerello Mascalese-Trauben bepflanzt. Die Stilistik des Guardiolas wird zum einen beeinflusst durch die Höhe des Weinbergs (600 bis 1000 m) und die für sizilianische Verhältnisse ausgesprochen kühle Lage und - na klar - durch die vulkanischen Böden aus Lava, Bimsstein, Basalt, Asche und Sand. Sie versorgen die Pflanzen reichlich mit Eisen, Kupfer, Magnesium und diversen Mineralien. Für den Guardiola werden nur die besten Trauben in händischer Auslese verwendet. Der Ausbau erfolgt im großen Holzfass (2500 Liter) und in Tonneaux (900 Liter). Ein Wein mit komplexer Frucht, feinem Säurespiel und schöner Tanninstruktur.

Die Weine sind unter anderem im Weinladen Schmidt erhältlich