Wein
21. November 2014

Weinland Württemberg Rotweine im Test

Fotos: Faber & Partner/WWG

Spitzen-Rotwein für die kommenden Festtage war gesucht: Von den Juroren des Württemberger gab es viel Beifall, aber gelegentlich wurden die Daumen auch gesenkt

Irgendwann in der Mitte der Verkostungsrunde wurde Martin Konzmann von der Remstalkellerei nachdenklich: «Ich kann mich an eine Verkostung vor 20 Jahren mit internationalen Rotweinen erinnern, bei der ich gedacht habe, dass wir in Württemberg davon sehr weit weg sind. Aber nach dem, was wir heute probieren, muss ich sagen: Das können wir auch.»

Die Verkoster: Rudolf Knoll, Redakteur Württemberger, Dominic Götz, Kellermeister der Weingärtnergenossenschaft Dürrenzimmern-Stockheim, Thorsten Klimek, stellvertretender Kellermeister, Weingärtner Bad Cannstatt, Hans-Georg Schiller, Geschäftsführer der Felsengartenkellerei Besigheim in Hessigheim und Martin Konzmann, Kellermeister der Remstalkellerei, Weinstadt-Beutelsbach (Foto: Faber & Partner)

In der Tat verdienten eine Reihe der Anstellungen (alle trocken ausgebaut) das Prädikat «erstklassig». Die Bemühungen der letzten Jahre in den Weingärtnergenossenschaften haben sich ausgezahlt. In den Weinbergen werden die Erträge teilweise drastisch beschränkt, selbst bei Sorten wie dem Trollinger. Es mag zwar alten Wengertern immer noch in der Seele wehtun, wenn sie vor der Ernte Trauben abschneiden und auf den Boden fallen lassen oder Trauben halbieren. Aber diese Reduzierung zahlt sich qualitativ ebenso aus wie die zusätzliche Selektion am Stock. Während früher schon mal etwas fragwürdige Trauben mit in die Bütten wanderten, kommt es heute auf die Gesundheit der Beeren an.

Damit haben die Kellermeister eine wichtige Voraussetzung, um überzeugende Weine zu machen. Der Ehrgeiz dazu ist fast überall vorhanden. Die hervorragende Ausbildung der Verantwortlichen im Keller, Blicke über den eigenen Tellerrand und der intensive Erfahrungsaustausch untereinander tragen ebenfalls dazu bei, dass auch Kenner diesen Weinen (bei denen im Ausbau überwiegend Barriques mit im Spiel waren) aus Württemberg Respekt zollen.

Angefordert waren Rebsortenweine und Cuvées, die als herausragend in der Qualität anzusehen sind und vor kritischen Verkostern bestehen. 

Die Verkostung:

2012 Portugieser Alte Reben Weingärtner-Zentralgenossenschaft Möglingen: Ein ungewöhnlicher, hochwertiger Portugieser, ausgebaut im klassischen großen Holzfass. Düfte von Feigen, Pflaumen und Vanille im Aroma, elegant, viel Tiefgang. Hier wurden die Möglichkeiten der Sorte ausgereizt. «Ein schöner Charakter», urteilt Dominic Götz. 11,30 Euro

2011 Schwarzriesling «Josua» Lauffener Weingärtner: Kräuter und Zedernholz im Aroma; fülliger Wein mit reifen Gerbstoffen, jetzt auf dem Zenit, in nächster Zeit trinken. «Dicht und sortentypisch», notiert Thorsten Klimek. 15 Euro

2012 Spätburgunder Metzinger Hofsteige Weingärtnergenossenschaft Metzingen-Neuhausen: Klare, typische Burgundernase; elegant, Spiel, guter Druck, hat Lagerpotenzial, sehr feinfühlig mit neuem Holz gearbeitet. «Feurig, aber könnte etwas kräftiger sein», lobt Hans-Georg Schiller den eher zarten Wein. 15 Euro

2012 Spätburgunder Fellbacher Lämmler «P» Fellbacher Weingärtner: Zarte, etwas verhaltene Frucht im Bouquet; eleganter, würziger Burgunder, noch jugendlich straff, kann warten. «Viel Cassis, ausgewogen», urteilt Martin Konzmann. 19,50 Euro

2011 Spätburgunder Réserve Collegium Wirtemberg, Stuttgart: Wein aus der Edellinie des Collegiums. Viel typische, animierende Johannisbeerfrucht im Duft; saftig, komplex, fest strukturiert. «Ein richtig schöner Burgunder», meint Dominic Götz. 19 Euro

2012 Frühburgunder Remstalkellerei, Weinstadt-Beutelsbach: Viel Kräuter, ein Hauch Bitterschokolade im Duft; saftiger, noch frischer Wein, wirkt jugendlich herzhaft, hat aber Stil, braucht noch etwas Zeit, steht ganz am Anfang. Für Thorsten Klimek «toller Wein, super Nase». 17,85 Euro

2012 Merlot «Divinus» Weingärtnergenossenschaft Dürrenzimmern- Stockheim: Zurückhaltende Frucht im Aroma; würzig und saftig, gut strukturiert, hat Trinkfluss und präsentiert sich schon recht offen. «Hat Potenzial», meint Hans-Georg Schiller. 19 Euro

2012 Merlot «Epos» Weingärtner Stromberg-Zabergäu, Brackenheim: Feiner, animierender Waldbeerenduft, elegant, geschmeidig, gut gereifte, angenehme Gerbstoffe. «Klasse gemacht», notiert Martin Konzmann. 16,66 Euro

2012 Merlot Esslinger Schenkenberg Weingärtner Esslingen: Warme Fruchtaromatik; saftig, Spiel, feingliedrig. «Viel Waldfrucht, sehr intensiv», hält Thorsten Klimek fest. Wurde im großen Holzfass ausgebaut. 12 Euro

2011 Merlot Fellbacher Lämmler «P» Fellbacher Weingärtner: Schöne, ausdrucksvolle Kirschnote im Duft; saftiger Wein mit ausgewogener Fülle und Spiel; ausdauernd im Abgang. «Komplex, sehr gut eingebundenes Holz», urteilt Dominic Götz. 13,50 Euro

2011 Merlot «Die jungen Wilden» Heuchelberg Weingärtner, Schwaigern: Gereift im klassischen Holzfass. Duft nach Waldbeeren; geschmeidig, saftige Frucht, gut gereifte Gerbstoffe, kraftvoll strukturiert. «Edelherbe Schokolade», ist ein Eindruck von Hans-Georg Schiller. 8,93 Euro

2012 Lemberger «Signum I» Weingärtner Stromberg-Zabergäu, Brackenheim: Feine, typische Brombeere im Bouquet; feinmaschig, sehr ausgewogen, Lemberger mit viel Tiefgang. «Klasse Frucht, füllig», notiert Martin Konzmann. 20,23 Euro

2012 Lemberger Esslinger Schenkenberg «Abt Fulrad» Weingärtner Esslingen: Hat 15 Monate im neuen Holz hinter sich. Duft nach Waldbeeren; weich, rund, füllig, schöner Trinkfluss, im Abgang wird auch feines Säurespiel spürbar; schon gut entwickelt. «Dicht, macht Spaß», lobt Thorsten Klimek. 19 Euro

Lemberger *** Weinmanufaktur Untertürkheim: Delikate Brombeeraromen, ein Hauch Zedernholz, Tabak; schöne Fülle, würzig, viel Feuer und Tiefgang, hat immer noch Reserven. «Gerbstoffe schön eingebunden », freut sich Dominic Götz über die Harmonie. 27 Euro

2011 Lemberger Schwaigerner Grafenberg Heuchelberg Weingärtner: Kräuter und Beeren im Duft; geschmeidig, weiche Gerbstoffe, kein alkoholisches Leichtgewicht. Martin Konzmann ist vom Aroma angetan: «Klasse, Vanille und Brombeeren.» 16,07 Euro

2011 Lemberger «Unchained» Grantschen Weine: Intensive, animierende Brombeernase; saftig, Spiel, ungemein würzig und herrlich gradlinig, noch Potenzial, jung. Wurde unfiltriert gefüllt. «Angenehme Tannine» sind für Hans-Georg Schiller ein Pluspunkt. 24,95 Euro

2009 Lemberger Rohracker Lenzenberg Weingärtnergenossenschaft Rohracker: Nach zwei Jahren Reifung in Barriques hat sich der Wein aus terrassierten Steillagen sehr gut entwickelt und ist immer noch gut in Form: schwarze Beeren im Duft; saftig, ausgewogene Fülle, viel Herz. «Jetzt trinken», empfiehlt Thorsten Klimek. 13,40 Euro

2012 Edition «QP» Remstalkellerei, Weinstadt-Beutelsbach: Kräuter und Mandeln im Aroma; würzig, kräftig, saftig, guter Trinkfluss. «Noch etwas gerbstoffbetont», merkt Dominic Götz an. 23,80 Euro

2012 «Divinus» Cuvée «P» Weingärtnergenossenschaft Dürrenzimmern-Stockheim: Rauch, Leder und Tannennadeln im Aroma; würzig, komplex, sehr feurig, internationaler Stil. Martin Konzmann macht einige Ausrufezeichen: «Klasse!!!!» 22,50 Euro

2011 «Octavio» Weingärtner Stromberg-Zabergäu, Brackenheim: Viel Waldbeeren im Aroma; geschmeidig, elegant, ein Schmeichler für die Zunge. «Sehr gut, Kaffeenote», ist der Eindruck von Hans-Georg Schiller. 23,80 Euro

2011 Cuvée Wirtemberg Réserve Collegium Wirtemberg, Stuttgart: Waldbeeren im Aroma; schöne, ausgewogene Fülle, fast schmelzig, üppig, stattlich im Alkohol (14 % Vol.); setzt sich aus verschiedenen Cabernetsorten und Lemberger zusammen. «Kräftig und füllig», notiert Martin Konzmann. 18 Euro

2010 «Caverna» Winzer vom Weinsberger Tal, Löwenstein: Spannender Wein aus einem schwierigen Jahrgang mit geringer Ernte und hohen Säurewerten, dafür ausgezeichnet geraten: Tannennadeln und Leder im Aroma; reife Gerbstoffe, kräftig, merkliche, aber nicht aggressive Säure. «Guter Charakter», merkt Dominic Götz an. 14,28 Euro

2009 Vinitiative Lauffener Weingärtner: Ein gut gereifter Wein aus dem bekannten Jungwinzer-Projekt mit rund einem Dutzend verschiedener Sorten. Viel Kräuter im Aroma; feinmaschig, temperamentvoll, noch längst nicht am Ende. «Kräftig, lang, weiche Tannine», lobt Hans-Georg Schiller. 30 Euro

2009 Fellbacher Lämmler «Amandus» «P» Fellbacher Weingärtner: Die Vorzeige-Cuvée der Fellbacher ist stabil geblieben: Tannennadeln und etwas Leder im Aroma; würzig, straff, gradlinig. «Einfach Klasse», begeistert sich Martin Konzmann. 26,50 Euro

2011 Shiraz Cannstatter Zuckerle *** Weingärtner Bad Cannstatt: Die Wortverbindung «Shiraz und Zuckerle» mag zwar etwas gewöhnungsbedürftig sein, aber der Wein beweist, dass die Sorte auf dieser Flur gut zurechtkommt. Feiner Beerenduft; elegant, komplex, ausdauernd würzig und noch jugendlich. Dominic Götz glaubt an «tolles Potenzial». 38 Euro

2012 Cabernet Sauvignon «Divinus» Weingärtner Dürrenzimmern-Stockheim: Kräuter und Tannennadeln im Aroma, etwas Paprika; weiche, gut gereifte Gerbstoffe, ausgewogene Fülle. Für Hans-Georg Schiller «sehr angenehm». 19 Euro

2009 Cabernet Mitos Heuholzer Dachsteiger Weingärtnergenossenschaft Heuholz: Tiefschwarz, feiner, anhaltender Beerenduft; elegant, feinmaschig, üppig, gute Länge. Hier zeigt sich die Kreuzung aus Lemberger und Cabernet Sauvignon in frischer Form. «Super», bringt es Martin Konzmann auf den Punkt. 14,25 Euro

Die Betriebe auf einen Blick:

Collegium Wirtemberg, Stuttgart, 0711 327 775 80, www.collegium-wirtemberg.de Weingärtnergenossenschaft Dürrenzimmern-Stockheim, 07135 951 50, www.wg-duerrenzimmern.de Weingärtner Esslingen, 0711 918 96 20, www.weingaertner-esslingen.de Fotos: Faber & Partner Fellbacher Weingärtner, 0711 578 80 30, www.fellbacher-weine.de Genossenschaftskellerei Heilbronn- Erlenbach-Weinsberg, 07131 157 90 (Grantschen Weine) , www.wg-heilbronn.de Heuchelberg Weingärtner, Schwaigern, 07138 970 20, www.heuchelberg.de Weingärtnergenossenschaft Heuholz, Pfedelbach-Heuholz, 07949 94 00 33, www.heuholz.de Lauffener Weingärtner, 07133 18 50, www.wg-lauffen.de Weingärtnergenossenschaft Metzingen- Neuhausen, 07123 417 15, www.wein-metzingen.de Remstalkellerei, Weinstadt-Beutelsbach, 07151 690 80, www.remstalkellerei.de Weingärtnergenossenschaft Rohracker, 0711 675 93 23, www.wg-rohracker.de Weingärtner Stromberg-Zabergäu, Brackenheim, 07135 985 50, www.wg-stromberg-zabergaeu.de Weinmanufaktur Untertürkheim, 0711 336 38 10, www.weinmanufaktur.de Winzer vom Weinsberger Tal, Löwenstein, 07130 46 12 00, www.weinsbergertal-winzer.de Weingärtner-Zentralgenossenschaft Möglingen (WZG), 07141 486 60, www.wzg-weine.de