Wein
28. Oktober 2018

Prädikatsweingüter Die besten Großen Gewächse

Eine Auswahl der Großen Gewächse des VDP: Die Lieblings-Weine der GOURMETWELTEN - von Serhat Aktas.

Jeden September dürfen sich die Großen Gewächse des VDP endlich offiziell präsentieren. Ich habe mir etwas Zeit gelassen, aber wie heißt es so schön: Besser spät als nie! Hier kommt mein Eindruck zum Jahrgang 2017 der Weißweine sowie 2016 der Rotweine und meine Favoriten unter den Weingütern.

Prädikatsweingüter | Die besten Großen Gewächse

Nach dem Spätfrost dachte vermutlich jeder, dass es ein katastrophaler Jahrgang werden würde. Zumindest, was die Erntemenge angeht. Wenn ich mich nur an die Fotos der Weingüter auf Facebook und Instagram erinnere, die mit Lagerfeuer, Helikopter und Fackeln in den Weinbergen standen (als wären sie auf einer Hexenjagd), um gegen den Frost zu kämpften, fröstelte und fieberte ich selbst in Berlin mit. Aber nicht annähernd so wie die Winzer selbst - für sie war es eine schlimme Zeit!

Und die elende Zeit wollte nicht aufhören: Danach kam noch der Hagel hinzu. Die bereits reduzierte Menge schrumpfte weiter. Was wird nun mit der Qualität? Viel und intensiv wurde darüber gesprochen.

Aber hatte man dem Jahrgang 2016 auch nicht mehr Negatives zugesprochen als Gutes? Denn 2016 war mindestens genauso problematisch wie 2017. Nur anders. Wenn ich heute die 16er probiere (in Wiesbaden gab es jede Menge davon, denn viele Winzer präsentieren mittlerweile die GG's erst zwei Jahre später) bin ich stark beeindruckt - wie gut sich diese Weine doch entwickelt haben.

"Heute gibt es keine schlechten Jahrgänge mehr, nur noch kühlere und wärmere, trockenere und nassere Jahre", so betont es Dirk Würtz regelmäßig. Dem stimme ich zu. Heute sind die Winzer besser ausgebildet als je zuvor. Gute Winzer wissen auch mit einem heiklen Jahrgang was Gutes anzufangen.

2017 wird da nicht anders sein. Ein ähnlich gutes Potenzial wie bei den 16ern sehe ich. Mehr Kühle, Schlankheit, viel Tiefe, starkes Säurepotenzial (nicht nur bei den Rieslingen), Charakter und das wichtigste: 2017 wird richtig Spaß machen!

Natürlich gab es jede Menge Spitzen-Weine und Weingüter, nur kann und will ich nicht alle aufzählen. Sondern nur die, die mir besonders gut gefallen haben:

Franken - Riesling & Silvaner

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Mein absoluter Favorit in Franken ist Horst Sauer bzw. die Sandra Sauer und der Riesling & Silvaner aus der Lage Am Lumpen 1655. Nicht nur 2017, sondern auch oder vor allem 2016. Absolute Spitzenklasse! Die Rieslinge sind säure- und fruchtbetont, super spannend am Gaumen, tief wie der Marianengraben und ein Wahnsinns Trinkfluss (der Wein aus 2016 hatte übrigens beim Lagen-Cup der  GOURMETWELTEN mit 95 Punkten fantastisch abgeschnitten!).

Hans Wirsching (Julius-Echter-Berg), Zur Schwane (Am Lumpen 1655), Bickel-Stumpf (Mönchshof) und Am Stein (Stein) gehören auch an die Spitze. Diese Weingüter wissen mit den zwei wichtigsten weißen Rebsorten des Landes gut umzugehen. Natürlich ist die autochthone Rebsorte Silvaner hier ein sehr wichtiger Punkt. Denn Silvaner ist Franken - Franken ist Silvaner!

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Mosel / Saar / Ruwer - Riesling

Das Land der Rieslinge. Nik Weis - St. Urbans-Hof (Layet), Dr. Loosen (Würzgarten & Prälat), Knebel (Uhlen) und Van Volxem (Altenberg) absolute Klasse! Alle auf ihre Art unterschiedlich. Aber alles Spitze! Der Layet von Nik Weis mehr gelbe Früchte, schlank und harmonisch. Dr. Loosen knackige Säure, zitrisch sowie würzig und eine super Länge! Knebel rassig, Pfirsich, Orangen, etwas Feuerstein, gut ausbalanciert und komplex. Altenberg von Van Volxem eindrucksvoll, konzentriert, saftig, salzig, schlank und zart, erfreulich und vielversprechend. Wird sich sehr gut entwickeln.

Rheingau - Riesling

Meine zweite Heimat. Von Oetinger (Siegelsberg) eine tolle phenolische Säure, mit säurebetonten und leicht bitteren Aromen wie Limettenzeste, Zitronenschale und Grapefruit. Eine unglaublich fruchtige Länge. Barth (Hassel), Zug, Druck, Fruchtbombe und zupackend. Gründlich, klar, Grip und viel Stoff. Peter Jakob Kühn (Doosberg) beißende Säure mit Balance, Bergamotte, Kräuter, Kamille, Thymian. Einfach nur spannend. Geheimrat J. Wegeler (Berg Schlossberg) eine saftige Säure, Obstkorb, etwas Kumquat, Physalis sowie auch Zitronen-Krümeltee. Robert Weil (Gräfenberg) Die Weine von Wilhelm Weil sind immer eine sichere Bank. Egal wie schwierig die Jahrgänge sind, hier stimmt die Qualität. Eine hervorragende Fruchtsüße, weiche Säurestruktur die sehr frisch wirkt, breitgefächert und stramm. Frische bis tropische Früchte, Pomelofrucht, Clementine, Amalfi-Zitrone, etwas Mango, Kiwi und Zitronengras.

Nahe - Riesling

Dönnhoff (Felsenberg) erste Nase und man ist geflasht! Super komplex, vielfältig und animierend. Erfrischende Säure, etwas Schmelz und Nachhall. Gut Hermannsberg (Hermannsberg) auch hier eine schöne gerbstoffbetonte Säure, würzig, griffig und saftig. Schäfer-Fröhlich (Stromberg) dieser Wein hat Grip! Packt zu und lässt sich spüren. Fruchtig und etwas floral, Trinkfluss und Charme.

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Rheinhessen - Riesling

Kühling-Gillot (Rothenberg "wurzelecht", Foto ganz oben) Geiles Zeug! Zug und Tiefe, Säurepower und Fruchtbombe. Keller (Hipping) Wahnsinns Säure, sehr streng aber angenehm, Frucht, Tiefe (was für eine Tiefe!) und vielschichtig. Schätzel (Ölberg) rauchig in der Nase, am Gaumen schlank, gutes Frucht-Säure-Spiel und lang. Wittmann (Kirchspiel) wie jedes Jahr auch dieses Mal ein Genuss. Ein Fruchtcocktail, facettenreich, vielfältig, sehr gut strukturiert und harmonisch. Gunderloch (Pettenthal) Aprikose, Nektarine und leicht blumig. Prickelnde Säure, allerdings weich und etwas cremig, frisch, animierend und macht beim Probieren einfach nur glücklich.

Pfalz - Riesling

Philipp Kuhn (Kirschgarten) Druck am Gaumen, da steckt Wein dahinter. Intensiv, nicht fett aber rund und zeigt dennoch Eleganz. A. Christmann (Idig) sehr präzise, gerbstoffreich, straight, frisch und belebend. Kranz (Kalmit) ausgeglichen, bekömmlich, saftig mit sehr guten Aromen und gut eingebundener Säure.

Spätburgunder

Künstler (Höllenberg) sehr schöne Früchte, die ehrlich aus dem Glas springen. Frische Kirsche, Pflaume sowie auch Barriquearomen die präsent sind. St. Antony (Paterberg) starke Tanninstruktur, Holz gut eingebunden, kräftig aber schlank und lang. Knipser (Mandelpfad) fruchtbetont, schwarze Johannesbeere, etwas Erdbeere und Maulbeere. Rund und cremig am Gaumen. Philipp Kuhn (Kirschgarten) kräftige Tannine, schöne Fruchtsüße, Himbeere, Heidelbeere und Blaubeere.

Bernhard Huber (Sommerhalde) weich wirkende Tannine, rund, fruchtig, schöne Röstaromen, hefig und aussagekräftig. Stodden (Rosenthal) steht wie eine Eins im Glas. Schlank wie ein Model, sexy Frucht gepaart mit Holzaromen, rund, weich und appetitanregend. Meyer-Näkel (Pfarrwingert) zugegeben den hatte ich zum ersten Mal im Glas und war sehr überrascht. Präzision, Exaktheit, die Fruchtstruktur sehr komplex, sehr gute Säure, sowie Holzeinsatz. Diesen Wein muss ich in der Zukunft öfter probieren.

Autor Serhat Aktas ist IHK- & WSET-Sommelier