Mail aus München
26. Februar 2015

Buchvorstellung Marchesi Antinori

Fotos: Thilo Weimar, Bardolino/Tre Torri

Fotos: Thilo Weimar, Bardolino

Mail aus München: Antinori - alleine schon der Name zerschmilzt auf der Zunge und vermittelt augenblicklich italienische Lebenskultur

Die Weine der Adels- und Winzerdynastie Antinori - mittlerweile in der sechsundzwanzigsten Generation - begeistern Weinliebhaber in der ganzen Welt. Derzeit ist Piero Antinori der Chef des ältesten Familienunternehmens der Welt. Mit Tignanello hat Marchesi Antinori ein völlig neues Geschmacksbild für Weine der Toskana, ja für ganz Italien geprägt und Tignanello wurde weltweit zum Vorbild für große Weine. Es ist der Wein mit dem Antinori Weinbaugeschichte geschrieben hat.

1978 gesellte sich eine neue Wein-Ikone aus dem Hause Antinori hinzu: der Solaia. "So wenig man dem unergründlichen Lächeln der Mona Lisa auf die Spur kommt, indem man die Farben des Gemäldes chemisch analysiert, ist auch der Solaia nicht über seine analytischen Werte zu verstehen. Es ist ein Wein der alles sein will, nur eines nicht: gewöhnlich, mittelmäßig, berechenbar" schreibt Till Ehrlich in seinem Essay über Solaia.

Heute ist Marchesi Antinori mit seiner 800-jährigen Familiengeschichte ein weltweit agierendes Weinunternehmen das beeindruckende Weine erzeugt. Die Wiege dieser Weindynastie ist Italien, besser gesagt das historische Herz, das Chianti Classico. Bei allen sechzehn Antinori-Weingütern in Italien hat die Auseinandersetzung und das Kennenlernen der jeweiligen Weinregion Priorität, erst dann werden die dort produzierten Weine auf eigenständige und authentische Art interpretiert.

Till Ehrlich beschreibt begeisternd und, auch für Laien in gut verständlicher Sprache, alle Antinori-Weingüter Italiens. Er porträtiert die Önologen, erklärt die Lagen und die Besonderheiten der Weine. Thilo Weimar hat jedes der Weingüter fotografisch faszinierend in Szene gesetzt, so dass nicht nur Weinfreaks, sondern auch Italienliebhaber Lust bekommen hin zu fahren.  

Spektakulär sind auch die Bilder des architektonischen Meisterwerks der Fattoria Antinori, insbesondere von der gigantischen Wendeltreppe an der Außenwand des Bauwerks. Während die  eigentliche Kellerei sich unter einem Berg ausbreitet bestimmen Licht und Luft das stählerne Atrium.
Antica, so heißt das Antinori-Weingut in Kalifornien, das Stuart Pigott unter die Lupe genommen hat. Obwohl Klima und Boden sich unterscheiden, optisch erinnert die Landschaft an die Toskana und das hat sicherlich den jungen Piero Antinori 1985 mitbewogen sich für diese relativ kühle Ecke Kaliforniens zu entscheiden.

Echte Weinfreaks werden den Degustationsnotizen im letzten Teil des Buches ganz besondere Aufmerksamkeit schenken. Verkostet hat der Verleger Ralf Frenzel gemeinsam mit Michael Schmidt und  Peter Keller vierunddreißig Tignanello von 1971 bis 2011, vierzehn Jahrgänge Solaia von 1990 bis 2010, vierzehn Chardonnays Cervaro della Sala aus den Jahren 1993 bis 2012, zwölf Cuvées Guado al Tasso (1990 bis 2011) und zwölf Chianti Classico DOCG Badia a Passignano aus den Jahren 1988 bis 2009.

Das im Tre Torri Verlag erschienene 240 Seiten umfassende Werk ist mehr als eine Chronik der Weindynastie Marchesi Antinori, es repräsentiert die Weinkunst dieser geschichtsprägenden Familie, spiegelt die Kultur Italiens wider und macht Lust auf Italien und auf Weine mit Authentizität, Individualität und Terroir.

Marchesi Antinori
Verlag: Tre Torri, 69,90 Euro

Eure

Monika Kellermann